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Der Israelit · 1867-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1867) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1867)
Date
1867-04-17
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Vm. Jahrgang. Erste Beilage zu Nr. 16 & 17 des Zsraelit. Leitender Artikel. Israel und feine Ieitdestimrrmng. Von NoM, Rabbiner in Csongräd. (Schluß.) Es hat Völker gegeben, welche durch ihre hervorragendsten Philosophen gegen die Annahme der Weltschöpfung durch Gott Protest einlegten. Sie leugneten die Entstehung der Welt überhaupt, glaubten (oder vielmehr glaubten nicht, sondern dachten nur) an "D^iyn mn-ip,, und setzten für den unerreichbaren Begriff: „Gott" einen unklaren Ursprungspunkt hin, den mit einiger Bestimmtheit auch nur zu ahnen, sich viele Gelehrte, wahrhaft große Denker, ihr ganzes Leben lang ganz vergeblich abgemüht haben. Dies waren die Atheisten im altern Sinne, im Sinne Aristoteles und seiner Schule. Aus dieser unklar gedachten, an die Stelle des Schöpfers gesetzten Kraft (’^rn rp) konnte sich wohl ein Olymp mit Göttern und Halbgöttern — eine schöne Welt der Kunst und des Geschmackes erzeugen, nicht aber der Gedanke eines wahren Gottes und ebensowenig eine wahre Welt mit genau abgewogenem Gesetze und Rechte und einer wahrhaften höchsten Autorität darin. — Es hat wieder andere Völker gegeben und gibt deren im Oriente auch jetzt noch, welche in Gott nicht nur den Schöpfer und Urheber der Dinge, sondern auch das starre Gesetz derselben erkannten, dem willenlos sich zu fügen des Menschen wie des Thieres und Erdreichs Pflicht ist. Das sind diejenigen, nach deren Anschauung folgerichtig der Kranke ein Verbrechen begeht, wenn er einen Arzt zu Hilfe ruft und eigentlich der Ackersmann nicht recht thut, wenn er den harten Boden auflockert. Dies sind die Fatalisten, die aus Gott ein Fatum machen. Für keine der beiden genannten Richtungen kann es eine Erneuung der Welt und der Zeit durch Gott ' mit Hinzuthun des Menschen geben. Nach der zuerst genannten Richtung ist „Gott" — nichts; er hat die Welt nicht geschaffen und kann sie auch nicht erneuen. Die Welt zeugte sich selbst und kann höchstens fortzeugen. Nach der letztgenannten Richtung aber ist der Mensch noch weniger als — nichts —; er ist bestimmt zu dulden, zu staunen und zu beten, nicht aber Wett- und Zeitumwälzungen hervorzurufen. Es ist darum ein schönes und wichtiges Wort, mit welchem Israel hinaustritt unter den schönen freien Himmel, um den Mond, den Zeitmeffer, zu be- > grüßen, den Gott für die von Israel miterrungene I neue Welt der Gottes- und Weltanschauung eingesetzt hat. — „Gelobt der Erneuerer der Neumonde!" so! lautet der Gruß. Gelobt fei Gott, der Welten und Zeiten erneuet. — Israel hat ein gutes, theuer erkauftes Recht zu diesem Gruße. Die beispiellosen Wandlungen und Wechselfälle, die es erlebt, die es durch Gottes mächtigen Beistand überstanden, ja selbst die zeitweiligen Rückfälle desselben in die Zeit des Verderbens und Abfalles von Gott sind Zeugen dafür, daß eö in Gottes weisem Rathe lag, Israel aus Schlünden und Abgründen herauf seine Höhe erklimmen zu lasten. Und Israel erklomm diese Höhe, auf der ihm eine neue Welt und eine neue Zeit aufgeht — und erklimmt sie noch immer. — Iranerin tcnriD -pa — Dieser Neumondgruß geht von dem richtig erkannten Berhättniste aus, das zwischen „Weltschöpfung" und „Welterneuung" durch den Einen Einzigen stattfindet und schließt zwei gefährliche Jrrthümer aus: den Gedanken der Gottlosigkeit und den der Gewaltherrschaft. n. Allein es gab und gibt noch einen andern Irrweg, der sich bald über-, bald unterschätzenden Menschenvernunft und Würde — und dieser Weg ist um so gefährlicher, als er sich von den beiden früher erwähnten Irrwegen menschlichen Denkens wesentlich dadurch unterscheidet, daß er weder, wie der eine, sich zu UNwirthbar schwindelnder Höhe spekulativer Abstraktion emporwindet, noch, wie der andere, über brachliegende Felder eines abgetödteten Menschengeistes, der Unkenntniß und Unvernunft dahinführt, sondern Wissenschaft, und zwar hauptsächlich die praktische, fruchtbare Naturwiffenfchaft zu seinem Ausgangs -, Mittel- und Endpunkte hat. Es ist dies der Weg, auf dem der Forscher in die Betrachtung der Natur so tief versinkt, daß er zuletzt diese mächtige, mannigfache Natur, deren Kräfte vor dem Forscherblicke annähernd zu einer Einheit emporgipfeln, jeder weitern schöpferischen Gotteseinheit entbehren läßt und — einem Naturgotte seine Verehrung zollt. Es ist dies eine andere Art Atheismus — eine andere, jüngere Art, den Thron Gottes mit einem Phantom zu besetzen; nur daß dieses Phantom nicht mit dem grauen Kleide der Abstraktion, sondern mit dem frischen, schönen Gewände der Naturwiffenschaft bekleidet ist. — Der Kultus der Naturgottheit ist sehr verführerisch und anziehend und darum auch — sehr gefährlich. — Der weite blaue Himmelsdom ist ihr Tempel, die schönen Wiesen und Felder — das Rauschen der Wälder ist ihre Anbetung, die verschiedenen geheimwattenden Kräfte find ihr Orakel. Der Naturanbeter, der seinem Naturgotte

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