Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1867)
- Date
- 1867-05-15
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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338 geleistet; die Gleichgestellten wollten nicht mit den verachteten Aschkenasim in Berührung kommen. O, wie Ihat das dem alten de Pinto so weh! Don Jsak aber kümmerte sich nicht um das Urtheil seiner Genossen; er war froh und heiter; wiewohl ihm der Mißmulh seines Vaters zu Herzen ging, so überwog doch das Gefühl der Freude. Nach einigen Wochen wurde die Hochzeit in aller Stille gefeiert; Don Abraham wollte nicht noch einmal die Demüthigung erfahren, seine Einladungen verschmäht zu sehen; dagegen theilte er den Armen doppelte Spenden aus. Viola, eine hochbegabte Tochter unseres Volkes, eben so reich mit Vorzügen des Körpers wie mit Gaben des Geistes begnadigt, bemerkte wohl, daß sie das Herz ihres Schwiegervaters erst gewinnen mußte; es hatte sie tief bekümmert, zu einem Zerwürsniß zwischen Vater und Sohn Anlaß gegeben zu haben, und auch sie hatte erst dann eingewilligt. Don Jsak's Gattin zu werden, als sie besten Gesundheit gefährdet gesehen; nunmehr lebte sie nur für den heißgeliebten'Gemahl, und eben um seinetwillen suchte sie dem Vater deffelben alle erdenkliche Aufmerksamkeit zu widmen; es wäre ihr auch fast gelungen, das stolze Herz des Schwiegervaters, der die hohen Vorzüge der Gattin feines Sohnes anerkannte, zu gewinnen, wenn nicht die andern vornehmen Sephardim stets kalt und zurückhaltend gegen die Familie de Pinto geblieben wären. Das ließ einen Stachel in dem Herzen Don Abraham's zurück, den nichts zu entfernen vermochte; alle drei litten gleichmäßig unter diesen widerwärtigen Verhältniffen. H. Auf der Insel Java im indischen Cceatt f)atte die Familie de Pinto große und reiche Besitzungen; bei der Verwaltung derselben waren in jüngster Zeit große Unordnungen vorgefallen; cs mußte von Amsterdam aus Jemand mit ausgedehnten Vollmachten dorthin geschickt werden, nm dem Unterschleife und den Betrügereien der gewistenlosen Verwalter ein Ende zu machen. Don Abraham wollte seinen ersten Buchhalter adsenden. „Wenn ich dreißig Jahre jünger wäre," sagte er, „so würde ich mich selbst dorthm begeben. Das Auge des Herrn sieht mehr denn 50 Diener." — „„Schicke mich, mein Vater!"" entgegnete ihm Don Jsak. „Nicht doch, mein Sohn. Soll ich meinen einzigen Sohn den Gefahren einer so großen Seereise und des nicht Jedem zuträglichen Klima's aussetzen?" „„Du wolltest doch aber selbst reisen, wenn Du in meinem Alter ständest!"" „Sagte ich so? Es war nicht mein Ernst; es war nur ein so vorübergehender Gedanke. Wir haben Besitzthümer genug auch ohne die Batavischen Besitzungen. Bleibe Du bei Deinem Weibe, das Dir ja mehr gilt als Alles." Als Don Abraham die letzten Worte gesprochen hatte, ward sein Sohn über und über roth vor Zorn und Scham. „Vater," sagte er, „ich reise nach Batavia*); ich will Dir und der Welt zeigen, daß es mir nicht an Muth gebricht, daß ich Gefahren zu trotzen verstehe, wenn ich auch nicht die Liebe aus meinem Herzen zu reißen vermochte. Vater, wenn irgend ein Makel an Viola's Sittsamkeit, Character oder Frömmigkeit gehaftet hätte, ja, wenn nur ihre Familie nicht makellos gewesen wäre, ich hätte nimmer darauf bestanden, sie die meine zu nennen. Aber dem lächerlichen Vorurtheil, das Juden von Juden trennt, das uns Fremdlinge im fremden Lande unter uns selbst entzweit, konnte und wollte ich mein Lebensglück nicht opfern; im Gegentheile, ich als der erste und reichste unter den scphardischen Jünglingen wollte die Kluft ausfüllen, wollte die thörichte Scheidewand Hinwegräumen, und das wird mir noch gelingen unter göttlichem Beistände. Aber gerade darum laß mich nach Batavia reisen, damit Diejenigen, welche jetzt wegen meiner Heirath sich von mir fern halten, mich achten lernen." Zum ersten Male wieder seit langer Zeit umarmte Don Abraham seinen Sohn und küßte ihn. „Reise mit Gott, mein Sohn; möge der Allgütige Dich in Seinen Schutz nehmen und Dich glücklich und froh uns wieder zuführen." — Als am Abend Don Jsak seiner jungen Gattin die Nachricht von seiner bevorstehenden Abreise nach Batavia brachte, da gab es heiße Thränen; allein Viola war nicht die Frau, welche sich eigenwillig der Einsicht in das Notwendige verschloß; als Don Jsak ihr die Unterredung mit dem Vater berichtet hatte, da faßte sie sich schnell und half ihrem Gatten, die Vorbereitungen zur Abreise zu treffen. Das sicherste und festeste Schiff wurde ausgewählt, Don Jsak nach Java zu tragen; es wurde der Leitung des geschickten und zuverlässigen Capitäns Jan Matthes übergeben; Perez, der treueste Diener des Hauses, deffen Voreltern, wiewohl Christen, mit ihren jüdischen Herren aus Spanien entflohen waren, wurde zum Begleiter seines jungen Patrons bestimmt. Schon nach vierzehn Tagen befand sich Don Jsak auf hoher See, begleitet von den Segenswünschen seines Vaters und seiner Gattin. (Fortsetzung folgt.) . *) Batavia ist die Hauptstadt der Insel Java. Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann. — Verlag der Le Roux'scheu Hofbuchhandlung. — Dampf - Schnellpressendruck von I. Gott Sieben in Mainz.