Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1867)
- Date
- 1867-05-08
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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314 Richter (zum Beschädigten): Sagen Sie uns, wie hoch Sie den Werth dieser „Memso" beziffern? Aaron Sp.: Wie heißt, wie hoch? Gnädiger Herr von Richter, Sie sollen erleben, daß Sie einen Haupttreffer machen, Sie sollen hoben 1000 Napoleonsd'or, wenn die Papiere auf der Börse fallen, Sie iol len den Nebach hoben, was verdient wird, wenn sie Luxemburg verhandln, und wenn Sie das Alles hoben — Richter: Ich danke Ihnen, aber ich bitte Sie bei der Sache zu bleiben; was ist ziffermäßig der Werth des Gestohlenen? Aaron Sp.: Wenn Sie dos Alles hoben, wirds immer weniger sein, als was mir die „Mesuse" werth ist. Jeden Morgen, wenn ich ausgangen bin, hob ich Sie geküßt. Richter: Wen? Chaim Schnorrer (einfallend): Die Tochter von der Hausmeisterin wird er geküßt haben. Aaron S p. (hocherregt): Schweig Ganev (Dieb)! Du bist doch mit einem Fuß im höllischen Feuer in Gehinnom, und mit dem andern stehst Du noch sündig aus der Erde. Nicht die Hausmeisterstochter, die „Mesuso" hob ich immer geküßt. Sie war von Blech, es war der Name des Allmächtigen darauf, und inwendig ganz neue Glaubensartikel; gnädiger Herr Richter, Sie bekommen solche „Mesuso's" nicht unter drei Gulden Münz! Richter: Nun, jetzt hätten wir es endlich; der Schaden beträgt also blos drei Gulden? Chaim Schnorer (wüthcnd): Drei Gulden sagt er, drei Gulden? Aaron Sp. hat lein Lobtag keme drei Gulden Münz im Vermögen gehabt. Ich weis;, ich hob einmal an einem Feiertag von der Armenkaffe ein Plet (Anweisung) bekommen, bei ihm zu Mittag zu essen. Wie ich aufgestanden bin, bin ich wieder zusammengefallen, so hungrig war ich. Ich bin dann gegangen zu einem Anderen, zu einem reichen Mann, und setz' mich dort effen. Wie ich sitz', kommt Aaronleben, und macht große Augen, daß ^ch nochmal eß. Ich hob ihm aber rryig gesogt, geniren Sie sich nicht, Reb Aaron, Sie werden auch Hunger hoben, effen Sie mit. Er hot nie in seinem Leben drei Gnlden gehabt. Richter: Laffen wir diese Vorfälle beiseite, Sie sind auch beschuldigt, am Hausthor eine Klinke gestohlen zu haben. Chaim Schnorrer. Eine Klinke, Gott über die Welt, was soll mir eine kleine Klinke? Ein Haus wenn ich stehlen könnt. — Richter: Sie stehlen also doch manchmal? Chaim Schnorrer (sich verbeffernd): Ich mein', wenn man ein ganzes Haus stehlen könnt, das könnt sich noch rentiren. Aber die kleine Klinke — das ist vom Haus, was der Knopf vom Rock; hoben Sie schon gehört, Herr R'chter, daß ich Knöpf gestohlen hob'? Nicht wch-, ne-'n, w'e soll ich stehlen die Klinke? Aaron Sp.: Warum red't er immer von der Klinke, warum schweigt er von der „ Mesuso "? Er lügt, er macht sich unglücklich für das irdische Leben und für sein Leben, wenn er tobt is. Chaim Schnorrer (nach längerer Pause): Ich hob' die „Mesuio" nicht gestohlen, ich hob sie gesunden. Wie ich an Aaron Sp. sein Haus vorbeigehe, seh' ich etwas liegen am Boden was glänzt wie Helles Elsen. Ich denk, es is ein Pistol und will schnell weglausen; ich nehme kein Pistol von fremden Leuten, weil sie doch geladen se'n kann. Wie ich näher geh', seh ich, es is eine „Mesu o". Ich heb sie auf und stock sie ein. Nächste Woche Heirat' von der Schwiegermutter meiner Schwägerin ein Geschwisterkind, hob ich wollen geben die „Mesuso" als Hochzeilsgeschenk. Dann hat man bei mir gebucht und natürlich hat man sie gefunden. Ich möcht sie gern geben als Hochzertsge- ,chenk (sich zu Aaron Sp. wendend), woll n Sie mir sie verlausen für 40 kr.? Wollen Sie handlen? Aaron Sp. (gutmüthig): Ich will nicht handlcn, 'ch geb sie Ihnen mit 1 fl 20 kr. Mrch hat sie lelber, rv-e ich sie gekauft hob- Der Richter unterbricht den originellen Dialog, indemce Chaim Schnorrer schuldig erklärt und über ihn -'ne mehrtägige Arreststrafe verhängt. (Presse.) An einen Aar-WizwaH. Von Abraham Tendlau. Du tratest einst in's heitre Leben, Des Lebens selbst Dir unbewußt; Die Engel, die das Kind umschweben, Sie wachten Dein mit sel'ger Lust. Nun trittst Du in das ernste Leben, Des L-bens selbst Dir wohl bewußt; Die El ael, die Dich jetzt umschweben, Sie wohnen in der eignen Brust. Das Wort des Herrn und seine Gnade, Wenn Du ihn fromm und herzlich liebst; Die Tugend leitet Deine Pfade, Wenn Du sie treu und redlich übst. Bewahr' im Herzen Gott und Tugend, Bewähre Dich als fromm und rein; Sie werden Zierde Deiner Jugend Und Stütze Deinem Alter sein.