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Der Israelit · 1867-04-10 · Heft 15 (10.4.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 15 (10.4.1867)
Date
1867-04-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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250 schaft unterbrach die Rede. Ein Gebet für den allgeliebten König Franz Josef, für die glorreichen Söhne des Vaterlandes, an deren Spitze Franz Deal mit Recht genannt, wurde in hebräischer und deutscher Sprache vom Herrn Rabbiner verfaßt, von ihm vorgetragen und brachte einen erhebenden Eindruck hervor. Schließlich sangen noch die Kinder den Szozat in ungarischer Sprache sehr correct. Donnerndes Eljen geleitete die Herren Gäste aus den Räumen des zu dieser Feier festlich geschmückten Tempels, nachdem noch zuvor der sehr liberale Oberbürgermeister, Herr Alexander v. Török, im Namen der Commune einige herzliche Worte des Dankes und der Anerkennung an Rabbiner und Gemeinde ob der Verfassungsfeier gerichtet. Ich kann mir es nicht versagen, der vielen Hoffnungen, die sich an den Amtsantritt des neuernannten ungarischen Ministeriums knüpfen, Erwähnung zu thun. Wir dürfen jedoch nicht allzusanguinischen Erwartungen Raum geben, denn wir wurden schon oft, gar zu oft, an der Schwelle der Erfüllung bitter enttäuscht. Doch hoffen wir, daß die Angelegenheit der Gleichberechtigung jetzt kein utopischer Traum mehr bleiben wird; hat sich ja das Ministerium das Programm des VorkämpfenS für Recht und Gerechtigkeit ohne Unterschied der Religion, das Programm des edlen Franz Deak eigen gemacht; und dieser hat es ja schon im Repräsentantenhaus offen und unumwunden ausgesprochen, daß die Aussprechung der Gleichberechtigung aller Confessionen Aufgabe des Landes in erster Reihe ist. Daß es noch nicht geschehen, daß das letzte Wrak dieses schon fast allenthalben gestrandeten Schiffleins „Vorurtheil" noch nicht der Rumpelkammer der Vergangenheit übergeben worden ist; nun, wir wollen nicht rechten und uns gerne gedulden-verstehen wir Juden uns ja recht wohl auf's Warten, mag nur diese Geduld eine endliche Emancipation bringen. — Zwar scheint der Erfolg der Beglückwünschungs-Deputation der Pesther israel. Religionsgemeinde beim Ministerpräsident Herrn Grafen Julius Andrassy die Optimisten, die sich gar zu rosigen Anschauungen Hingaben, ein bischen unsanft aus ihren Träumen geweckt zu haben, denn als die Deputation im Laufe der Audienz ihren gerechten Wünschen Ausdruck verlieh und die Zuversicht ausdrückte: „daß Ungarn, welches bis jetzt selbst das drückende und peinliche Gefühl empfunden, der Rechte beraubt zu sein, am besten die Wünsche der ungarischen Judenschaft zu würdigen wissen werde," schien sie die Antwort des edlen Grafen, der von „noch nicht Assimilirtsein" sprach, nicht sonderlich zu ermuthigen. Uebrigens soll die ganze Angelegenheit nach der Aussage Deak's auf einem gegenseitigen Mißverstehen beruhen, eine Ansicht, der wir gern beipstichten, trotzdem einige Blätter immer noch dabei beharren, daß die Antwort so deprimirend war, wie sie von ihnen reproducirt wurde. Zum Schlüsse muß ich noch der großartigen in diesen Blättern angeregten Idee der Gründung eines Vereines rDip noi» Erwähnung thun. Auch in unserer Gegend fand dieses Projekt den größten Anklang, und man stellt diesem Vereine das günstigste Prognostikon. Möge er sich nur recht bald constituiren und recht viele Localvereine errichten; an Mitgliedern wird's nicht fehlen, und zu wirken gibt's wahrlich genug für ihn. Nehmen Sie einstweilen die Verstcherung vom Schreiber dieser Zeilen, daß er recht bald eine stattliche Summe von Mitgliedern, die ihm ihren Beitritt zugesagt, Ihnen zuführen und sich es zum besonder» noi anrechnen wird, auch ein Sandkörnchen zum Ausbau und zum Jnslebentreten dieser großartigen Schöpfung beigetragen zu haben. Ahron Weiß, Religionslehrer. Amerika. Chicago. Dem „Jewish Meffenger" entnehmen wir-, daß Herr Generalmajor Eduard Salamon, der sich in dem letzten Krieg durch seine Tapferkeit zu diesem hohen Rang emporgeschwunqen, zum Bicepräsidenten der Hillel-Loge Nr. 72 in Chicago erwählt wurde. Feuilleton. Die Kaiserin Engenie. Verschiedene Blätter, auch Ihre sehr geschätzte Zeitschrift, brachten unlängst die Notiz von einem in Paris entstandenen Vereine zur Besserung gefallener israelitischer Mädchen unter dem Protektorate der Kaiserin der Franzosen. Es dürfte den Lesern Ihres weitverbreiteten Blattes interesiant sein, die Entstehung dieses Vereins zu erfahren. Wie Ihnen bekannt sein wird, ist die Kaiserin äußerst wohlthätig, und richtet ihr besonderes Augenmerk auf die Wohlthätigkeits- und Besserungsanstalten. So besuchte dieselbe während der Choleraepidemie fast sämmtliche Spitäler, und man erzählt sich, daß bei einem dieser Besuche eine Schwererkrankte die Kaiserin für die sie bedienende Schwester hielt und sie demzufolge „meine Schwester" anredete. Als die barmherzige Schwester die Kranke auf ihren Jrrthum aufmerksam machen wollte, verhinderte die Kaiserin dies mit den Worten: „Lassen Sie doch, ich bin ja so gern die Schwester der Armen." So besucht die Kaiserin auch häufig die Gefüngniß- und Besserungsanstalten. Bei Gelegenheit eines solchen Besuches traf es sich, daß sie zufällig in einem Saale 5 bis 6 jüdische Mädchen fand, unter ihnen ein Kind von 12 bis 14 Jahren, das heftig weinte. Gerührt von dem Schmerze

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