Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1867)
- Date
- 1867-04-10
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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248 nen, daß man in eine« Institute sich „sür'S Kaufmännische" vorbereitet. Alkein nur di» gewissenloseste Charlatmrerie kann in dem kurzen Zeiträume von zwei Jahren das Resultat einer genügenden Ausbildung versprechen, besonders, wo die Zöglings, wie dies nur zu oft geschieht, eine mangelhafte Vorbereitung in den Elementen der Schulwisienschaften mitbriugen. Wir unsererseits verzichten gerne auf die sehr problematische Ehre, eine oberflächliche , rein mechanische Abrichtung gleichsam im Sturmschritt erzielen zu wollen. — Andere vermeineu schon alles Mögliche gethan zu haben, wenn sie ihre Söhne ein Jahr die zweite Klaffe besuchen laffen. Da in dieser Klaffe die höheren Disciplmen doch bereits cultivirt werde», so meint man, bleibe den Kindern im Institute ja nichts mehr zu lernen übrig. Allein man vergißt, daß die zweite Klaffe auf einen zweijährigen Cursus berechnet ist, daß man im ersten Jahre" sich eben nur die Elemente in den neuhinzugekommmen Lehrgegenständen aneignen und erst im zweiten Jahre das Klaffen - ziel vollkommen erreichen kann. Würde sich nun selbst der Unterricht im zweiten Cursus auf eine bloße!Repetition des ersten beschränken, so wäre dies allein schon ein nicht hoch genug anzuschlagender Gewinn für die Zöglinge; — kommt es ja nicht auf die oberflächliche Auffaffung eines Lehrgegenstandes, sondern vielmehr darauf an, daß er gleichsam in Frisch und Blut des Schülers übergehe. — Allein dies ist ja auch keinesweges ausschließlich der Fall. Wird ja zugleich auf allen Gebieten immer rüstig fortgeschritten; und das Feld der Sprachen, Realen, Naturwissenschaften u. s. w. ist doch wahrlich umfangreich genug, um, weit entfernt in einigen Jahren bewältigt zu werden, immer neuen, wechselnden und intereffanten Unterrichtsstoff zu bieten. — Wir werden uns daher durch unberechtigte Anforderungen zur Aenderung des Organismus unserer Anstalt, der sich bereits durch vieljährige Erfahrung bewährt, nicht drängen laffen. Wer in eiliger Hast seine Söhne aus einer. mittleren Klaffe der AnstUt entzieht, der hat die Verantwortlichkeit für eine mangelhafte Ausbildung derselben sich selbst zuzuschreiben. Denjenigen gegenüber aber, die ihren Söhnen die Zeit gönnen, ihre Ausbildung bei uns zum Abschluffe zu bringen, übernehmen wir gerne die Verpflichtung, Alles zu leisten, was wir in unserem Prospectus versprochen. Wen« sich also eine Anzahl von Schülern vorftudet, die nach Absolvirung des zweijährigen Cursus der zweiten Klaffe die echte Klaffe noch ein Jahr besuchen wollen, dann — aber auch nur dann — wird die Anstalt kein Opfer scheuen, um eine solche'in's Leben zu rufen; und wir werden den Moment mit Freuden begrüßen, wo es uns vergönnt sein wird, die „Krönung des Gebäudes" dadurch herbeizuführsn." — Ueber den Verkauf dieser Prüfung geht uns folgender Bericht zu: Sie müssen mich, geehrter Herr Redacteur, entschuldigen, wenn ich statt eines einfachen Berichtes über die Prüfungen zu Pf. auch noch dm Eindruck, dm dieses Etabliffemmt auf mich gemacht, mir zu schildern erlaube. Dienstag d. 3. d. M. Nachmittag traf ich in Pf. so ein, daß ich eben noch Zeit genug hatte, mich vor dem Beginne der Prüfung dem Herrn Director und dem Lehrperfoual vorzustellen. Um zwei Uhr begann Herr Dr. Fiebermann mit dem Examen im Englischen. Die ausgezeichnete Aussprache der Schüler, — bekanntlich eine seltene Wahrnehmung, beim Unterricht in dieser Sprache — entsprechen der Fertigkeit der meisten Schüler im Behandeln des Stoffes und erkennt man sofort daran, daß Herr Dr. F. eine Zeit lang in England gelebt hat. — Der Geographie - Unterricht des Herrn Bitsch war ebenfalls ausgezeichnet und muß ich gestehen, daß ich bei diesem sowohl als auch bei den andern Disciplineu vergaß, daß mich in einem internationalen Institut befand. Trotzdem sich unter diesen Schülern mehrere aus England, Frankreich, Holland und der Schweiz befinden, konnte ich doch nur an den Holländern eine Verschiedenheit der Muttersprache erkennen. Alle übrigen Schüler haben des Deutsche so mne, daß. es mich in Erstaunen versetzte. Der Geschichtsunterricht des Herrn Dr. Joel erregte ebenfalls meine Bewunderung und muß ich es anerkennen, daß bei den Schwierigkeiten, die mit dem Unterricht in einer solchen Klaffe, deren Schüler mit so verschiedenartigen und ungleichmäßigen Vorkenntniffen in dieselbe eintreten in der That hier Großes geleistet wird. Nicht nur hatten die Schüler die wichtigsten Geschichtszahlen aus einer Epoche von 4 Iah' Hunderten fest memorit, sondern sie bewiesen durch ihre schöne Ausdrucksweise, daß sie den Vorträgen des Lehrers mit Verständniß und Aufmerksamkeit gefolgt waren. Auch die Anfangsgründe der Geometrie (— es war eben nur die 3. Klaffe, die augenscheinlich erst kurze Zeit diesen Unterricht genießt) hatten die braven Jungen recht gut inne. Zuletzt wurde noch die 2. Klaffe im und hebr. Sprache geprüft. Verschiedene Uebersetzungen aus Jeschajohu und den Psalmen wurden vorgenommen. Meine höchste Bewunderung erregte die Festigkeit, die diese Klaffe in der Flexion der verschiedenen Wortarten des Hebräischen an den Tag legte, und muß ich gestehen, daß es selten Schüler dieses Alters darin so weit gebrachthaben. Ich bedauerte nur, daß mir meine Berufsgeschäfte es nicht gestatteten, dieser Prüfung noch länger beizuwohnen. Bor meiner Abreise besichtigte ich mir noch die häusliche Einrichtung dieses Instituts, von der meine stenographischen Notizen jedoch so viel Schönes enthalten, daß ich deren Beschreibung auf eirz anderes Mal ver-