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Der Israelit · 1867-04-17 · Heft 16-17 (17.4.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 16-17 (17.4.1867)
Date
1867-04-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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263 — wird uns, die wir Dich jetzt beklagm, die Wohlthat eines Begräbnisses zu Theil werden?" Da brach die allgemeine Klage so heftig ans, daß Rabbi Elchanan innehalten und man das Grab schließen mußte. Am dritten der sieben Trauertage um den großen Rabbi Schimeon nahte Rheingraf Emicho mit einer großen Menge verworfenen Gesindels der Stadt. Die geangsttgten Juden, 800 an der Zahl, suchten Schutz beim Erzbischof Ruchard. Dieser war aber ein Verwandter Emichos und stand mit ihm im Bunde; er veranlaßte die Juden, ihm ihre Habe zur Aufbewahrung zu geben und versprach ihnen, sie zu schützen; allein als er sich des Vermögens der Inden bemächtigt hatte, gab er die Nachkommen Jakobs den Kreuzfahrern preis. Diese begannen ein furchtbares Gemetzel, da Niemand sich zur Taufe zwingen lasten wollte. Rabbi Elchanan ermahnte, ermunterte die Schwachen, so daß sie gern und freudig starben. Da ergriffen ihn die wüthenden Räuber, errichteten einen großen Scheiterhaufen und wollten Elchanan gewaltsam zu demselben hinanschleppen; Elchanan aber stieß sie zurück; freiwillig und freudig schritt er dem Scheiterhaufen zu und bestieg ihn so glücklich und froh, wie er niemals feinen Thron in Rom bestiegen hatte. Für einen Augenblick verstummte das Wuthgeheul der Mörder, das Wehgeschrci der Opfer; aller Augen waren auf Rabbi Elchanan gerichtet. Dieser stand oben auf dem Scheiterhaufen, einem Könige gleich — um tyn züngelten schon die Flammen. Nunmehr wollte Elchanan die Menge anreden, sich als ehemaliges Oberhaupt der Kirche zn erkennen geben, um dem verstockten Gesindel zu zeigen, wen sie hier mordeten und wie heilig und hehr Israels Glaube sei; allein er besann sich rasch eines Andern; er bedachte, daß man ihm doch nicht glauben, ihn als einen Wahnsinnigen verlachen würde. Da öffnete er den Mund und rief: „Höre Israel, der Ewige, unser Gott, der Ewige ist Einzig!" und „Einzig!"" „Einzig!" tönte es von allen Seiten, zugleich mit den letzten Seufzern der Sterbenden. Mttten aber durch die Menge, dem Scheiterhaufen zu, eilte ein Weib mit fünf Kindern, das jüngste ein Säugling noch; sie drangen durch die Flammen und stiegen auf die brennenden Holzblöcke bis zu Elchanan hinan. „Meine Rahel, meine Kinder!" rief dieser, noch einmal die Seinen umarmend. Dann tönte wiederum das „Einzig" von Aller Lippen, und bald ward es still — achthundert Nachkommen Abraham's, Jizchak's und Iakob's hatten Gottes Namen verherrlicht aus Erden: „Ueber Alles werde erhoben, geheiligt, g'erühmt, gepriesen der Name deS Königs aller Könige, des Heiligen, gelobt sti Gr!" — Noch war der Holzstoß, auf welchem Rabbi Elchanan und die Seinen ihr Leben der Heiligung des göttlichen Namens geweiht hatten, nicht niedergebrannt, da erhob sich ein furchtbarer Sturm, der die brennenden Holzblöcke auf das Dach der nahen Synagoge führte, die dann auch bald in Brand gerreth; da lachten die wilden Kreuzfahrer darob, daß auch gleich der Judentempel niederbrenne; aber das Feuer griff um sich und legte einen großen Theil der Stadt in Asche; noch heute wird jener Platz „der Brand" genannt. Erzbischof Ruthart und Graf Emicho theilten ihren Raub; allein sie konnten sich deffen nicht lange erfreuen. Zwei Jahre später zog Kaiser Heinrich IV. den Erzbischof zur Verantwortung; und dieser mußte in die Verbannung ziehen. Die Kreuzfahrer nahmen ein klägliches Ende; raubend und plündernd setzten sie ihren Weg nach Osten fort, bis sie von den Umgarn, als sie durch deren Land zogen, sämmtlich erschlagen wurden. Nicht Einer aus jenen Raubhorden erreichte das gelobte Land, nicht Einer kehrte in tue Heimath zurück. Auf dem jüdischen Friedhofe in Mainz wurde später das Grab Rabbi Schimeon's, des Großen, mit einem Denksteine geschmückt; als dieser im Laust der Jahrhunderte zerfallen war, errichtete die heilige Genossenschaft der Kabramm im Jahre 5552, vor jetzt 75 Jahren, einen neuen Denkstein, der noch heute die Stätte bezeichnet, wo der große Rabbi ruht. Rabbk Elchanan aber und den Seinen ward kein Begräbmß zu Theil, kein Stein zeugt von seinem merkwürdigen Leben, von seinem heldenmüthigen Tode — aber im Herzen der Söhne und Töchter feines Volkes erlischt sein Andenken dennoch nicht von Geschlecht zu Geschlecht, und wenn man der großen Männer aus der Vorzeit der jüdischen Gemeinde zu Mainz gedenkt, da erinnert man sich auch des geraubten Iudenknaben, der Pabst geworden und alle Pracht und Herrlichkeit von sich geworfen, um den Glauben der Väter zu umfassen, deffen Wahrheit er dann auch noch mit seinem Tode besiegelt hat — da erinnert man sich Rabbi Elchanan's. Kedokah ^eginrah. i. Etwa zehn Jahre mochte ich zählen, als Preuße» zu einem großen Ganzen den Zollverein erweiterte, den der damalige Premierminister des Königs der Franzosen, Monsieur Thiers, als ganz unverfänglich bezeichnte; und doch schloß derselbe bereits zu jener Zeit die Anfänge in sich für den Norddeutschen Bund, welchen das Jahr 1866 zur Reise gebracht hat. Auch auf mein Leben sollte die Gründung deS Zollvereins von entscheidendem Einfluß fein. Damals hatte ich allerdings noch keine Ahnung davon, sondern spielte munter und vergnügt mit den Kindern der Nachbarn in dem schönen Garten hinter meinem elterlichen Haust. Meine Vaterstadt liegt an der untern Weser im

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