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Der Israelit · 1867-05-15 · Heft 20 (15.5.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 20 (15.5.1867)
Date
1867-05-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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329 Hauptzweck, seinen Mitgliedern in Krankheits,-Sterbe- und Trauerfällen unentgeltlich Hilfe, Dienst und Trost zu bieten und umfaßt den größten Theil der Gemeindsgenoffen, die den hohen Werth und das Bedürfniß einer solchen man in hiesiger Stadt vollkommen einsehen. Der wiedergewählte Vereinsvorstand, der zugleich der vielverdiente Gründer dieses Wohlthätigkeitsvereinsist, Herr L. Strauß ermunterte die Mitglieder zu werkthätiger Liebe osnaai DJiDoa und fand ungetheilte Zustimmung. Ein Antrag auf die Neuerung künftig die Frauen bei nwb den Männern im Zuge verangehen zu lassen, fand keine Zustimmung, da schon die Synagogenordnung von 1838 anordnet, daß Frauen die Leichen gar nicht begleiten dürfen und auch der n"' in diesem Sinne sich ausspricht. Jedoch soll dies bloß ein An:a sein, der in einer Gemeinde, die erst seit etlichen Jahren existirt, beliebig eingeführt werden könne. (?) Künftig wird der Verein bei Leichen fremder, hier Verstorbener gegen Ersatz seiner Auslage dieselben Dienste leisten, wie gegen seine Mitglieder, wenn der Verstorbene keine Gelegenheit hatte, dem Vereine beizutreten. ~iw nrft pNff onan Beuthen in Oberschlesten, den 17. April. Die hiesige jüdische Gemeinde hat Herrn Dr. Rosenthal, einen Schüler des Herrn Rabb. Dr. Hildesheimer zu Eisenstadt in Ungarn, zu ihrem Rabbiner und Prediger erwählt. Glirckskadt. Herr Daus von hier ist als Polizeibeamter angestellt worden. Er ist der erste Israelit, der in Holstein eine öffentliche Stelle einnimmt. (Weekblad.) Holland. Rotterdam. Se. Majestät der König von Holland hat Herrn Dr. M. Polano in Rotterdam zum Ritter des niederländischen Löwenorden zu ernennen geruht. (Weekblad.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Wien, den 8. Mai. Denken Sie Sich, der Herausgeber einer Zeitschrift für „Theologie", Herr Löw in Szegedin, gemeiniglich „der Charlatan" genannt, weiß nicht, wie viel eine Myriade ist! In der jüngsten Nummer des B. CH., in der er gegen den Sabbatverein agitirt, lesen wir wörtlich Folgendes: „Aus diesem Projekte erfährt man Manches, das die Hildesheimerffche Welt trefflich illustrirt. Wie viele Juden leben in dieser Welt? „Miriaden!" Die wirkliche Welt kennt nur sieben Millionen Juden, und in dieser Zahl sind auch die nichteuropäischen Juden mit inbegriffen. Dr. H. gründet in seiner Welt einen Verein, der Miriad en von Mitgliedern zählen wird." Augenscheinlich hat der gelehrte Herr Löw „Miriaden" mit „Milliarden" verwechselt. Wir rathen ihm, statt Culturoereme zu gründen, sich selbst erst zu „bilden", sich eine griechische Grammatik zu kaufen und die Rudimenta der griechischen Sprache zu erlernen; wenn er es dann bis zu den Zahlwörtern gebracht hat, so wird er vielleicht erfahren, daß [ivgioi 10,000 bedeutet — vielleicht, denn „was Hänschen nicht lernt, holt Hans nicht mehr ein," zumal solch ein Hans.. wie Herr Löw ist. Prag, 24. April. Am 7. Juli 1866 ging'S in der Schenke des Joseph Tronek in Mutowitz lebendig zu. Das große Wort führte der Pferdemäkler Josef Holy, ein beleibter Bursche, der besonders auf die Juden weidlich schimpfte. Schließlich erhob er sich mit den Worten, es werde auf die Jaden gehen und begab sich auch wirklich, trotz des noch bestehenden Standrechtes, seinen Stock schwingend, vor den Laden des Kaufmanns Rubin Abeies. Dieser hatte schnell bei der Thüre den Riegel vorgeschoben, Ho!y aber zerschlug mit seinem Stocke das Thürfenster und schob, die Hand durch dasselbe streckend, den Riegel zurück. Die Thüre war nun offen und Holy begann im Laden aufzuräumen und die Maaren auf die Gaffe zu werfen, dabei rief er den Leuten zu: sie sollen nur nehmen, er verkaufe billig. Dem Gemeindevorsteher und den Rathen, die energisch einschritten, gelang es, dem Unfug ein Ende zu machen. Holy entfernte sich, versprach aber, am Abende wiederzukommen, denn rächen müsse er sich an dem Juden, er warte schon zwei Jahre darauf. Am Abende zog wirklich eine Schaar junger Leute durchs Dorf, Holy mit seinem Stock an der Spitze, hinter ihm der Dienstknecht Chladek, einen Marsch auf einer Handharmonika spielend. Vor dem Laden des Abeles wurde Halt gemacht. Chladek spielte auf, und die Burschen schlugen nach dem Takte der Musik die Fenster ein. Weitere Gewaltthätigkeiten sind aber nicht vorgekommen. Am andern Tage war Kirchfest im Orte, und da eine Wiederholung der Exzesse befürchtet wurde, wollten die Gensdarmen Riedel und Kiral den Josef Holy, welcher sich immer als Rädelsführer gezeigt hatte, verhaften. Dieser aber floh in den Stall des Kaufmanns Nowack und nur ins Wirthshaus ließ er sich führen. Als er dort von dm Gensdarmen verhaftet werden sollte, sprang er auf und schrie ihnen zu: „Lest nur die „Rar. Listy," der 5 Artikel („c1an6k paty“) wird Euch sagen, was Ihr für Lumpen seid; statt unsere Rechte zu wahren, droht Ihr uns mit Euren veralteten Rechten." Der Knecht Pircht rief inzwischen „Nedejme se!" (Ergeben wir uns nicht!) und der Taglöhner Linhart schrie, eines Juden wegen dürfte Niemand arretirt werden. Der eine Gensdarm entfernte sich nun. um Assistenz zu holen, indeß sprang Holy in den Hof des Wirthshauses, wohin ihm der andere Gensdarm folgte; dort aber stand ihm Holy mit gezücktem Taschenmes-

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