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Der Israelit · 1867-05-15 · Heft 20 (15.5.1867) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 20 (15.5.1867)
Date
1867-05-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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327 öffentlich im Gotteshause, das Lob des Herrn, vor einer größern Versammlung laut verkünden, und dadurch den verstorbenen Eltern, die ihre Kinder in Frömmigkeit und Gottesfurcht erzogen, (wovon eben diese öffentliche Heiligung des göttlichen Namens Zeugniß ablegen soll) ein Verdienst erwächst, das ihrem Seelenheil förderlich ist. Deßhalb sollen erwachsene Söhne während des Trauerjahres und am Jahrzeitstage eigentlich als Vorbeter fungiren, und nur für kleine Knaben und für jene, die unfähig sind, öffentlich vorzubeten, wurde als Surrogat, gleichsam ein Extrakt, in dem kurzen Kaddischgebete geschaffen, welches auch kleine Kinder leicht recitiren können, njn Ende 376 Aber die laute und öffentliche Recitation bleibt immer die Hauptsache; das Mitmurmeln, welches der Generalkaddisch bedingt, hat gar keinen Sinn. Wenn das für sich Beten genügen würde, dann wäre ja die Kreirung des Kaddischgebetes völlig überflüssig, beten doch alle, wenn sie in der Synagoge sind, in der Regel das allgemeine Gebet ja ohnehin mit." — In den §§ 42, 43, 44 werden Gebete verändert, verstümmelt, abgeschafft! Wir könnten diese Blumenlese noch weiter fortsetzen, wenn wir nicht fürchteten, die Geduld des Lesers zu ermüden. Wir denken, das Mitgetheilte genügt, diese Synagogenordnung zu characterisiren. Wann wird man endlich aufhören, gleich Kindern, spielend, an unfern Heiligtbümern zu rütteln, wann wird man endlich damit beginnen, für unsere heiligen Institutionen in Wahrheit Sorge zu tragen, indem man die religiöse Erziehung der Jugend in die Hand nimmt, die Feier des Sabbats ermöglicht, das wahrhaft religiöse und sittliche Leben fördert? Herr Rabbiner Dr. Kodak hat, wie wir bereits in diesen Blättern erwähnt haben, mit freudigem Eifer für die Förderung des projectirten Sabbatvereins gewirkt; möge er seinen heilsamen Einfluß dazu verwenden, daß solche Dinge, wie sie in der besprochenen Synagogenordnung Vorkommen, in seiner Gemeinde unmöglich werden, möge er durch die Schule dahin wirken, daß das Heranwachsende Geschlecht vom Geiste des wahrhaften Judenthums durchdrungen werde. Steht doch nach bayrischem Gesetze die Schule unter der Leitung des Rabbinen; dieses Gesetz gibt dem Betreffenden ein erhabenes Recht, legt aber auch eine große Verantwortlichkeit auf. — Gebe Gott, daß diese Wahrheit überall erkannt und ihr gemäß gehandelt werde! zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Mainz, den 8. Mai. Die Unterrichtsanstalt der hiesigen isr. Religionsgesellschaft (orthodoxer Richtung) erfreut sich G. s. D. eines vorzüglichen Gedeihens; so sind zum neuen Semester 20 neue Schüler und Schülerinnen eingetreten, während nur eine Schülerin die Anstalt verlaffen hat. — Im Unterrichte tote in der Erziehung werden V'oz die erfreulichsten Resultate erzielt. — R. Karlsruhe. Sehr selten versäume ich, so wenig es auch meine Zeit erlaubt, den Prüfungen kaufmännischer Institute beizuwohnen, weil ich, selbst ein Kaufmann, Interesse für solche habe; auch darf ich mir wohl ein Urtheil über derartige Leistungen Zutrauen. So wohnte ich denn auch der diesjährigen Prüfung des „Institut P!ato" hier bei und muß ich zur Ehre der Wahrheit bekennen, daß ich bei derselben mit großem Bergungen anwesend war, weil mich solche nach jeder Richtung hin befriedigte. Ohne mir so viel pädagogisches Wißen zuzutrauen, um mein Urtheil auch von diesem Standpunkte aus begründen zu wollen, habe ich doch bei Gr legenheil der beregten Prüfung so viele schöne kaufmännische Arbeiten gesehen und so viel Praktisches, ins kaufmännische Leben Eingreifende gehört, daß ich diese Anstalt mit gutem Gewissen allen Eltern, die ihren Kinoern eine kaufmännische Bildung zu Theil werden lassen wollen, warm empfehlen kann. Aber nicht allein in kaufmännischer Beziehung, wohin freilich das Streben des Instituts vorzüglich gerichtet ist — auch den Vorbereitungen für eine polytechnische Schule wird in der Anstalt Rechnung getragen; denn in Geometrie, Algebra, Physik, Naturkunde und Zeichnen haben die Zöglinge nach Urtheilen von Fachmännern recht Tüchtiges zu Tage gefördert und kann daher auch den Anforderungen derjenigen Eltern, die in dieser Beziehung ihre Kinder herangebildet, re8p. vorbereitet wünschen, entsprochen werden. Auch für die körperliche Pflege scheint — soviel kann jeder vorurtheilssreie, unbefangene Zuschauer aus dem blühenden Aussehen der Zöglinge und aus deren muntern Bewegungen auf dem Spielplätze schließen — hinreichend Sorge getragen zu werden und ist die Lage des Instituts außerhalb der Stadt mit dem schönen Spiel- und Turnplätze, sowie einem angrenzenden schönen Garten, ganz besonders geeignet, auf die Gesundheit der Zöglinge einen woblthuenden Einfluß zu üben, woher es auch kommen mag, daß im Institute seit seinem Bestehen gar keine Krankheiten vorgekommen sind. Dazu kömmt noch, daß im Som-

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