Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 15 (10.4.1867)
- Date
- 1867-04-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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241 $ g I! '1 I g. s. E., der erwählten Nation eine, der natürliche» sich anschließende, neue Zeitbestimmung gab für ihre Feste und Tage, deren Mittelpunkt der Mond und deren er ster Abschnitt der Monat Nissan ist. — In diesem Morgenrothe spiegeln sich nicht nur die purpurnen Straßen einer heraufziehenden schöne», warmen Freiheitssonne, sondern auch die Strahlen ab, die von den Flammen des Sinaiberges ausgehen. Es ist dies ein Morgenroth für die düstere Nacht der Knechtung, in deren harten Banden Körper und Geist Israels gefesselt lagen. Ein Erwachen — ein Aufleben ist's — des Hauses Jakob zu seinem wiedererlangten Menschheitsrechte und des Volkes Israel zu seiner ihm werdenden Volksbestimmung. — Außerhalb der Zwingmauern Mizrajims geht kür das Haus Jakob eine neue Welt auf. Neue, geläuterte Anschauungen, neugeweckte Erinnerungen und Hoffnungen erfüllen die Geister und Herzen in Israel. Die müden Glieder, die so lange die Kette des Tyrannen geschleppt, erstarken mit einem Male; eine neue frische Kraft durchströmt sie und sie werden stark genug, Träger des Gottesgesetzes zu sein. — Israel bricht mit dem Menschengötzen Pharao und mit der Götzenwelt Mizrajim; — und so wie es mit der Götzenwelt bricht, so bricht es auch mit der Götzenzeit. — So wie sich der so lange getrübt gewesene Gedanke: „Gott!" in Israels Geiste läutert — so wie die Allmacht Gottes in ihrer Glorie Welten schaffend, stürzend und erhebend hervortritt und vor dieser Allmacht die Fluthen stocken und die Berge beben, bekundend, daß Ein Gott sie geschaffen und umschaffen — so schwindet vor dieser Hellen Leuchte der dichte Nebel, der über die Welt gebreitet lag und hinter dem sich Menschengötter und Schwarzkünstler so geschickt zu verbergen wußten. Dieser Nebel schwindet, und hervortritt — der wahre Gottesgedanke — in der neuen, klar geschauten Welt — eines neuen zu selbstständigem Bewußtsein gelangten Volkes. Das erste Gesetz nun, daß der wahre Gott diesem neuen Volke in dieser neue» klaren Welt ertheilt, ist das Gesetz der Zeitbestimmung. An der Schwelle der neuen Welt — der Israels welt — begrüßt Israel eine neue Zeit, cd1? ntn vinn ist ihr oberstes Gesetz. Aber eine Welt, eine Zeit erneuen kann nur der, der eine Welt, eine Zeit schaffen gekonnt; und nur die Welt und d i e Zeit sind einer Erneuung und Verjüngung durch Menschen fähig, welche nicht ein starrer Thron für tyrannische, heidnische Gottheiten sind, vor dem die Menschen als willenlose Sklaven im Staube kriechen, nur die Welt und die Zeit sind es, in denen Gott das Seine (bo*3D) und dem Menscken das Seine, Gott das Recht als erhabener Schöpfer und Gesetzgeber und dem Menschen wieder das Recht als erhabenes Geschöpf, als willensfähiger, selbstbewußter Diener und Vollstrecker des göttlichen Gesetzes zugestanden und gewahrt ist. (Schluß folgt.) Zur Cmlinripntion. Von rvso Lübeck, im Adar 5627. Dieses Thema wurde schon so oft besprochen, es wurde schon, so viel darum peMionirt, discutirt und deliberirt, daß es fast überflüssig erscheinen mag. noch mehr der Worte zu häufen. Und doch — ist dieses Thema in seinen Coniequenzen so weitgehend, in seinen Rechtsansprüchen so begründet, daß man es immer zur Sprache bringen kann, bringen muß, so lange auch nur ein Jota an seiner vollkommnen Realisation mangelt. Und wahrlich, wir finden keinen geeigneteren Zeitpunkt, der ein Besprechen dieses Gegenstandes in der jüdischen Presse mehr opportun mache, als eben den Augenblick, wo ein norddeutscher Reichstag in der Metropole Preußens dem deutschen Volke seine Rechte (und wo gäbe es geheiligtere als die der Religion?) seine Freiheiten (und wo gäbe es eine größere, als die des Glaubens?) wiederzugeben berufen ist; wo mehrere Hunderte von Synagogengemeinden, wo die ganze jüdische Bevölkerung Mecklenburgs vom selben Reichstage die Einsetzung der deutschen Juden in ihre Menschenrechte fordern, sollte da die jüdische Presse eine bessere Zeit abwarten, um an dem Kampfe für Menschenrechte und Menschenwohl theilzunehmen? — Wir schätzen uns daher glücklich, von einem Werkchen berichten zu können, das nur klein am Umfang, aber desto größer an Werth und Gehalt ist. Herr M. Levr, Kgl. Preuß. Rechtsanwalt und Notar in Fraustadt, hat unter dem Titel „der Staat und die Juden, ein Mahnruf an das Norddeutsche Parlament", eine Broschüre veröffentlicht, deren gediegener Inhalt der weitesten Verbreitung würdig wäre. Wir können es aber dem beschränkten Raume des „Israelit" nicht zumuthen, den ganzen Inhalt der Broschüre wiederzugeben, können es uns jedoch nicht versagen, wenigstens einige wichtige Hauptmomente aus derselben zur weiteren Kenntniß unserer Leser zu bringen. Herr Levy sagt u. A.: „Die Befreiung der Juden von den letzten Spuren der Sclaverei, welche das Mittelalter über sie verhängt hatte, ist gegenwärtig keine Frage mehr der Humanität, sondern ein einfaches Postulat des öffentlichen Rechts, der modernen Staatsidee. Die Entwickelungsgeschichte der Inden-Emanzipation wird der edlen Geister nie vergessen. welche in gerechtem Mitgefühle mit den unsagbaren Leiden einer zahlreichen Volksklaffe und in fittlicher Empörung über die Jahrhunderte lang fortgesetzte systematische Entwürdigung der Menschennatur zuerst das Zauberwort „Toleranz" auf ihre Fahne schrieben, und den Muth hatten, allen Vorurtheilen ihrer Zeitgenossen zum Trotz die Bahn für eine menschliche Behandlung der Juden in Deutschland zu brechen; sie wird auch der Männer stets ein-