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Der Israelit · 1867-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1867) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1867)
Date
1867-04-17
Page
– (sequence 20)
Language
German
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274 HÄb verwesten Cadaver v«schiedener Lhiere das Auge und die Nase deS Menschen beleidigen, wiewohl hier die ungesundesten Nahrungsmittel ganz ungeahndet feilgeboten werde«, so kann ich all die genannten Uebelstände doch nicht als alleinige Ursache der hier in so großer Anzahl herrschenden Fieber annehmen. Za, es ist sogar auffallend, daß gerade die Stadt Jerusalem, die doch an Pflanzen und Vegetationen überhaupt arm ist, demnach nicht als Malaringegend betrachtet werden kann, dennoch von Fieber in so großer Quantität heimgesucht wird. Wo nun das Fieber erzeugende Agens früher suchen? Ich warf nun zunächst mein Augenwerk auf das in de« Cisternen aufbewahrte Waffer. Ich untersuchte das Trinkwaffer von circa 40 verschiedenen Cisternen unter meinem 400 mal vergrößernden Flößl'schen Microscope, und meine Ahnungen täuschten mich auch nicht, denn jeder Waffertropfen fast aller Cisternen, wimmelte theils von runden einzelnen, theils von rosenkranzförmigen aneinandergereihten, theils von Fadenförmigen Pilzen, theils von verschiedenförmigen Infusorien; ich glaube somit meiner unmaßgebenden Meinung nach: Das mit den organischen Substanzen so reich geschwängerte Wasser, unter anderem als das wichtigste activlogische Momentderhier endemisch herrschenden Fieber annehmen zu können. Dieses berücksichtigend, ließ ich von nun an nicht nur die Kranken im Hospitale kein Cisternenwasser mehr trinken, sondern rieth auch allen anderen in der Ambulance sich meldenden Fieberkranken, womöglich sich des Genuffes von Cisternenwasser zu enthalten.— Freilich konnte nur ein solcher Kranke diesem Rathe Nachkommen, der entweder selbst das Waffer von der IVa Stunden weit außerhalb der Stadt vorhandenen Quelle schöpfte, oder es von den Fellachen, die es feilbieten, zu kaufen im Stande war. Meine Ansicht scheint sich auch in so ferne bestätigen zu wollen, indem sowohl in der Ambulance als auch unter den zur Aufnahme sich meldenden Kranken das Fieberskala bereits etwas abzunehmen beginnt. — Ich glaube auch die Ursache der hier so häufig yorkommenden Augenentzündungen — außer der Unreinlichkeit — auch in den hier allgemein gebräuchlichen Feuerbecken annehmen zu können, da im Winter auch hier in Jerusalem meistens eine ziemlich empfindliche Kälte herrscht; die ohnehin naffen Wohnungen aber werden nicht mittelst Oefen, sondern größtentheils mit Hilfe eines in der Mitte des Zimmers stehenden — einen ungeheueren Rauch und Dunst verbreitenden — Kohlenbeckens erwärmt, wodurch nun am allerehesten die Augen affizirt werden. — Ween oft bedeutenden Wassermangels ist natürlich auch Le Anzahl von Bädern eine relativ äußerst geringe, demzufolge auch die Hautkultur sehr vrruachlLssizt, daher die häufige Anzahl von Hautkrankheiten. — Höchst fühlbar ist auch der Mangel eines WkttsenhiMhauses und einer Versorgungsanstalt für bejahrte gebrechliche Leute. Die Diagnose „Marasmus" (Alterschwäche) könnte aus den Annalen des Krankenhauses für immer vermißt werden, wen« ein Gebäude adaptirt werden könnte, in welchem arme, alte, gebrechliche, familieulose Leute Unterkunft fänden, da sie sehr oft halbverhungert vor dem Thore des Hospitals, um Aufnahme bittend, Zusammenstürzen, — und schon, damit sie nicht aus Jnanition zu Grunde gehen, aus Barmherzigkeit ins Hospital ausgenommen werden müssen. — Die hervorragendsten und allerhäufigsten Krankheitsformen, die ich in der Ambulance zu beobachten Gelegenheit habe, sind meistens: Fieber (Intermittens tertiana, quartana und quotidiana;) Augenkrankheiten (catarrhalische, scorphulöseund blenorrhoische) und Hautkrankheiten (Scabies, Eczeme, Excoriationes.) — Administration. Die Summe welche zur Bestreitung der Echaltungskosten des Hospitals — die Versorgung des Chefarztes, die Medicamente und der 3 monatlichen Gehalt des Personales mit einbegriffen verausgabt wurden, beträgt, laut des alle 3 Monate nach Paris an den bochw. Protector zu übersendenden detaillirten Ausweises: Vom 9. Dezember 1856 bis 1. Januar 1867 1485 Frcs. 92 Cent. Vom 1. Januar bis 1. Febr. 1129 Frcs. 7 Cent. Vom 1. Februar bis 1. März 1362 Francs 16 Cent. Zusammen 3977 Frcs. 15 Cent. Handwerks-Schule. Die gegenwärtig unter Protection Sr. Excellenz des Herrn Baron Franchetti stehende Handwerksschule wurde vom Herrn vr. Albert Cohn im Jahre 1857 gegründet. — Die Anzahl der in die Handwerksschule aufzunehmenden Jünglinge beträgt gegenwärtig leider nur 25, die nach Vollendung einer dreijährigen Lehrzeit wieder anderen 25 Platz machen. — Die Knaben wählen sich selbst das zu erlernende Handwerk und den Meister. — Ein jeder Knabe erhält nach seiner Aufnahme 15 Piaster monatliche Unterstützung und allabendlich eine Stunde Religionsunterricht. — Anfangs December 1866 waren in der Handwerksschule 23 Kinder eingetragen, und zwar dem Handwerke nach: 1 Apothekrrlehrling, 6 Goldarbeiter, 1 Schlosser, 2 Klempner, 2 Schneider, 11 Schuhmacher. — Im Februar sind 1 Schuhmacher und 2 Klempner zugekommen, der Schlosser jedoch bereits als Geselle ausgetreten. Es verbleiben somit Ende Februar 25 Lehrlinge. — Dem Alter nach waren: 1 Knabe von 12 Jahren, 3 von 13 Jahren, 5 von 15 Jahren, 8 von 16 Jahren, 4 von 17 Jahren, 5 von 14 Iah-

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