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Der Israelit · 1867-05-08 · Heft 19 (8.5.1867) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 19 (8.5.1867)
Date
1867-05-08
Page
– (sequence 13)
Language
German
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313 entrichturig verbunden. Nun hatte der Ober-Rabbiner der türkischen Juden in letzter Zeit die von der osmanischen Regierung festgesetzte Fleischtaxe willkürlich so erhöht, daß die europäischen Juden, die größtentheils nur von milden Spenden leben, sie nicht erschwingen konnten; sie bewarben sich daher um die Intervention ihrer respectiven konsularischen Schutzbehörden, worauf die Chefs der Consulate Oesterreichs, Preußens und Großbritaniens sich an den Local-Gouverneur wendeten, damit er Abhilfe treffen möge. Jzzet Pascha trug nicht Bedenken, den europäischen Israeliten , obschon der türkischen Gemeinde und ihrem Ober-Rabbiner dadurch ein jährlicher Gewinn von beiläufig hunderlfünfzigtausend Piastern entgeht, gerecht zu werden und zu gestatten, daß sie für sich eine eigene Schlächterei eröffnen und besitzen dürfen. Die österreichischen Juden, welche unter den europäischen die zahlreichsten sind, bezeigten ihrem Consular-Vertreter für die Errungenschaft die tiefste Erkenntlichkeit und richten eine besondere Dankadreffe an die kaiserliche Regierung in Wien." Amerika. Chicago. In dieser Handelsstadt, wo sich besonders in den jüngsten Jahren viele unserer Glaubensgenoffen niedergelaffen haben, wurde der Mangel eines jüdischen Hospitals immer fühlbarer. Einige vortreffliche Männer haben es sich zur Aufgabe gemacht, dieses Uebel zu beseitigen und bereits ist es ihnen gelungen, die Hälfte der Baukosten für ein Hospital, die auf 40,000 Dollar veranschlagt sind, durch eine Collecte bei ihren Glaubensgenoffen zu erbalten. Wie wir vernehmen, haben sich besonders die Frauen an diesem edlen Werke betheiligt. (Hebrew.) Ostindien. Bombay. Herr Abdulla David Saffon, von dem wir erst neulich berichteten, hat, wie wir dem „Hebrew" entnehmen, von Ihrer Majestät der Königin Victoria den indischen Stern-Orden erhalten. Feuilleton. Die gestohlene Wesuso. Prag, 13. April. Aron Sp. ist Mitglied einer kleinen jüdischen Gemeinde in Böhmen. Seit vierzig Jahren findet er seinen Erwerb in einem Hausirgeschäfte mit allerlei Maaren, das er meist in den umliegenden Dörfern ausübt. Nur am Samstage bleibt er zu Hause und sucht sich durch behagliches Lehen für die Sorgen der Woche zu entschädigen. Gewöhnt, auf improvisirtem Strohlager auf dem Fußboden zu ruhen, zählt er insbesondere den süßen Schlaf im eigenen bequemen Bette zu den höchsten Annehmlichkeiten des Ruhetages. Nur :a der Nacht vom Samstag auf de« Sonntag vor v'er Wochen schlief Aaron Sp. nicht süß. Er war körpelich wohl, wie sonst. Er hatte in heiterster Stimmung Abends die Ceremonie vollzogen, mit welcher der Sabbat bei der Flamme des Wachslichtes unter Gewürzesdust verabschiedet wird. Er hatte mit bestem Appetite sein Nachtmahl verzehrt und an den national zubereiteten Speisen so viel Gefallen gefunden, daß die alte erfahrene „Großmutter" der Familie die Besorgniß aussprach, er könnte seinen Appetit mit Verdauungsbeschwerden büßen. Er hatte endlich mit großer Andacht das Abendgebet gesagt, daS er seit seiner Kindheit allabendlich verrichtete. Und doch! — Kaum war er eingeschlafen, als sich etwas Schreckliches begab. Der Boden erbebte plötzlich mit lautem Krachen, und er fühlte das Bett wie durch unsichtbarer Kraft gehoben. An der Wand gegenüber erschienen schattenhafte Gestalten, in Todtenkleider gehüllt, die, immer näher tretend, riesengroß emporwuchsen und endlich sein Bett umringten, jene Gebete murmelnd, die man an Todtenbetten betet. Dabei war es -Sit, als ob von draußen langgezogene klagende Posaunentöne ertönten. Die Haare standen ihm zu Berge, er wurde von Fieberschauern ergriffen. Nach und nach erst schwand die Traumerscheinung. Als Aaron früh erwachte, war er in Schweiß gebadet. In gedrückter Stimmung, unter dem Eindrücke der unruhig zugebrachten Nacht, kleidete Aaron sich an, packte seine Waare und wollte seinen gewöhnlichen Weg antreten. Mechanisch erhob er die Finger, um sie auf die „Mesuso" zu legen, und siehe da, sie — fehlte. Aaron taumelte zurück und rief: „Also das war der Grund!" — Bei ihm stand es fest, daß der Raub der „Mesuso.," seine fürchterlichen Träume erzeugt habe. Der jüngste Knabe Aarons bemerkte, als er von dem Verluste hörte, daß am Abende vorher ein jüdischer Bettler (auch „Schnorrer" genannt) sich auffal- •enj viel bei der Thüre zu thun gemacht habe. Bald darauf theilte der Hausmeister mit, daß ihm die Klinken von der Hausthüre gestohlen worden und er einen B ttler im Verdachte der Täterschaft habe. Man erstattete die polizeiliche Anzeige; die Recherche blieb nicht ohne Erfolg und bald darauf fand im Beisein des bestohlenen Aaron Sp. die Schlußverhandlung wehren Diebstahl gegen den Beschuldigten Namens Chaim Scynorrer statt. Wir skizziren nachfolgend die Hauptmomente des seltsamen Verhörs, das bei dem Bezirksrichter deS kleinen Ortes stattfand.

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