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Der Israelit · 1867-04-10 · Heft 15 (10.4.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 15 (10.4.1867)
Date
1867-04-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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249 schieben muß; zu der ich, wenn Sie es gestatten,*) nächstens schreiten werde. Hirsch Grünebau«. Berlin. Eine junge jüdische Wittwe in Berlin hatte fich, nachdem sie den Schmerz über den Verlust ihres Mannes einigermaßen überwunden, durch einen christlichen Schuhmachergesellen so lange trösten lassen, bis ein Knäblein zur Welt gekommen war. Dem Schuhmacher war in Folge dieses Ereignisses das Verhältniß unangenehm geworden und er brach deshalb ab, gestaltete aber vorher der Mutter seines Kindes ausdrücklich, daß sie dasselbe in ihrer Religion erziehen lassen dürfe. Demgemäß wurde der Knabe acht Tage nach seiner Geburt in aller vorgeschriebenen Form der jüdischen Religion einverleibt. Jetzt, nachdem der Junge bereits zwei Jahre alt geworden, erhielt die Mutter plötzlich von der Polizei die Aufforderung, ihren Sohn in der christlichen Kirche taufen zu lassen, und davon, daß dies geschehen, der Obrigkeit binnen kürzester Zeit Anzeige zu mache«. Die Mutter weigerte sich, dieser Anordnung Folge zu leisten, indem sie der Meinung war, keine Macht der Wett könne ohne ihren Willen ihren Sohn in die christliche Kirche bringen. Da erschienen in der vergangenen Woche plötzlich in ihrer Wohnung ein Polizeiwachtmeister in Begleitung einer Hebamme. Letztere bemächtigte sich, trotz des Gewimmers der bestürzten Mutter, des jüdischen Knäbleins und fort ging es mit demselben nach der Elisabethkirche, wo es von dem Pfarrer der christlichen Gemeinschaft cinverleibt und chm die Vornamen Julius Richard — Letzteren führt auch seine Pathe, der Polizeiwachtmeister — beigelegt wurde. Demnächst wurde das Kind der Mutter wieder ins Haus gebracht. Ob der Vater des Kindes oder das Vormundschastsgericht oder die Polizei diese Mortara-Taufe veranlaßt hat, haben wir nicht erfahren. (F.-B.) Berlin. Wie arg die jüdische Mutter in Berlin, von der wir oben berichteten, durch die im Zwangswege erfolgte Taufe ihres Sohnes auch pekuniär geschädigt worden ist, stellt fich erst jetzt heraus. ES war nämlich der Mutter, welche sich mit Waschen kümmerlich ernährt, die Aufnahme ihres Kindes in das jüdische Waisenhaus zugefichert worden; ein jüdischer Manu, der in ihrer Nähe wohnte, hatte ihr außerdem versprochen, er werde das Kind, sobald es etwas ätter geworden, zu sich nehmen und wie feine eigenen Kinder erziehen; mit allen diesen Aussichte» ist es jetzt M Ende, da dies Waisenhaus so wenig wie der Freund der Wittwe ein christliches Kind in Erziehung nehmen wollen. Wie man hört, hat der Vater des Kindes die Befchneidung gestattet, der Vormund desselben aber nicht eher geruht, bis sich das Vormundschaftsgericht *) Sehr gern. Red. der Sache angenommen und die ZwangStause veranlaßt hat, nachdem die Mutter bei wiederholten Vernehmungen fich geweigert hat, die Taufe selbst veranlassen zu »ollen. Der Vormund ist denn auch bei der Taushandlung zugegen gewesen. (F.-B.) Oesterreichischer Kaiserstaat. Erlan, im März. Unser geliebtes Magyaren- Land ist endttch nach 17jähr»ger Prüfung zum Vollgenuffe seiner Rechte gelangt. Ganz Ungarn durchzittert eine freudige Erregung wegen dieser politischen Wiedergeburt des Landes. Auch unsere Stadt Erlau feierte Freudenfests, und die Freude war eine allgemeine, aus der Tiefe des Herzens kommende. Auch die Israeliten Ungarns begrüßen das Morgenroth dieser neuen Aera mit froher Erwartung; waren doch wir Juden dieffeits der Leitha bis jetzt immer noch die Heloten der Gesellschaft. Dem neuernannten ungarischen Ministerium ist nun die ruhmvolle Aufgabe Vorbehalten, die letzten Marksteine der Schmach hinwegzuräumen und durch einen Federzug das Land um % Million Gut- und Blutsteuer gleichmäßig zahlende, berechtigte Einwohner zu bereichern. Wahrlich, eine schöne Gelegenhert, dem Auslande zu zeigen, daß Ungarn zu den politisch-reifsten Staaten des Continents zählt! Allenthalben, wo nur israel. Gemeinden und Gemeindchen sind, wurde Festgottesdienst abgehatten; auch die Israeliten der hiesigen Stadt veranstalteten verflossenen Samstag im hiesigen Gotteshause einen feierlichen Dank-Gottesdienst, zu dem in echt humaner Weise die Spitzen der Behörde in corpore erschienen. Die Räume des zu dieser Feier festtäglich geschmückten Tempels waren zum Erdrücken voll. Einige auf das Fest bezughabende Capitel crPnn, von der Gemeinde abgesungen, eröffneten dasselbe. Die Kinder der hiesigen israel. Hauptschule reciürten Capitel 21, welches, gut einstudirl und vorgetragen, eine« mächtigen Eindruck hervorbrachte. Dann bestieg der Herr Ober- Rabbiner Joses Weiß die Stufen des schön decorirten anipn pirr und hielt an die zahlreiche, lautlose Zuhörerschaft eine sehr gewählte geistvolle Ansprache, die Wichtigkett des Festes hervorhebend. In gewohnt gediegener Weise skizzttte derselbe die glänzende Restitution des Vaterlandes und zu den Erwartungen der ungarischen Judenschaft übergehend, sprach er die Hoffnung aus, daß die neucreirte ungarische Regierung, der bis jetzt selbst die Hände gebunden waren, rum die schmachvolle Fessel von uns nchmeu wird, und daß es uns Juden endlich gegönnt sein wird, nachdem wir an den Schmerzen des Vaterlandes Thell genommen, auch an der Freude Theil nehmen zu dürfen. Lebhafter Beifall der bis jetzt lautlose« Zuhörer-

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