Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1867)
- Date
- 1867-05-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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306 Heil sich an etwas heranwagt, das vollständig zu beurteilen man nicht im Stande ist. Auf das Gebiet von Gemeinplätzen, wie „Nationalitätenfchwindel, Wuthausbrüche" u. f. w. wollen wir dem Herrn Correspondenlen nicht folgen, aber so sehr wir von der göttlichen Sendung des Judentums durchdrungen sind, so ist es auch unsere innerste Ueberzeugung, daß der czechischen Nation noch eine große Zukunft bevorstehe und daß die Juden Mährens und Böhmens gewiß einst-czechische Juden werden. Vielleicht wird dann Herr Karpeles als czechrscher Rabbiner einer czechischen Gemeinde anderer Gesinnung sein. Bis dahin Gott befohlen! Ein czechischer Jude. Frankreich. Paris. Von besonderem Interesse und eines ganz außerordentlichen Zuspruches von Seiten des Publikums erfreut sich die von einem englischen Pastor geleitete Ausstellung hebräischer Antiquitäten. Nicht nur, daß die vielen uralten Pergamenlrollen für den Philologen von ganz außerordentlichem Interesse sind, es hat auch die Ausstellung der kunstvollen Modelle der Tcmpeleinrichtungsgegenstände, so wie des salomonischen Tempels selbst, und die plastische Darstellung von Jerusalem für das große Publikum ein bedeutendes historisches Interesse. (Frbl.) England. London. Der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, Lord Stanley, hat am 30. März wegen der serbischen Juden folgende Depesche an den britischen Gesandten in Konstantinopel gerichtet: „Der Fürst von Serbien wird nächstens in Konstantinopel ankommen, und Eure Excellenz werden diese Gelegenheit benützen, um Seiner Hoheit mitzutheilen, welch peinlichen Eindruck die einfache Erwähnung der den Juden in Serbien auferlegten Leiden auf die britische Legislatur hervorgerufen hat, ein Eindruck, welcher sich noch vergrößert durch die Details, die der Agent Ihrer Majestät in Serbien angibt und die sofort dem Parlamente vorgelegt werden. Sie werden dem Fürsten sagen, daß die Unterstützung bei der Pforte, welche Sie zufolge der Bevollmächtigung durch die Regierung Ihrer britischen Majestät demselben in Betreff der Festung Belgrad gewähren, dieser Regierung auch das Recht gibt, Seiner Hoheit in freundlicher Weise vorzustellen, daß Serbien durch die Verfolgung einer religiösen, thätigen, arbeitsamen und ruhigen Gemeinde, die von jeher in dem Lande, wohnt, sich nicht nur in der öffentlichen Meinung i Englands schadet, sondern auch in der aller civilisirten Nationen. Sie werden ihm weiter miltheilen, daß die Kammer befremdet war über die Inkonsequenz, die in den von Serbien erhobenen Klagen gegen die Unterdrückung der Christen durch die Türken und in der fortwährenden Verfolgung der Juden der Provinz durch die serbischen Christen liegt. Sie werden dem Fürsten von Serbien sagen, daß die Regierung Ihrer Majestät die Schwierigkeiten kennt, welche sich seinen Bemühungen entgegenstellen, sein Land von der Gehässigkeit, zu der sich der religiöse Fanatismus einer gewiffen Klaffe der serbischen Bevölkerung und der commercielle Neid gesellt, zu erheben, aber auch, daß seine eigene Ehre, und das Intereffe seines Landes lhn verpflichtet, sein Möglichstes zu thun, diese Schwierigkeiten zu überwinden." Lord Stanley hat den Gesandten Ihrer britischen Majestät in Petersburg, Paris, Wien, Berlin und Florenz eine Abschrift dieser Depesche geschickt und durch eine Depesche vom 1. April sie beauftragt, bei den Negierungen, bei denen sie akkreditirt sind, die Hoffnung auszudrücken, daß diese Regierungen ihren Einfluß auf den Fürsten von Serbien gebrauchen werden, um die Juden von den Verfolgungen zu retten, denen sie fortwährend ausgesetzt sind. Lord Stanley läßt seine Korrespondenz mit dem englischen Konsul in Serbien drucken und wird sie dem Parlament verlegen. London. So eben ist ein Katalog der im britischen Museum vorhandenen Bücher und Manuscripte erschienen, der nahezu, 900 Druckseiten füllt. Bearbeiter desselben ist der Oberbibliothekar I. Winter Jones. — Palästina. Jerusalem. Warren setzt seine Forschungen und Nachgrabungen in Jerusalem mit allem Ernst fort. Bei der Felsentreppe in der Nähe der bischöflichen Schule (vor dem Zionsthor) wurde nichts gefunden. Da er bei der Aksa- Bioschee nicht weiter graben durfte, läßt er nun von seinen Leuten (englischen Genie-Soldaten) an der Seite des steilen Abhangs, ungefähr in der Mitte zwischen der Südostecke der Haram-Mauer und dem Grabdenkmal des Zacharias, in einer Höhe von zwei Dritteln des Berges einen Stollen hineintreiden, um wo möglich so aus den Fels und die Fundamente der Haram-Mauer zu kommen. Vor dem Damaskus Thor bei den Cisternen fanden seine Arbeiter altes Gemäuer mit schön behauenen und großen Steinen. Auch eine schöne Treppe wurde dort aufgedeckt. Im Gihon-Brunnen ist man bereits 12 Fuß tiefer hinunter gedrungen, hat also bald im Ganzen eine Tiefe von 100 Fuß erreicht; es wurde aber immer noch nichts Weiteres als Erde, Steine und Scherben gefunden. Eine weitere Nachgrabung wurde i« der Nähe des syrischen Waisenhauses begonnen.