Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 16-17 (17.4.1867)
- Date
- 1867-04-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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261 und Sal. Benjamin in M. Gladbach zu Vorstehern, die Herren Levy Auerbach und Sal. van Perlstein in Düsseldorf und Herr Hermann Jsaac in Ruhrort zu Stellvertretern gewählt. Die würdige Haltung der Versammlung und die warme Theilnahme, mit welcher fast alle Anwesenden über einzelne zur Berathung gestellten Paragraphen ihre Ansichten kundgaben, bewiesen hinlänglich, daß Jeder derselben von der Heiligkeit und dem hohen Werthe des neu begründeten Werkes durchdrungen war. Dazu wurden die Debatten von dem Vorsitzenden der Versammlung, Herrn Mich. Simons von hier, mit großer Gewandtheit geleitet. Als die Vereinsmitglieder von einander schieden, war bei allen ein vorwaltendes Gefühl der Befriedigung sowohl über die geführten Verhandlungen als über den Ausfall der vollzogenen Wahlen unverkennbar. Sie beanspruchten nicht, was unlängst in einer anderen Versammlung mit lächerlich eitler Selbstgefälligkeit behauptet wurde, „daß die Geschichte bereits von ihren Berathungen Notiz genommen habe," sie glauben vielmehr mit ihren Bestrebungen nicht der Geschichte, sondern der Gegenwart und der lebendigen Zukunft anzugehören, aber sie erfreuen sich an der Hoffnung, daß der allmächtige Herr der Geschichte von ihrem Reden wie von ihrem Thun Notiz genommen habe und ihr Streben zu gedeihlichem Fortgange bringen werde. Denn, wenn Gottesfürchtige sich unterreden, dann merkt und hört der Herr aus sie, und in ein Buch des Gedächtnisses wird es eingetragen vor Ihm (Maleachi 3, 16) — In dieser Woche hat der neugewählte Vorstand bereits seine erste Sitzung gehalten und gemäß dem Statut die Wahl der Fach-Commission vollzogen, welche die Anstalt in ihrer Wirksamkeit leiten und überwachen soll. Dieselbe besteht zunächst aus zwei Rabbinen und zwei anderen fachkundigen Männern, zu welchen als fünfter der anzustellende Seminar-Director hinzutritt. Sobald sämmtliche Gewählte die Annahme des ihnen zugedachten Ehrenamtes angezeigt haben, werde ich Ihnen auch die Namen derselben mittheilen. Zum Rendanten des Vereins wurde der hiesige Banquier Herr Ben. Cahen gewählt. Sulzburg, (Baden) 8. April. Unserem hiesigen Bethhamidrasch thaten Sie, Hochgeehrter Herr Redacteur! schon mehrmals rühmlichft Erwähnung, weßhalb ich mir erlaube, Ihnen über die gestern darin stattgehabte Prüfung Bericht zu erstatten. Die Prüfung — geleitet von unserem allverehrten Herrn Bezirksrabbiner und Schulvorstand Dreyfuß — fand unter reger Theilnahme Seitens des löblichen Synagogen- und Schul-Ralhes statt, und lieferte ein sehr befriedigendes Resultat. Bei der untern (ersten) Elaste erstreckte sich die Prüfung hauptsächlich auf einige nmD im ersten Buch Moses mit dem Commentar ’"Bn, sowie aus die Einübung sämmtlicher Benedictionenbei der höhern (zweiten) Elaste hingegen auf den größten Theil des zweiten B. M. mit dem Commentar 'uvn und auf die Kenntniß des Ritualgesetzes, und wurde diesmal, nächst einem Theil aus nbsn 'n, nach dem Werke o-j.v "N, auch aus ro» 'n geprüft nach dem höchst practischen Büchlein npD min rm Alle Anwesenden waren von Freude erfüllt, eine so gründliche Kenntniß der h. Schrift bei den Kindern wahrzunehmen , so wie ferner zu sehen, wie herrlich die zarte Jugend sich auf die Erfüllung der h. Vorschriften versteht: und wurde dieser Freude der schönste Ausdruck verliehen, durch die Anerkennung Seitens des ehrwürdigen Schulvorstandes am Schluffe der Prüfung. Volle Anerkennung gebührt aber auch der hiesigen Gemeinde und deren würdigen Vertreter, die es nicht an pecuniären Opfern fehlen lassen, um diese Pflanzstätte für wahre Religiosität und Religionskenntniß immer mehr und mehr ihrer Entfaltung entgegenzuführen. Der Segen des himmlischen Vaters wird sicher nicht ausbleiben. Möge denn auch die hiesige Gemeinde ein Muster vieler anderen badischen Gemeinden werden, in denen leider der Bibelunterricht noch sehr im Argen liegt, indem ihm nur kärglich Zeit und Muße zugewandt wird. Daß aus diese Weise unserer hochheiligen Pflicht rnmun TJ31? schärfe sie — die heilige Thora — deinen Kindern ein: nicht entsprochen wird, wer wollte das bezweifeln?! Mögen doch unsere ehrwürdigen Herren Rabbinen diese hochheilige Sache in die Hand nehmen, mögen sie mit allen Kräften dahin wirken, daß dieser wichtigste Unterrichtsgegenstand fortan keine Verkümmerung mehr erleide: das wäre ein Wirken für die Ewigkeit, dessen Folgen unberechenbar sind. (Bemerkung der Red.: Der Vorsteher und Hauptlehrer der in Rede stehenden Schule ist der gelehrte Herr Salomon Bamberger, von dessen Bearbeitung des Aruch in diesen Blättern bereits mehrfach die Rede gewesen.) England. London, 30. März. Auf die in Serbien existirenden höchst barbarischen Gesetze gegen die Juden, von denen in diesen Blättern wiederholt und ausführlich die Rede war, wies in der gestrigen Sitzung des Unterhauses Sir F. Goldshmid hin, um die englische Regierung zu ersuchen, die in ihrem Bereiche liegenden Schritte zur Abstellung solcher Tyrannei zu thun. Lord Stanley versprach, den britischen Gesandten bei der hohen Pforte anzuweisen, daß er mit dem Fürsten von Serbien bei besten bevorstehender Anwesenheit in Konstantinopel Rücksprache nehme und eine Petition, welche die Juden Serbiens oder Europas inzwischen an den Fürsten richten könnten, nach Kräften unterstütze. Der Minister tadelte das Auftreten der Serben gegen die Juden als ein um so ungerechteres und verdammenswertheres, als das serbische Volk selbst immer die Worte Nationalität und Unabhängigkeit im Munde führe; der Grund aber liege mehr in dem allgemei-