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Der Israelit · 1867-05-01 · Heft 18 (1.5.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 18 (1.5.1867)
Date
1867-05-01
Page
– (sequence 9)
Language
German
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VIII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 18 des Israelit. geitungsnaAbrichten und Covrespondenzen. Deutschland. Mainz. Meinem Versprechen, Ihnen eine Beschreibung der inneren Einrichtung des Instituts zu Pfungstadt zu liefern, werde ich hiermit, soweit als mir eben möglich, nachzukommen suchen. DaS Institut zu Pfungstadt ist meines Wissens eine Actienunternehmung und ist demgemäß besten Einrichtung eine so großartige, wie sie eine ähnliche Anstalt aus Privatmitteln nur selten bewerkstelligen dürfte. Da unter den 81 Schülern, die dieses Institut frequentiren, nur ein geringer Theil aus Pfungstadt und der Umgegend ist, so haben natürlich die Zöglinge im Hause selbst Alles, was sowohl für ihr geistiges als körperliches Wohl erforderlich ist. Diese Anstalt hat ihre eigene Synagoge, die nur von den Zöglingen unter Beaufsichtigung des Lehrpersonals benutzt wird. Der bewunderungswürdige Geist der Ordnung, der dem Beschauer in allen Theilen dieses Etablistements so sehr anspricht, herrscht auch hier. Die erwachsenen Zöglinge versehen die Vorbeterstelle, lesen die Thoraabschnitte an allen mmn mt<np selbst vor und stehen dabei unter der Leitung zweier D’Djns, die ebenfalls aus dem Kreise der Zöglinge hervorgegangen sind. Wahrscheinlich haben sich dieselben zu dieser Würde durch ihren Fleiß und ihr gutes Betragen emporgeschwungen. Einen derselben, einen Unterthan Ihrer Britischen Majestät, nebenbei gesagt ein charmanter djib, wie vielleicht ganz Starkenburg keinen zweiten besitzt, sprach ich selbst und zeigte mir der gute Junge einen Theil des Inventars der Synagoge, die onßD, nebst deren Zubehör mit einer Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit, die ich ihm nie vergessen werde. Herr Dr. Joel versicherte mir, daß diese kleinen Vorsteher ihr Amt so musterhaft verwalten, daß er sich gar nicht darum zu kümmern habe, wer eine n'^j/ zu bekommen, wen die Reihe des Vorbeters treffe rc. Mögen diese Braven nur den betretenen Weg verfolgen, und sie werden einstens als jüdische Männer eine Zierde ihrer Gemeinden sein und so die Bestrebungen ihrer trefflichen Lehrer mit dem schönsten Dank belohnen. — Wenn man die Synagoge verläßt, so gelangt man mittelst einer Treppe aus einen Corridor, der die Garderobe enthält. Für jeden Schüler ist sowohl für die Leibwäsche als auch für die Kleider ein besonderes Fach, und gebührt der Ordnungsliebe der Haushälterinnen auch hierin alle Anerkennung. Die Schlafsäle haben nie mehr als drei Betten, von denen jeder Schüler — außer wenn zwei kleine Brüder eben zusammen da sind — eins allein inne hat. Diese Betten sind mit schönen Oberdecken, — alle von gleicher Farbe und Qualität — überzogen. Eine Waschküche, in der sich ein großer Ofen befindet, enthält lange Bänke, die sich an den Wänden hinziehen, auf und über welchen für jeden Schüler ein besonderes Lavoir nebst Handtuch und sonstigem Zubehör angebracht ist. Der Speisesaal dürfte für eine 'riprr'2 nnb» rroyD nicht viel zu klein (?) sein und hat man aus fast allen Räumlichkeiten dieser Anstalt die herrlichste Aussicht auf die Umgegend und die nahe Bergstraße. Ein geräumiger Hof und ein Turnplatz wird von den Gebäuden eingeschloffen. Drei Lehrer wohnen in der Anstalt selbst. Da die Zahl der Zöglinge G. s. D. so im Zunehmen begriffen ist, so wird nach der Versicherung des Herrn Dr. Joel nächsten Sommer zu einer baulichen Erweiterung der Anstalt geschritten, durch welche alsdann auch eine Familienwohnung für den Director im Hause selbst geschaffen wird. An das Amtszimmer des Direetors schließt sich die Bibliothek und das chemische und physikalische Cabinet. Das erster« ist für den Schulbedarf ziemlich vollständig, letzteres jedoch muß noch mehr vervollkommnet werden, was durch die Geschenke, die demselben zufließen, nach und nach auch mehr geschehen wird. Herr Dr. Joel war so freundlich, mir mehrere Briefe aus den verschiedensten Ländern zu zeigen, die sämmtlich die hohe Befriedigung der Eltern mit den Leistungen der Zöglinge bekundeten, die schönste Belohnung für den verdienstvollen aber sehr oft undankbaren Beruf des Lehrers. Es würde den Raum dieser Blätter zu sehr beanspruchen, wenn ich alles das niederschreiben wollte, was mir hier so gut gefallen hat. Wer in die Nähe von Pfungstadt kommt und Interesse für die rechte Heranbildung der Jugend hat, der lasse sich der Mühe nicht verdrießen, dieses Institut zu besuchen. Die Freundlichkeit, mit der man mir, dem Fremden, seitens des Directors und des Lehrpersonals entgegen gekommen, läßt mich hoffen, daß man jedem Anderen dieselbe Zuvorkommenheit widerfahren lasse. Der Gesammteindruck, den dieses Institut auf mich gemacht, ist der der echten Religiosität und der bewunderungswürdigsten Ordnung. So schließe ich denn mit dem Wunsche für das Gedeihen und die stete Fortentwickelung dieser Anstalt und aller derjenigen, deren Zweck es ist, unsere Jugend zu guten Israeliten und zu brauchbaren Staatsbürgern heranzubilden. Hirsch Grünebaum.

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