Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 21 (22.5.1867)
- Date
- 1867-05-22
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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545 glühenden Aufruf. Der Erfolg war indessen nicht derart, daß etwas Ersprießliches erzielt werden konnte. Gleichzeitig mit diesen mißlungenen Versuchen wurde von der Londoner „Bekehrungsgesellschaft" ein erfolgreicheres Unternehmen in's Leben gerufen. Ihre Missionäre, versorgt mit reichlichen Fonds und des hohen Schutzes gewiß, erreichten in der That Abessynien und gewannen den König Theodor und das geistliche Oberhaupt des Landes, den Aboonah, für ihr Projekt, erhielten Erlaubniß, den reinen und unwissenden Falascha's ihre Doktrinen zu predigen. Diese, welche noch niemals zuvor von der Existenz des Christenthums (?) gehört halten, wurden beunruhigt durch die neuen Grundsätze der Missionäre, welche vorgaben, daß sie vom selben Stamme wie sie wären, dieselben Bücher ehrten und nur eines noch mehr hätten, das die Fortsetzung der früheren wäre. Groß war die Verwirrung dieser Leute, als sie aus dem Munde derjenigen, welche sie als Brüder betrachteten, hörten, daß der schon längst erwartete Messias bereits gekommen sei und daß sie ausgesendet worden seien, ihnen die Anzeige hiervon zu machen. Der Widerstand bei den Falascha's wurde heißer und bitterer, je eifriger die Missionäre ihrem Ziel zusteuerten. Nach und nach wurden einige Falascha's zu dem neuen Glauben gebracht, und diese mußten, da nach dem Landesgesetz der Protestantismus verboten ist, in die abessynische Kirche eintreten. Wie groß die Aengstlichkeit dieses Volkes gewesen sein muß, ist daraus zu ersehen, daß sie zwei Abgesandte nach Jerusalem schickten, um zu erfahren, ob der Messias auch wirklich gekommen sei, wie sie von den Missionären vernommen haben. Jsolirt von jeder Verbindung mit ihren Glaubensgenossen in den andern Ländern und unwissend in den jüdischen Gesetzen, wie diese Leute es sind, wäre es den Missionären mit Leichtigkeit gelungen, viele, vielleicht die meisten derselben, dem Christenthum zuzuführen, wenn nicht die Missionäre bei dem Könige in Ungnade gefallen wären, und dieselben, da sie in's Gefängniß gesetzt wurden, die jüdischen Dörfer nicht mehr besuchen konnten. Das ist die kurze Skizze der Versuche, die von unseren Glaubensgenossen gemacht worden, um den Ursprung, die Praxis und die gegenwärtige religiöse Stellung dieses interessanten Volkes zu erfahren. Zu diesem Volke hat nunmehr neuerdings die „Alliance Jsr." einen Glaubensboten gesendet, um diesen getrennten Haushalt von Brüdern zu der ganzen Familie Israels zurückzubringen. Von großer Bedeutung sind die dem Abgesandten auferlegten Pflichten. Es wird vor Allem für ihn nöthig sein, ihr Vertrauen zu erwerben und ihnen zu beweisen, daß er ein wirklicher Bruder von ihnen ist. Wenn er dies erreicht hat, wird es ihm nicht schwer fallen, ihre Geschichte und Tradition zu erfahren, die geschriebenen Urkunden, die sie besitzen, zu prüfen, da sie dann keine Ursache haben werden, ihm Etwas zu verbergen, oder ihm falsche Mittheilungen zu machen. Bei einem solchen Unternehmen in ein Land wie Abeflynicn setzt sich der Abgesandte großen Gefahren aus. Ehre dem Manne, der, in seinem Eifer für die Wahrheit und Wissenschaft nicht vor diesen Gefahren zurückschrickt. Wrr glauben, daß der Abgesandte der Alliance, der ohne jeden ossiciellen Charakter und nur mit solchen Recommandations- und Creditbriefen versehen ist, die ihm nöthig sind, um Aufnahme bei seinen Brüdern zu finden — große Chance hat, unbeschädigt sein Ziel zu erreichen. E'N Reisender von hohem Rang ist viel mehr der Gefahr ausgesetzt, von Wegelagerern überfallen zu werden, als ein armscheinender Wanderer, weil von dem Ersteren ein größeres Lösegeld zu erwarten ist als von Letzterem, ebenso wie in halbcivilisirten Ländern berühmte Abgesandten mehr Gefahr lausen, gefangen zu werden, als Privatleute, für deren Befreiung kein Opfer gebracht werden würde. Beweis hiervon ist die Gesangennehmung der engl. Missionäre durch den König Theodor. Möge der Abgesandte der Alliance in seiner heiligen Mission glücklich sein, möge es ihm verstauet sein, mit Israels Gemeinschaft diese Million Glaubensgenossen wieder zu vereinen! Dieses Ziel ist der Alliance würdig. Seine Erreichung wird den Beförderern dieses wichtigen Unternehmens unsterblichen Ruhm verleihen. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. München, den 8. Mai. Ehe ich meine regelmäßige Thätigkert für den „Israelit" von der Jsarstadt aus beginne, halte ich es für nöthig, eine Erklärung oorauszuschicken, die vielleicht hie und da, wenn sie richtig aufgefaßt und beherzigt wird, von Nutzen sein könnte. In Mainz war es mir nämlich, wenn ich irgend eine Arbeit für den „Israelit" auszuarbeiten beabsichtigte, möglich, bei der löbl. Redaction anzufragen, ob und in welcher Form dieselbe verwendbar sei. Von der Ferne aus ist dieses nicht immer thunlich, so daß ich auch gewärtig sein muß, daß diese oder jene Arbeit in den großen Papierkorb der Nedaction anstatt in die Druckerei wandert. Für diesen Fall nun erkläre ich hiermit ganz unumwunden, daß ich mich dadurch nicht im Geringsten abhalten lassen werde, in demselben Maße für den „Israelit" thätig zu sein, selbst wenn ich meinen Aufwand von Zeit und Mühe momentan ohne augenscheinlichen Zweck verbraucht hätte.