Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 20 (15.5.1867)
- Date
- 1867-05-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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336 wer neben den Excursionen und dem Badebesuch zu Maxau, wohin per Eisenbahn gefahren wird, um Rheinbäder benützen zu können, allwöchentlich ein 8—10 ständiger v-n lehrreicher Unterhaltung gewürzter Spaziergang unter Leitung eines Lehrers unternommen wird, was im Winter, so oft es die Witterung erlaubt, ebenfalls geschieht. Ja, wird mancher von Vorurtheilen nicht ganz freie Leser dieser Zeilen erwiedern: das wäre Alles recht gut, wenn nur nicht zu viel Hebräisch dort unterrichtet würdet Ich habe den Stundenplan aller Klaffen durchgesehen und für keine Klaffe zu viele Stunden für den hebräisch m Unterricht anberaumt gefunden, sondern die Beobachtung gemacht, daß derselbe mit den übrigen Unterrichtsfächern in gleichem Verhältnisse fteht; wenigstens habe ich nicht gefunden, daß die Schüler von den untersten Klaffen an biL zu den höchsten hinauf auch nur in einem Fache dadurch zurück wären, sondern vielmehr dem Urtheile tüchtiger Fachmänner zufolge noch ihrem Alter vorausgeeilt sind, was um so mehr zu bewundern ist und dem Institute zu Ehre gereicht, als ja viele Eltern nicht immer die besten und bravsten, sondern gerade die wildesten und am wenigsten lerneifrigen Kinder derartigen Instituten zulühren und sie oft, leider zu oft, schon nach den ersten Gehversuchen auf dem Pfade der Tugend und Wissenschaft, denselben wieder entziehen. Aus diesem Berichte wird der Leser sehen, daß ich nicht ein bloßer Zuhörer auf 1 oder 2 Stunden bei der Prüfung gewesen, daß ich vielmehr mit warmem Interesse schon lange vor der Prüfung, und oft unbeachtet, mich über die Specialitäten des Instituts informirt habe, daher ich solches auch mit gutem Gewiffen empfehlen kann und will ich zur Begründung des Gesagten, nur noch eines Wunsches hiesiger israel. Eltern, woraus die allgemeine Zufriedenheit mit den Leistungen des Instituts zur Genüge hervorgeht, wörtlich erwähnen: „OZ wäre doch das Institut in der Stadt! ich würde all meine Söhne, statt ins Lyceum oder in die Bürgerschule zu Herrn Dr. Plato schicken, denn es wird Tüchtiges dort geleistet/ Wer übrigens mit dem Director der Anstalt, Herrn Dr. Plato, näher bekannt ist, wer seine tiefe Gelehrsamkeit verbunden mit praktischer und toleranter Lebensanschauung näher kennt, der weiß in welch gute Hände Eltern die Erziehung ihrer Kinder legen, welche sie seiner Anstalt anvertrauen. Stuttgart. Die Rabbinen Württembergs versammeln sich in der zweiten Woche des Wonnenmonats in der blühenden Residenzstadt, um eine Eingabe an die Staatsregierung zu berathen, in der sie um eine Gehaltsaufbesserung petiüoniren werden. Das Ministerium soll nicht abgeneigt sein, die Exigenz vor Landstände zu bringen, vorausgesetzt, daß nicht wieder der Militäretat alle Staatsmittel in Anspruch nehmen sollte. Von Bedeutung für unsere 12 Rabbinate wäre es, wenn deren Inhabern ein Pensionsrecht und Wittwengehalt, analog den Schul- und Kirchendienern des Landes, zuerkannt und dagegen die Einzahlungen und Jahresbeiträge der Bediensteten seit ihrer definitiven Anstellung verlangt werden würde. Die Mittel hiezu könnten übrigens auch damit gewonnen werden, daß man die Zahl der Rabbinate allmählich verringerte und insbesondere die Ortsrabbinatsstellen, z. B. Freudenthal, Jebenhausen, Buttenhawen, rc. eingehen ließe, und benachbarten Bezirken zutheilte, deren Umfang ohne Belästigung sich ausdehnen dürste, seit das Eisenbahnnetz über das ganze Lande sich immer weiter und weiter ausgebreitet hat. Stuttgart. Die Israeliten in Kannstatt haben sich im Hause des Herrn O. Pappenheimer ein Betlocal gemiethet, wo der jüdische Gottesdienst nach hergebrachter Ordnung abgehalten wird; nicht nach dem Stuttgarter Orgel-Ritus. Ein Vorbeter und vri'V ist aus dem Badischen berufen, und so werden auch die Kurgäste, die das Kannstatter Bad besuchen, ihrem Gewissen Genüge thun können und nach althergebrachtem Ritus beten, ihrer Seele Nahrung geben und auch ibo essen können. Es wohnen in Kannstadt nun 28 jüdische Familien, die ob ihrer gesetzestreuen Ueberzeugung das Opfer bringen, einen eignen Gottesdienst und einen eignen Kultbeamten zu bestreiten, um von der Stuttgarter Kirchengemeinde — in Württemberg ist der Ausdruck Kirchengemeinde, nicht Synagogengemeinde, amtlich im Gebrauch — sich zu emancipiren. Heilbronn. Der hiesige Armenunterstützungverein — O'vi nny nnsn hat am jüngsten ö"nn sein viertes Stiftungsfest, verbunden mit einem frugalen Mahle, gefeiert. Der rechnerische, mit interessanten statistischen Notizen verbundene Nachweis ergab bei einer Iahreseinnahme von circa 1406 fl. eine, einschließlich der geringen Verwaliungskosten, auf circa 1396 fl. sich entziffernde und auf 908 Gaben zu vertheilende Jahresausgabe für fremde hier durchreisende Armen, wovon 10/u auf Ausländer entfallen. Die 83 Mitglieder des Vereins, die jährlich 2 bis 50 fl. beitragen, haben sich dennoch zur Erhöhung ihrer regelmäßigen Beiträge gegenseitig ermuntert, um den Armen, die bis jetzt mit Gaben von V2 bis 10 fl. bedacht werden konnten, eine größere Gabe zuwenden zu können, wenn sie deren würdig und bedürftig sind. Bettelprofessionisten und arbeitsfähige Leute sollen dagegen gar nicht oder nur sehr geringe bedacht und das Betteln von Haus zu Haus gar nicht geduldet werden. — bwa ntyet Ein anderer Verein in unserer Gemeinde, man Q'iDn hielt am 2. der Halbfeiertage seine je nach 3 Jahren wiederkehrende Generalversammlung. Dieser Verein, älter als die Gemeinde selbst, hat den