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Der Israelit · 1867-05-22 · Heft 21 (22.5.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 21 (22.5.1867)
Date
1867-05-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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347 Österreichischer Kaiserstaat. Wien. Se. Majestät der Kaiser hat durch allerhöchste Entschließung auf Vortrag des ungarischen Ministers am allerh. Hoflager dem Preßburger Kaufmann Jakob Stern in Anerkennung seiner während des letzten Feldzuges erworbenen Verdienste die goldene Medaille verliehen. Wien. Dieser Tage hat sich in Wien ein Komite gebildet, um in Angelegenheit der Geldsammlungen für die armen Juden Palästinas definitive Ordnung zu schaffen. Nach der bisherigen Gepflogenheit erschienen alle 2—3 Jahre eigene „Beglaubigte" aus Palästina, welche auf ihrer Rundreise durch Europa die in den Synagogen — in eigenen Opferstöcken — niedergelegten Spenden übernahmen. Diese Gelder wurden nach Abzug von 30 %, welche die „ Beglaubigten" für Reisespesen und ihre Bemühung erhielten, dem Oberrabbi von Jerusalem (Chacham-Pascha) übergeben, der mit der Vertheilung aller für die Juden nach Palästina gelangenden Gelder betraut ist. Die Vertheilung wurde bisher von dem Chacham-Pascha, nach Abzug weiterer 30 ü/0 für sich und sein Synhedrion (Rabbinats-Kollegium), nach der Kopfzahl. ohne Rücksicht auf die Verhältnisse der einzelnen Gemeinden, vorgenommen, wodurch die einzelnen entfallenden Beträge oft in grellstem Mißverhältnisse zu einander standen. Diesem Uebelstande soll nun dadurch abgeholfen werden, daß in den Gemeinden Vertrauensmänner das Einsammeln der Spenden übernehmen und die gesammelten Gelder dem Centralkomite in Wien übermachen, welches nach genauen statistischen Erhebungen in Palästina, unter Intervention des Konsulates, die Vertheilung nach Maßgabe der wirklichen Bedürftigkeit einzuleiten und zu überwachen hätte.*) (Frbl.) Aus GroHwardein schreibt man dem „Magyarorßag," daß sowohl von Seiten des Biharer Komitates, als auch von Seiten der Stadt Großwarvein den Honoratioren der israelitischen Konfession das aktive Wahlrecht ertheilt wurde. In den Komitatsausschuß wurden ferner, — wie im Jahre 1861 so auch jetzt, — mehrere Israeliten berufen. Aus Mähren. (Erwiderung.) Soeben kommt mir die Nr. 19 des „Israelit" mit einer für die Sache Jung - Czechiens sehr warm gehaltenen Correspondenz zu. In derselben werden aus meinem Artikel Consequenzen gezogen, die gewiß keinem „czechischen Juden" beim Lesen deffclben in den Sinn gekommen sind. Ueberdieß hat der Vorstand des Vereins Libuffa aus der Principienfrage einen Personenstreit gemacht und meine Wenigkeit dadurch, ganz wider meinen Wil¬ *) Diese ganze Notiz ist ungenau und kann sich höchstens auf Oesterreich allein beziehen. Die in Deutschland eingehenden Spenden vertheilt das Centralcomit« zu Amsterdam ohne Abzug. — Red. len, in den Vordergrund gedrängt. Ich werde daher dem Herrn Verfasier jenes Artikels nur auf die gegen die Mährischen Juden gerichteten Angriffe, nicht aber auf die meine Person betreffenden, antworten. Nur soviel sei mir gestattet pro domo zu bemerken. Ich habe in meinem noch jungen, aber wechselvollen Leben oft Gelegenheit gehabt, mit Czechen zusammenzukommen, ja, ich habe sogar mehrere czechische Lehrer während meiner Gymnasialstudien zu Olmütz gehabt, und kann daher dem Herrn Correspondenten meine herzlichste Versicherung geben, daß es unter den Czechen auch eine große Anzahl humaner und toleranter Priester, Lehrer und Bürger gibt, die keine Judenfeinde sind; das weiß ich und will es auch wissen. Aber bedenkt der ehrenwerthe Vorstand des czechischen Vereins Libuffa nicht, welch" ein trauriges Armuthszeugniß er durch diese Worte seiner eigenen Nation ausstellt? — Also „ die Czechen sind ein ungebildetes, intolerantes Volk, doch findet sich unter ihnen eine große Anzahl toleranter Priester, Lehrer u. s. w." So spricht und verkündet ein Sohn seines Volkes. — Ich aber sage dem „czechischen Juden", daß, soweit ich die Czechen kenne, sie weder ein intolerantes noch keiner Bildung fähiges Volk sind, sondern daß sie nur leider eine große Anzahl gehässiger Pfaffen, intoleranter Lehrer und Redacteure und knechtischer Bürger in ihrer Mitte haben, die das Volk aufhetzen und ihnen die Juden als die Ursache alles Unglücks, welches das vorige Jahr brachte, darftellen. Deßhalb kann! man dem Pöbel nicht jene schrecklichen Gräuelscenen des vorigen Jahres allein aufbürden, wir wissen, woher jener Wind bläst. — Wenn aber der Herr Correspondent glaubt, daß die Scenen des vorigen Jahres sich nicht wiederholen werden, so möchte ich ihm nur zu gerne beistimmen. O daß es wahr wäre! daß doch die Juden Böhmens und Mährens fernerhin nicht mehr von ihren czechischen Mitbürgern angefeindet würden, sondern in Friede und Eintracht neben einander wohnen möchten. Aber leider ist dem nicht so. Die allerjüngsten Ereignisse in Böhmen haben uns das Gegenthei! bewiesen. So lasen wir vorige Woche in der „Neuen freien Presse", daß die „Narodni listy“ eine ganze Anzahl jüdischer Fabrikanten und Bürger rc. anführt, die deutsch gewählt haben, und die sie daher dem Haffe und der Verachtung aller guten Czechen anempfiehlt.! Dann lesen wir wieder, daß in Prag ein Verein junger Kaufleute, „Merkur," gegründet worden sei, der einzig und allein judenfeindliche Tendenzen verfolge. Die Thatfachen bedürfen ckeines weitern Commentars. Ich bin fertig. Nicht unterdrücken kann ich aber zum Schluffe die Bemerkung, daß eS mein innigster und tiefgefühltester Wunsch ist, daß die Israeliten

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