Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1867)
- Date
- 1867-05-15
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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337 reiche man ihm die Hand, um ihn unter die Fittige der Gottheit zu bringen," und soll man ihn auch einerseits aus die Leiden und Verfolgungen aufmerksam machen, welche Israel so mannigfaltig schon zu erdulden hatte, und anderseits die Schwierigkeit und Nothwendigkeit der strengen Beobachtung der zahlreichen religiösen Gesetze und Vorschriften Vorhalten, so soll man ihn doch nicht abschrecken, vielmehr auf die reichliche Vergeltung im künftigen Leben Hinweisen. Nimmermehr aber ist es gestattet, dem Fremdling gegenüber den ersten Schritt zu thun, ihn, ohne daß ein Schritt von ihm aus zur Annäherung geschehen sei, zum Ueber- Iritt geradezu aufzufordern oder auch nur mittelbar dazu zu veranlassen. — Die Geschichte zeigt uns, wie von Manchen berichtet wird, in Folgendem ein Beispiel, wo dennoch solches auf eine merkwürdige Weise geschehen sei; sie zeigt uns dann aber auch durch den traurigen Ausgang, daß der Wille Gottes nicht dabei war. Möge aber auch dieses, wie Andere und vielleicht mit größerem Rechte glauben, nicht versucht worden sein, so lehrt sie uns doch jedenfalls, daß das Unternehmen — und geschehe es in noch so redlicher und frommer Absicht — die Stunde der messianischen Erlösung im Voraus, etwa auf kabbalistische Weise, berechnen und bestimmen zu wollen, mit Recht untersagt ist, weil der Jrrthum hierin gar leicht so verhängnißvoll werden kann. Es war um das I. d. W. 5285, nach der gewöhnlichen Zeitrechnung um das Jahr 4525, also kurz nach den blutigen Verfolgungen, welche die Juden damals in so vielen Landen, in Städten und Dörfern erlitten, da kam ein.Mann aus weiter Ferne, wie er sagte, nach Portugal, ein Jude, mit Namen David Rubeni. — Der Mann war von fremdarttgem Aussehen, kleiner und abgezehrter Statur, schwarz wie ein Mohr und etwa 45 Jahre alt. Er sagte, daß er mit einer Karavane von Chabor (Chaibar), einer arabischen Landschaft, an das rothe Meer, und von da durch Nubien nach Aegypten und dem gelobten Lande gekommen, von wo aus er alsdann auf einem venetianischen Schiffe nach Venedig und endlich nach Portugal gelangt sei. So, erzählte er weiter, komme er von den dritthalb Stämmen her, die, wie die Söhne der Rechabiten, als Nomaden in Zelten wohnten in den wilden Steppen Chabor's, und daß von hier abwärts und weiterhin die zehn Stämme sich vollständig befanden, nahe bei den Wüsten, die nach Lamek und Guda am rothen Meere führen. Sie alle, sagte Rubeni, haben ihre eigenen Fürsten und Könige, sind zahlreich wie Sand am Meer; auch findet man bei ihnen Gewürze und Pfeffer, einfache Arzeneien und sonst manches Vortreffliche. Zwischen beiden getrennten Theilen der Juden aber wohnen Jsmaeliten, ein starkes und mächttges Volk mit vielen Königen, welche den Juden möglichst Schaden zufügen und d'.e beiden getrennten Theile von einander fern halten und sie sich nicht vereinigen lasten, und obschon sie viele Jahre schon danach streben, sich einander zu nähern und sich zu verbinden, so ist es ihnen doch bis jetzt noch nicht gelungen. Jndeffen sei, sagte er, schon vor langer Zeit in diese Gegenden die Kunde gedrungen von der Ankunft großer und starker christlicher Schiffe, und als man gehört und zum Theil selbst gesehen, wie diese Schiffe hohle, metallene Kriegswerkzeuge führen, um mit deS Donners Kraft mächtige und gewaltige Steine zu schleudern und so Bauten und Festungen zu zerstören, da beschlossen die Juden, welche in der Wüste Chabor wohnen, ihn als Sendboten an die großen Könige, welche über die Christen herrschen, zu schicken und ihm gewiffe Zeichen zur Beglaubigung seiner Sendung mitzugeben. Er beabsichtige, so sagte er, mit Zulassung und Beistand der Könige der Christenheit alle Juden, die sich unter ihrer Obhut befinden, mit sich nach jenen Landen und Orten zu führen. (Fortsetzung folgt.) In Ischl. Es waren nur noch wenige Tage zum heilige« Neujahrsfeste. Ich befand mich in Ischl, und wollte ich zum Feste noch zu Hause sein, so durfte ich de« heute abgehenden Postwagen nicht versäumen. Als ich auf die Uhr sah, fand ich, daß mir kaum noch so viel Zeit übrig blieb, um von der Promenade nach meinem Gasthofe zurückzukehren, meine Sachen zu ordnen und zur Post zu eilen. Endlich war ich im Gasthose fertig. kaum 40 bis 15 Minuten mochten noch bis zur Abfahrt sein; ich begab mich rasch nach der Post. Plötzlich bleibe ich stehen; was war das, was in mein Ohr tönte? Ist das nicht die Melodie eines der heiligsten Stücke vom Neujahrstage, eine Keduscha oder ein Kaddisch? Hier in Ischl, wo doch keine Juden wohnen, woher dieser liebliche Ton? Ich sehe mich u« und siehe da, es ist ein höherer österreichischer Stabsoffizier, der diese Melodie laut vor sich hinpfeift. Derselbe schreitet auf mich zu und fragt mich in höflichem Tone: „Mein Herr, können Sie mir nicht sagen, an welchem Tage das jüdische Neujahr beginnt?" Ich sehe ihn befremdet an und konnte, nachdem ich ihm geantwortet hatte, mich nicht enthalten, ihm die Bemerkung zu machen, ob und wie ihn dies interesfire. „Auch ich bin Jude," erwiederte der Offizier, „ich war in der Schlacht bei Custozza, ward dort verwundet, und wurde mir zur vollständigen Genesung der Badeort Ischl verordnet. Ich weile nun schon seit einiger Zeit hier, mein rot>, das ich sonst stets bei mir zu haben pflege, kam mir im Feldzuge abhanden, und da