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Der Israelit · 1867-05-08 · Heft 19 (8.5.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 19 (8.5.1867)
Date
1867-05-08
Page
– (sequence 7)
Language
German
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307 Ke«tlleton Hedokah Legimah. (Schluß) in Stolz und rasch fährt „der Meerkönig" dahin, um uns nach kurzer und glücklicher Fahrt in New-Iork ans Land zu setzen. Allein, was soll aus mir werden in der fremden großen Stadt? Meine Maaren, die ich in Melbourne gut zu verwerthen gedachte, sind mit der „Seemöwe" gesunken, meine Baarschaft ist gering, meine Empfehlungsbriefe lauteten nach Melbourne und nicht nach New-Dork. Ich durchmeffe die große Stadt von einem Ende zum andern und finde nirgendwo Beschäftigung; zudem ist meine Gesundheit angegriffen; ich falle aufs Krankenlager und liege wochenlang ohne Bewußtsein, phantafirend von Donner und Schofar, von Sturm und Schiffbruch. Da ich endlich das Bewußtsein wieder erlange, befinde ich mich im jüdischen Hospitale, wohin mich mein Wirth hat transportiren laffen. Lange dauert es, bis ich das Bett verlaßen darf, und wiederum lange bis mir der Arzt gestattet, mich der kalten Winterluft auszusetzen. Endlich, an einem sonnigen ^>abbatnachmittage erhalte ich die Erlaubniß auszugehen. Ich bin noch so schwach, daß ich mich nur mühsam fortschleppe und bin so mager geworden, daß die Haut nur Knochen zu bedecken scheint. So durchwandele ich langsam die belebten Straßen der amerikanischen Hauptstadt, mit langen Zügen die frische Luft einschlürfend, froh, im Vorgefühl der wiederkehrenden Gesundheit. Allein, ich habe mich zu weit gewagt; ich kann nicht weiter; ich will mich an die Mauer eines Hauses lehnen und sinke um, von einer Ohnmacht befallen. Als ich wieder zum Leben erwache, befinde ich mich in einem wohnlich eingerichteten Zimmer, auf einem Sopha ausgestreckt liegend. Um mich herum sind mehrere Menschen beschäftigt. Bald habe ich mich wieder, erholt, und erfahre, daß man mich von der Straße hier hereingetragen hat. An den Gesichtern der mich Umgebenden bemerke ich, daß ich mich unter Stammesgenoffen befinde; auch liegt auf dem Tische aufgeschlagen ein hebräisches Buch. Meine freundliche Wirthin holt mir zu essen und zu trinken, und ich effe denn auch mit dem Appetit des Reconvalescenten. Nachdem ich mich gestärkt, erzähle ich meine Schicksale, die meinen neuen Bekannten Thränen erpreßen. „Wie heißen Sie," fragt mich der Herr des Hauses, „und woher sind Sie?" „„Ich heiße Joseph Feidel und bin zu N. an der Weser geboren."" „Wie, Joseph Feidel aus $.? Ist vielleicht Benjamin Feidel ein Verwandter von Ihnen?" „„Das ist mein Vater!"" „Ihr Vater? Herr Gott, wie führst Du uns Menschen so wunderbar! Wie schätze ich mich so glücklich, daß man Sie gerade in mein Haus gebracht hat. Ich heiße Nathansohn; Ich kenne Ihren Vater, ich bin ihm Dank schuldig; er war so freundlich und gastfrei gegen uns, da wir als Fremde in Ihrer Vaterstadt einen Sabbat verbrachten. Edel, mein HeiH," fuhr er zu seiner Gattin gewandt fort, „erinnerst Du Dich nicht mehr? Feidel in N., wo wir den letzten Sabbat in Europa feierten?" „Wohl erinnere ich mich," entgegnete die Frau, ,.und werde es nie vergeffen. Herr Feidel," sprach sie dann zu mir, „Sie dürfen nicht ins Hospital zurückkehren. Sie bleiben bei uns, bis zu Ihrer vollkommenen Genesung!" — Ich weigerte mich nicht und blieb. Herr Nathansohn erzählte mir dann, daß er sich nach seiner Ankunft in Amerika zuerst im Innern des Landes angesiedelt, daß er einigemal an meinen Vater geschrieben, aber keine Antwort erhalten habe — die Briefe waren offenbar nicht angekommen. Der ältere Sohn und die ältere Tochter waren verheirathet und wohnten in Philadelphia; der Hausherr aber war mit seiner Gattin und seinen zwei jüngsten Kindern nach New-Iork übergefiedelt und hatte hier ein sehr rentables Manufactur-Waaren Geschäft en gros-etafclirt. Bald darauf kehrte auch mein alter Freund Samuel mit seiner Schwester Friederike von einem Spaziergange zurück. Samuel erinnerte sich meiner noch deutlich und freute sich sehr, mich wiederzusehen; allein Fräulein Friederikens Gedächtniß war jede Erinnerung an meine Person geschwunden; nichtsdestoweniger begrüßte auch sie mich auss Herzlichste. So blieb ich denn einige Wochen im Hause meiner Gastfreunde und pflegte meiner Gesundheit. Allein jemehr diese zurückkehrte, desto stärker erwachte in mir der Trieb nach Thätigkeit, und ich äußerte wiederholt den Wunsch, eine Stelle als Commis oder Reisender anzutreten. „Dazu kann ich Ihnen nicht rathen," sagte Herr Nathansohn, als ich meine Pläne mit ihm berieth. „Sie würden schwerlich bei der gegenwärtigen Handelsstockung ein gutes Unterkommen finden, und noch schwerer Ihren eigentlichen Zweck, die Eltern daheim zu unterstützen, erreichen. Ich mache Ihnen einen andern Vorschlag. Etabliren Sie selbst ein Geschäft!" Ich lächelte trübe und verlegen und fand das Wort der Entgegnung nicht. „Ich weiß, was Sie sagen wollen," fuhr Herr Nathansohn zu reden fort; „Sie haben nicht die Mit-

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