Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 19 (8.5.1867)
- Date
- 1867-05-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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< 305 zwingt, welchem sie seit frühester Jugend angehörten und der ihnen stets ein Stück ihres selbst gewesen ist. Die Klaus-Synagoge (beiläufig gesagt die schönste Synagoge in Prag) war stets durch die ebenso fromme als friedfertige Haltung ihrer Mitglieder, zu denen stets die Gelehrtesten der hiesigen Gemeinde zählten, so wie durch die vortrefflichen Einrichtungen, die in derselben bestehen, weit und breit berühmt. Bei strenger Erhaltung des alten Ritus war die größte Ordnung immer vorhanden, und war man «eit entfernt , Unanständigkeiten oder gar Mißbräuche zu dulden. Eine schöne hebräische Bibliothek, enthaltend fast alle religiös-rituellen und talmubischen Werke steht dem Besucher zu Gebote, ein Talmudthoraverein , wo täglich Mischnajoth mit ü'"ir> - Commentar vorgetragen wird, und der bloß tüchtige Talmudisten zu Mitgliedern zählt, gereicht dieser Synagoge zur besonderen Zierde. Vor Kurzem gefiel es dem fungirenden Vorbeter, seinen Posten zu kündigen, und sogleich machten sich Bestrebungen geltend, einen Cantor sammt Chorgesang in Aufnahme zu bringen und einen Prediger zu engagiren. Da der eine Vorsteher in diesen beiden Punkten seinem Collegen Opposition machte, so berief der andere Vorsteher eine Plenarversammlung, und veranlaßte die Wahl eines dritten Vorstehers, die er auf eine ihm gefügige Person leitete. Mit Hilfe dieses dritten Vorstehers wurde nun jener erste Vorsteher stets majorisirt und dieser zuletzt bei den wichtigsten Angelegenheiten gar nicht zu Rathe gezogen. In Folge dessen sah sich dieser veranlaßt, mit Gleichgesinnten aus dem Verbände der Synagoge zu treten und sich mit denselben in einem Privatlokale zu einer kleinen Synagogengemeinde zu konstituiren. Ein derartiges rücksichtsloses Verfahren gegen die ältesten und ehrenwerthesten Mitglieder der Synagoge ist eine Rohheit, die kein Chorgesang beschönigt, noch durch den beredtsten Prediger verhüllt werden kann; umsomehr als durch den Umbau des Tempels dafür gesorgt wurde, daß die Leute, welche an einem sogen, geregelten Gottesdienst Geschmack finden, denselben zu befriedigen Gelegenheit haben. Ist es nicht recht und billig, nachdem schon durch den Tempel, die Neusynagoge, die Meiselsynagoge, die Pinkassynagoge der neueren Richtung Rechnung getragen wurde, daß der älteren Richtung auch ein Plätzchen verbleibe, wo sie nach ihrer Fatzvn selig werden könne? Haben deren Anhänger weniger Berechtigung? Es wäre daher die Aufgabe der Repräsentanz, 3—4 Synagogen zu bestimmen, die den Anhängern der ältern Richtung Vorbehalten bleiben mögen und in denen ohne Einwilligung sämmtlicher Mitglieder keine Veränderungen vorgenommen werden dürfen. Prag. Unter den von dem böhmischen Landtage als Abgeordnete zu dem Reichstage gewählten Landtagsmitgliedem befindet sich auch unser GlaubenSgenosse, Herr Banquier Lippmann aus Prag. Herr vr. Tedesko. Präses der Cultusgemeindepräsentanz, wurde zum Landesausschußstellvertreter gewählt. — (Abendland.) Aus Mähren. *) Die Einigkeit der Nationalitäten ist, wie wir in letzterer Zeit allenthalben vernehmen, das einzige Mittel zu einer etwaigen glücklichen Regeneration der österreichischen Verhältnisse. Wie thöricht ist es daher, wenn einzelne Nationen mitten auf dem großen Wege der Vereinigung plötzlich sich einander befehden und Thaten, die nur den rohen Ausbrüchen eines ungebildeten Pöbelhaufens zuzuschreiben sind, einer ganzen Nation in die Schuhe schieben. Doch nein, dazu sind die Völker Oesterreichs viel zu patriotisch und brüderlich gesinnt! Es sind eben nur einige Aufhetzer und Leute, die, mißvergnügt, vielmehr mißtrauisch die Ordnung der Verhältnisse, wie sie sich jetzt in unserm Vaterlande gestalten, betrachten. Doch nun zur Sache! Die geschätzten Leser dieser Blätter werden wohl bereits wissen, daß ich nichts Anderes meine, als die Juden und Czechen und in Bezug auf den „Israelit" den Aufsatz in Nr. 14 von Herrn stuä. theol. G. Karpeles, der über einen Artikel der Olumuckö noviny aus der Feder irgend eines obscuren Scribenten in solche Wuth geräth, daß er die ganze czechische Nation gerne mit Stumpf und Stiel ausrotten möchte. Gemach, mein lieber Herr Correspondent, das wird denn doch nicht so leicht gehen! Die Juden Böhmens sind überzeugt, daß ihnen von dem gebildeten und zugleich überwiegenden Theile der Czechen nicht „Mord und Brand und Todtschlag", wie Sie sich höchst romantisch auszudrücken belieben, bevorstehe. Der Geist der Bevölkerung ist denn doch nicht der gewisser Herren, die gerne die Czechen mit allen Lastern aus Pandorens Büchse beschenken möchten. Jene fürchterlichen Gräuelscenen des vorigen Jahres werden sich nicht wiederholen, das wissen wir gewiß und Herr Karpeles auch, der ja auch lange unter Czechen und wie wir glauben, ganz zufrieden und unbehelligt gelebt; aber will er es vielleicht nicht wissen? Was Herr Karpeles über den Artikel der Olumuck6 noviny sagt, ist wohl im Allgemeinen ziemlich richtig. Aber bedenkt Herr Karpeles denn nicht, daß dieses Blatt nicht die Gesinnungen aller Czechen vertritt, da er es doch selbst das „Parteiorgan der Olmützer Slawen" nennt? Weiß denn der Herr Correspondent nicht, daß es unter den Czechen auch eine große Anzahl humaner und toleranter Priester, Lehrer und Bürger gibt, die keine Judenfeinde sind? Aber so geht es immer, wenn man mit Vorur- *) Anm. der Red.: Die folgende Correspondenz geht uns von dem Vorstände des Vereins ,Libufsa" zu.