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Der Israelit · 1867-05-15 · Heft 20 (15.5.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 20 (15.5.1867)
Date
1867-05-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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331 denn ich habe Dich um einen hohen Preis erworben. — Dein Lösegeld war gar groß. Deinetwegen erhob sich ein gewaltiger Sturm gegen mich und den apostolischen Stuhl. Regierungen und Völker, Potentaten und Journalisten — denn auch diese zählen unter die Mächtigen unserer Zeit — erklärten mir den Krieg. Könige stellten sich an die Spitze des Heeresbannes und ließen mich durch ihre Minister (leider vergeblich) mit diplomatischen Noten bestürmen. Alles das Deinetwegen, mein L>ohn. — Ich will die Könige mit Stillschweigen übergehen und bloß jener Verleumdungen und Kränkungen gedenken, die Einzelne und Private bloß deshalb gegen mich verübt, weil Gott der Herr Dich, mein Sohn, mit der Gnade des Glaubens erleuchtet (!) und Dich aus den Todesschatten (!) hervorgezogen, in welchem sich die Deinigen noch fortan befinden. — Ganz besonders bediente man sich der Anklage zum Vorwände der Feindseligkeit, daß gegen Deine Eltern eine große Ungerechtigkeit*) verübt worden sei, indem man Dich im Christenthum neu geboren werden und Dich an den Lehren theilnehmen ließ, die Du aus Gottes Gnade (!) empfangen. — Mich aber bemitleidet Niemand, den Vater der Gläubigen, dem das Schisma Tausende und Tausende seiner Kinder raubt, in Polen, wo man durch schädlichen Lehren sie zu verderben trachtet. Völker und Regierungen schweigen im Augenblicke, wo ich laut meine Klage erhebe über das Unglück dieses Theiles der Heerde, wo bei hellichtem Tage die Diebe verwüstend walten; Niemand rührt sich, um dem bedrängten Vater und seinen Kindern zu Hilfe zu kommen k" (Fremdenbl) Feuilleton. De Mnto von Amsterdam. I. Wer kennt nicht die berühmte Familie de Pinto von Amsterdam? Ihr Name ist sprichwörtlich geworden, nicht nur in Holland, sondern in ganz Europa, und wo Jemand sich überhebt oder mehr Aufwand macht als ihm zukömmt, da sagt man zu ihm: „Du meinst wohl, du wärest de Pinto von Amsterdam!" Der Reichthum, das Ansehen und die Wohlthätigkeit dieser Familie überstieg in der That alle Vorstellungen, und die geschäftige Sage erzählt gar Wunderdinge. So soll ein de Pinto den Vorhof seines Hauses, der so groß war, daß man ein Pferd hätte darin todtjagen können, mit Brabanter Thalern, und zwar Rücken an Rücken, haben pflastern lasten 1 Wir erlauben uns, bescheidene Zweifel an der Wahrheit dieses eigenthümlichen Pflasterungsvergnügens auszusprechen, da die Geschichte berichtet, daß die de Pinto's ihr Geld bester anzuwenden verstanden, als daß sie er hätten mit Füßen treten lasten. Auf allen Meere« befanden sich ihre stolzen Handelsschiffe, den Verkehr zwischen den holländischen Colonien und dem Mutterlande vermittelnd, die kostbaren Colonialwaaren herüberführend, und die fernen Länder des Ostens und des Westens mit den Erzeugnissen des heimischen Kunst- und Gewerdefleißes versorgend. An der Spitze des Hauses stand in der Zeit, in welche unsere Erzählung fällt, Herr Abraham de Pinto. Seine Gattin war gestorben, und sein einziger Sohn, Don Jsak, halte ihm in jüngster Zeit vielen Kummer bereitet; dieser hatte sich nämlich geweigert, die ihm vom Vater ausgesuchte Gattin, die Tochter eines angesehenen sephardischen Hauses, zu heirathen. Zur großen Betrübniß des Vaters war die Wahl deS Jünglings auf eine junge Aichkenasin gefallen, deren Eltern dem Mittelstände angehörten. Heutzutage ist die Antipathie zwischen Sephardim und Aschkenafim fast verschwunden; damals stand sie in voller Blüthe; man verschwägerte sich nicht miteinander, man mied gegenseitig den persönlichen Umgang, ja den geschäftlichen Verkehr. Die Sephardim. die Nachkommen der aus Spanien und Portugal entflohenen Juoen, hielten sich für vornehmer als ihre deutschen Brüder; sie behaupteten, aus dem königlichen Stamme Juda's zu sein, während die Aichkenasim nur von Binjamin ihre Abkunft ableiten könnten; sie waren stolz auf eine höhere Bildung, auf rhre würdige Haltung, ihr anstandsvolles Benehmen. Die Aschkenafim dagegen machten geltend, daß diese aus Spanien und Portugal entflohenen Sephardim zur Zeit der Gefahr der Versuchung nicht widerstanden, daß sie, wenn auch nur zum Scheine, ihren Glauben verl ugnet und Jahrzehnte lang als Christen gelebt hatten, bis sich ihnen die günstige Gelegenheit geboten, ihren Drängern zu entfliehen und zugleich mit ihrem Leben ihre Schätze zu retten. Es war daher etwas Unerhörtes, daß Don Jmk de Pinto Viola, die Tochter des deutschen Rabbmatsafseffors, Rabbi Jeschaja Rothkirchen, heirathen wollte. Lange sträubte sich Don Abraham, seine Einwilligung zu dieser Mißheirath, wie er es nannte, zu geben — allein „stark wie der Tod ist die Liebe", sagt schon der Weiseste der Könige; Don Jsak versuchte es zwar, seinem Vater gehor'am zu sein; aber er ward still und in sich gekehrt; tiefer Kummer nagte an seinem Herzen und seine Gestalt verfiel. Don Abraham, der seinen einzigen Sohn über Alles liebte, sah mit entsetzlicher Angst die Gesundheit desselben schwinden. Nach langen Kämpfen überwand er; er wollte lieber sein Vorurtheil opfern, als den einzigen Sohn verlieren. Mit großem Gepränge sollte Don Jsak's Verlobung gefeiert werden. Aber die Prunksäle des Pinto'schen Palastes blieben leer; nur Männer und Frauen untergeordneten Ranges hatten der Einladung Folge *) Ist das etwa Verleumdung?

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