Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1867)
- Date
- 1867-04-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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262 nen Bonwtheile de- Volkes, als in einer beabsichttgttn Pokttik der serbische» Regienmg. Herr Layard, «tt Kenner des Orients, üBpfte -an die Dikcujsio« «inige Bemerkungen über die Inden in der Türkei. .Ws spanische Bigotterie die Ardeu vertrieb, nahmen fie in großer Zahl ihre Zuflucht zur Türkei, stets mit Gerechtigkeit und Mäßigung behandelt. In Koustanlinopel sind viele Juden zu große» Reichthume u»d zu hohen Ehrenstellen gelangt. Ihre bittern Feinde 1« der Türkei find nicht die Mahomedaner, sondern die Christen; und der Erbitterung liege« nicht etwa geschäftliche Eifersucht, sonder« hauptsächlich religiöse Unduldsamkeit zu Grunde. In Griechenland ist es den Juden fast unmöglich zu leben. In der Türkei werden die Juden von den Christen in solcher Weise «erfolgt, daß sie sich in der Osterwoche in ihren Häusern hatten muffen, um nicht auf der Straße zerriffen oder todtgeschlagen zu werde«. Selbst m Smirna ist dies der Fall, wo sich doch die civilisirteste christliche Gemeinde des ganzen Orients befindet. Schaudererregend sind die Zustände, und die einzige Autorität, welche noch Ordnung zwischen Christen nnd Juden zu halten strebt, ist die türkische Regierung. Man braucht nur in der Charwoche in Jerusalem zu sein, um zu sehe«, daß die türkische Regierung Truppen marschiren krffen muß, um die Katholiken abzuhalten, den Griechen die Hälse abzuschneiden und umgekehrt; und die Juden find in der schlimmsten Lage, da sie beiden ein Stein des Anstoßes sind." Layard schloß mit der Hoffnung, daß die Debatte sowohl von den Griechen als den Serben beherzigt werden möge. Auch diese Debatte im engl. Unterhause ist bereits ein nicht unbedeutender Erfolg, den die serb. Israeliten der All. Jsr. Univ. zu verdanke« haben. Rußland und Polen. Warschau. Ein Artikel des Dniewnik klagt über die Vermehrung der Juden in Polen und fürchtet, daß diese bald die christliche Bevölkerung überwiegen werden. Die angeführten Zahlen des Dniewnik sprechen nicht für seine Furcht, sie beweisen eher einen Rückgang als eine Vermehrung der jüdischen Bevölkerung Warschau's im Berhältniffe zu der christlichen. Aus den Zahlen ergibt sich, daß 1863 die jüdische Bevölkerung 32 pCt., die jüdischen Geburten aber nur 24 pCt. 1864 die jüdische Bevölkerung 32 pCt. die jüdischen Geburten 25 pCt., 1865 die jüdische Bevölkerung 31 p. Ct., die jüdischen Geburten 24 p. Ct. der christlichen Bevölkerung und Geburten ausmachten. Es ergibt sich hieraus, daß bei den Juden weniger Geburten als bei der christlichen Bevölkerung Statt finden. Allerdings ist in vielen polnischen Städten die jüdische Bevölkerung sehr groß. In Polen nämlich dürfen die Juden nicht.außerhalb der Städte «ohuen, und einen Bürgerstand polnischer Ration gibt es bekanntlich in «rr sehr geviugem Maße. Die jüdische Bevölkerung ist demnach m einige polnische Städte zusammengepfercht nnd muß hier eine vechüttrüßmäßig große Zahl ausmachen. Man würde sich fragen, warum die angeführte« Zahlen einen bei Näherer Prüfung so offenbaren Jrrthum, um uns des gelindesten Wortes zu bedienen, produciren, wenn wir nicht wüßten, daß seit mehr als 20 Jahren die polnischen Beamten dieselbe Klage und Behauptung, daß die jüdische Bevölkerung die christliche verdränge, durch ähnliche Zahlenan-gaben der russischen Regierung glaubhaft mache» wollen, um diese zu Beschränkungen gegen die Juden zu veranlassen. P a l ä st i n a. Jerusalem. Vor einigen Wochen ist,als Nachfolger des tüchtigen Forschers Capitän Wilson, der Capitän Warren aus London in Jerusalem emgetroffen. Derselbe hat die großartigen Ausgrabungen, die er beabsichtigt, damit begonnen , daß er die Canäle an dem dreifachen Thore der südlichen Haram-Mauer ausdeckt, und wo sie zugemauert waren, aufbrach. ES stellte sich hier heraus, daß diese beiden Canäle, obwohl sie in verschiedenem Niveau liegen, in einem und demselben großen Wasserbehälter endigen und in die Substrnctionen der sogenannten Pferdeställe Salomon'S auslaufen. Weiteres Vordringen wurde verwehrt. Der Capitän hat hierauf am Südfuße der Aksa hinunter graben lassen, desgl. an der Südostecke der Haram- Mauer, wo die großen Steine sind; aber auch hier wurde vorläufig Einhalt geboten, unter dem Vorgeben, daß die Mauer zusammeufallen könnte. Warren ist an der genannten Ecke etwa zwanzig Fuß tief hinuntergekommen, ohne noch den Felsen gefunden zu haben. ES haben sich hier vier bis fünf Steinlagen, ganz von ähnlicher Bauart wie die oberhalb befindlichen, nur weuiger verwittert, gezeigt. Auch außerhalb des DamaskusthoreS, bei den Cisternen, hat der energische Mann bereits Nachgrabungen ins Werk gesetzt. Es fanden sich hier bis jetzt eine Treppe und ein Bogen. Sein nächstes Augenmerk ist auf weiters Aufdeckung der Felsentreppe an dem südlichen Abhange Zions, auf dem protestantischen Gottesacker, gerichtet, um heraus zu bringen, wo dieselbe ende. F e u i Ile ton. Rabbi Elchmmn. (Schluß.) XIII. Unter lautem Jammer, unter ununterbrochenem Klagegeschrei hatte das Begrabmß Rabbi Schimeons stattzefunden. Seine Söhne hatten die Klagereden gehalten. „Glücklich Du, unser Vater," hatte Rabbi Elchanan gerufen, „den wir hier betten in den Schooß der Erde