Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1867)
- Date
- 1867-05-15
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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335 wir zugleich in treuer Abschrift das Sr. Excellenz überreichte Memorandum hier beifügen. Da wir von den geehrten Gemeinden nicht bevollmüchtigt sind, im Namen der sämmtlichen Israeliten des Landes zu sprechen, beschränkten wir uns blos darauf, nachzuweisen, daß zur Beschaffung einer für die Folge zu beobachtenden Organisation, vor allem nöthig sei, die sämmtlichen israelitischen Gemeinden des Landes einzuvernehmen. Wir haben daher gebeten, daß die gewählten Vertreter sämmtlicher Gemeinden nach dem Beispiele unserer Vorfahren zu einer Landesversammlung einberufen werden mögen. Wir glauben mit diesem unserem Verfahren Ihre Zustimmung zu erlangen, und ersuchen Sie, uns Ihre zustimmende Erklärung oder allfällige Bemerkung in dieser Angelegenheit je eher mittheilen zu wollen. Wir werden nicht unterlassen, Sie von der weiteren Entwickelung unserer Angelegenheiten in Kenntniß zu setzen. Mit brüderlicher Liebe verharrend Pesth, 14. April 1867. Der Vorstand der isr. Kultusgemeinde. Länyi, Präses. Barnay, Sekretär." Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. □ München, 3. Mai. Der von den Vertretern der Stadt Erlangen gefaßte Beschluß, wonach dem Universitätsprofeffor vr. Jacob Herz das Ehrenbürgerrecht dieser Stadt verliehen wurde, wie in diesem Blatte bereits gemeldet, hat die Bestätigung Sr. Maj. des Königs erhalten. Lübeck, im Nissan. (Privatmitth.). In unserem vorigen Referate berichteten wir über die Anläufe, welche die Emancipation in Schweden genommen, um auch dort zur Geltung zu gelangen. Wir berichteten, daß eben die völlige Gleichstellung aller Confessionen *) nur an einem mit geringer Majorität gefaßten Beschlüsse der ersten Kammer scheiterte. Wir können heute unsern Bericht dahin vervollständigen, daß diese Frage in ein neues Stadium getreten ist. Vierunbzwanzig der angesehensten Mitglieder der ersten Kammer, darunter Graf H. Wachtmeister, Gras Hamilton u. v. A. haben gegen erwähr ten Majoritätsbeschluß dieser Kammer pro- *) In Schweden handelt es sich nicht bloß um die Emancipation der Huden; alle Einwohner, die sich nicht zur herrschenden Staatsreligion bekennen, sind Ausnahmgesetzen unterworfen. yy d"k testirt. Ob zwar nun „Aftonbladet" meint, daß dieser Protest erfolglos sei, so hat er doch anscheinend schon Vieles erreicht. Der Constitutions-Ausschuß des schwedischen Reichstages nämlich hat sein Gutachten über den privaten Vorschlag in Betreff Zulassung fremder Glaubensbekenner zu Staatsämtern abgegeben. Der Ausschuß befürwortet, daß fremde, selbst mosaische Glaubcrsbekenner, Zulaß haben sollen zu fallen Acmtern, ausgenommen zu geistlichen und Religionslehrerämtern und nur unter gewissen Bedingungen zu Staatsrathsämtern. Ebenfalls sollen dieselben zum Reichstage wählbar sein. Es hat allen Anschein für sich, daß, wie dermalen im siebzehnten Jahrhunderte, so auch im neunzehnten der Hauch der Toleranz von Schweden herüber nach unserem deutschen Vaterlande wehen muß, wenn auch wir uns der völligen Gleichstellung erfreuen sollen/— Im oberösterreichischen Landtage sitzt — vom Großgrundbesitze gewählt — ein Jude, Herr Ferdinand Wertheimer, ein geborner Münchner. — Der Londoner Firma Rothschild wurde am 26. Februar d. I. eine Kiste mit Silberbarren von 2000 L. von einem Schiffe weg gestohlen, das sie nach Rotterdam befördern sollte. — Der Hamburger Israel. Feuerungs- Verein" von 1855 hat bei seiner letzten Derloosung 140 Portionen Feuerung vertheilt und dadurch ebensoviele Familien einer der drückendsten Sorgen des Winters enthoben. Doch das Eomitö wünscht den noch weit zahlreicheren Anforderungen zu genügen, kann dies aber nur dann, wenn außerordentliche Mittel Beihilfe leisten. Zu diesem Zwecke hat am 18. März d. I. im großen Saale des Conventgartens ein Concert stattgefunden, bei dem mehrere namhafte Künstler und Künstlerinnen, Mitglieder des Stadt- und Thalia- Theaters mit ancrkennungswerther Bereitwilligkeit mitwirkten und durch ihre Anziehungskraft, dem Verein, wie wir hören, eine Netto-Einnahme von nahezu sechshundert Thalern erzielten. Ein schönes Beispiel von edler Gesinnung und Menschenfreundlichkeit, welches nur recht viele Nachahmung finden möge. 'ft ri'2Q ff'N Oösterreichischer Kaiserstaat. □ Pesth, im April. Der Staatssecretär im ungarischen Cullusministerium, Gedeon Tanarky, hat einer israel. Abordnung eröffnet, daß die Sonderstellung der Juden in Ungarn baldmöglichst aufgehoben und ein Israelit als Referent für die kirchlichen Angelegenheiten seiner Glaubensgenoffen im Cultusministerium angestellt werdensolle. — Auch dieInteressen des israel. Schulfonds in Ungarn sehen einer Regelung nach den Grundsätzen der konfessionellen Autonomie entgegen, worüber eine Versammlung israel. Notabeln gehört werden soll. (Siehe den leit. Artikel dieser Beilage.)