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Der Israelit · 1867-04-10 · Heft 15 (10.4.1867) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 15 (10.4.1867)
Date
1867-04-10
Page
– (sequence 13)
Language
German
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251 der Kleinen, näherte sich die Kaiserin derselben und redete sie sanft an; doch war daS Kind von dem Anblicke der hohen Besuches so verwirrt, daß es Anfangs gar nicht zu Worte kommen konnte. Nur das sanfte Zureden nnd die wiederholte Frage, warum es so heftig weine, brachten es endlich dahin, den Grund seines Schmerzes nach und nach in abgebrochenen Sätzen hervorzubringen: „Majestät," rief das Kind, „ich bitte um Gnade für meine arme Mutter; dieselbe ist zu 6 Monaten Gefängniß verurtheilt, während 5 kleine Kinder zu Hause um ihre arme Mutter jammern, die, da sie keinen Vater mehr haben, nunmehr ganz verlasien sind. Ich, die älteste, konnte bis jetzt noch bei ihnen sein; seitdem ich eine Strafe erleiden muß, sind meine unglücklichen Geschwister ganz allein." „„Wie lange büßt deine Mutter ihre Strafe?"" „Schon drei Monate." — Die Kaiserin schwieg, nahm ihr Notizbuch und machte eine Bemerkung. „„Und warum wurdest Du bestraft?"" „Ich ging auf den Markt, kam zu einer Obstfrau, nahm einige Birnen und steckte solche zu mir." Die Kaiserin winkte ihrer Begleiterin bedeutungsvoll, wie wenn sie sagen wollte: „Das unglückliche Kind! wie Mancher mag wohl einmal Obst genommen haben, und es geschah ihm nichts. Freilich ist es ertappt worden, und dem Gesetze muß man seinen Laus lasten." — Einige Zeit nachher — die arme Frau hatte inzwischen den Rest ihrer Strafe geschenkt erhalten, — ließ die Kaiserin den Oberrabbiner Isidor zu sich bescheiden. Da derselbe sich gerade zur Kräftigung seiner Gesundheit in einem der Taunusbäder befand, ließ der Präsident des Consistoriums, Baron v. Rothschild, bei der Kaiserin anfragen, ob der Rabbiner telegraphisch zurück berufen werden solle, er befinde sich eben zu seiner Erholung in einem deutschen Bade." — „Nicht doch," ließ die Kaiserin erwidern, „der gute Mann möge nur recht seine' Gesundheit pflegen." Nur seine Rückkunft solle man sie misten lasten. Natürlich ließ der Oberrabbiner, sobald er zurück war, solches der Kaiserin melden, indem er sich derselben zur Verfügung stellte. Die Kaiserin bestimme nun die Zeit, in der sie ihn zu sprechen wünsche, empfing ihn sehr gnädig und ließ ihn in einem Fauteuil neben sich Platz nehmen. „Sie waren in einem Bade, woran leide« Sie denn?" — „„An einem Halsübel."" — „O, das glaube ich, Sie werden sich manchmal über ihre Gemeinde zu beklagen haben, und dann so heftig predigen, daß Ihnen der Hals wehe thuti" sagte die Kaiserin lächelnd. „ Doch das brinzt mich aus den Gegenstand, um deffentwtllen ich Sie zu sprechen wünschte. Ich besuchte neulich eine Besserungsanstalt; da fand ich nun auch 5—6 Mädchen ihres Glaubens, die ganz und gar in ihrer Religion vernachlässigt werden. Nicht nur, daß sie keinen Religionsunterricht erhalten, sie leben auch nicht nach den Vorschriften ihrer Religion. Könnten Sie denn mchtveranlasten, daß ein Verein gegründet werde, der es sich zur Aufgabe machte, für die Besterung solcher gefallener Geschöpfe zu sorgen, der es ermöglicht, daß sie in ihrer Religion Unterricht erhalten werden, der es ermöglicht, daß sie nach den Vorschriften ihrer angestammte« Religion leben?" Natürlich faßte der Rabbiner diesen Plan lebhaft auf, und versprach sofort sein Mögliches zur Verwirklichung dieses edlen Zweckes zu thun. Er berief sogleich eine Versammlung angesehener Personen, unter denen Herr Baron v. Rothschild war, und da der Vorschlag allgemeinen Anklang fand, so war der Verein bald constituirt; die Ehrenpräsidentschaft wurde der Kaiserin übertragen, die solche auch sofort annahm. Der Verein hat bereits ein Haus gekauft, eine jüdische Köchin angestellt und wirkt schon sehr segensreich. Das ist wahre Wohlthätigkeit, wahrhafte Toleranz, das ist ächte Gswissensfrecheit, E.uancipation im edelsten Sinne des Wortes! — ANZEIGEN. Vakante Stelle. Die in hiesiger Gemeinde in Erledigung kommende Religionslehrerbcw pri und pup Stelle soll bis Mitte Mai d. I. mit einem tüchtigen Manne von streng religiösem Lebenswandel und der im Talmud nicht unerfahren ist, vorläufig auf zwei Jahre provisorisch wieder besetzt werden; es ist jedoch bei Convenienz des Bewerbers Aussicht auf spätere definitive Anstellung geboten. Der Ertrag beläuft sich incl. freier Wohnung auf 450 Gulden und wird bemerkt, daß die Nebenverdienste nicht unbedeutend sind, da zum Begräbnißplatz 8 nicht unbemittelte Orte gehören. Gut befähigte Reflectanten wollen ihre Gesuche i nebst entsprechenden Zeugnissen innerhalb 14 Tagen franco an die Unterzeichneten einreichen, i Markt Bechhofen in Bayern, 7.April 1866.! Die isr. Cultus - Verwaltung. > Samuel Schloß. Matt. Wohlfahrt.

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