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Der Israelit · 1867-04-03 · Heft 14 (3.4.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 14 (3.4.1867)
Date
1867-04-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Ä29 In den blutigen Iudenkrawallen des vorigen Jahres in Böhmen, sahen die Gebildeten von ganz Europa .den letzten Aufschrei eines -zu -Ende gehenden Fanatis- . mus, der da fühlt, daß auch seine Zeit gekommen und er binnen kurzem von dieser Erde scheiden muß. Bald ' darauf nahten Oesterreichs unglückliche Iulitage heran. . In den Reihen der todesmuthigen Kämpfer standen bei 29,000 Juden; unzählige fanden auf den Schlacht- : feldern den Heldentod, und über den Leichen der Gefallcnen reichen sich die Bewohner Oesterreichs die : Bruderhand. Das Blut der Erschlagenen sollte der i feste Kitt der Gleichheit für alle Nationen werden und j aus der schrecklichen Blutsaat von Königgrätz sollte die Ü Ernte einstiger glücklicher Tage emporsprießen. Von | diesem Bewußtsein waren fast alle Völker Oesterreichs | durchdrungen, nicht aber die Czechen, das sehen wir I denn an allen Ecken und Enden, in all' den czechischen j Parteiorganen, an der JNarodni listy bis herab zu j den Oloumuke noviny, mit denen wir uns heute bei schäftigen wollen, fortwährende — Schmähartikel gegen | Deutsche und Juden. \ In dem zuletzt genannten Parteiorgane der Olj mützer Slaven, treffen wir nun einen Artikel mit der j Aufschrift: „Ein Wort an die Juden vor den Wahlen." j In diesem Aufsatze zeigt sich klar und deutlich der s czechische Parteigeist, der gerne Alles, was nicht zu seij ner Fahne schwört, mit einem Schwertstreiche vernich- \ len möchte. Gehen wir auf den Inhalt des Artikels < näher ein. Der Verfasser bespricht die Frage: Warum I die mährischen und böhmischen Juden keine czechischen Sympathien hegen, während sie in den übrigen Länä dern Oesterreichs, namentlich in Ungarn, so schnell die - Sprache jener Völker sich angeeignet haben? — Nach langem vergeblichen Mühen und Forschen glaubt end- ' lich der Verfasser jenes Artikels den Grund gesunden ] zu haben. Es ist dies nichts anders alsi der Talmud. Nun wird voll Freude über diese Erfin- : düng auf den Talmud weidlich losgeschimpft und Be-; Häuptlingen ausgestellt, die uns den Verfasser nebst der Sache. die er so vertritt, nicht im rosensarbensten Lichte .; sehen lassen. Da heißt es denn wörtlich: „der Tali; mud verbiete den Juden, es mit den Czechen zu Hallen," und derlei absurde Dinge mehr, die wohl keiner Widerf legung bedürfen. Endlich gelangt der Verfasser zu j folgendem Schluffe: „Entweder, ihr Inden verwerfet z den Talmud und wählet für uns, dann sind wir eure ■ j Freunde, wo aber nicht, nun so ist es euch ja wohl- § bekannt, was ihr von Feinden, wie wir cs sind, zu l fürchten habet." — Nun, da haben wir es ja klar und; deutlich. Wenn die Juden sich nicht vom Talmud losj sagen, so drohet ihnen von czechischer freite eine zweite j verbesserte Auflage von Schüttenhofen und Hostimitz! 1 Wahrlich, wenn noch irgend ein Jude Mährens und | Böhmens schwankend gewesen wäre, so müßte er durch l diese Auslassungen zur vollen Ueberzeugung kommen, daß die Juden unmöglich Czechen werden können. Ungarn will die Juden emancipiren. Die schönen Worte des edlen Iokey, die jüngst diese Blätter uns mittheilten, haben gewiß in jedem guten Magyarenherzen einen getreuen Wiederhall Pfunden; in den deutschen Ländern des großen Kaiserstaates ist die Emancipation schon größtentheils zur Wahrheit geworden, aber was bieten den Juden die Czechen — --- Mord und Brand und Todtschlag und alle jene Gräuel des vorigen Jahres, die jedes fühlende Herz mit Schauder erfüllen müssen. — Ich glaube, diese Thatsachen sprechen für sich selbst und sind die beste Antwort aus die Wuthausbrüche der Oloumucke novmy. — Das Iudenthum hat schon manche Krisis glücklich überwunden. Die mächtigsten Völker aller Zeiten sind spurlos zu Grunde gegangen, und das kleine Häuflein Iuda's hat sich erhallen, ein Adler über der Verheerung. Das Iudenthum wird auch ferner ungestört mit dein Talmud als seinem religiösen Führer seinen Weg gehen und noch lange, wenn schon dev czechische Nationalitätenschwindel fast zur Mythe geworden sein wird, seiner göttlichen Sendung auf Erden eingedenk sein. G. Karpeles, stuä. tllool. Triest. Herr Elia, Ritter von Morpurgo, Director des österr. Lloyd, wurde in den österreichischen Freiherrenstand erhoben. Amerika. Galvestorr. Bei dem Schrffbruch, der am 3. Februar 1666 auf dem Missift'ppi bei Wicksburg stattfand, verlor auch eine jüdische Frau, Namens Rosanna Ostermann von hier, das Leben. Im Jahre 1862 hatte diese Frau ein Testament gemacht, welches eine sehr große Anzahl mildthätiger Zwecke fördern soll. Im Artikel 8 bestimmt dieselbe, daß zwei Gebäude aus Ziegelsteinen errichtet werden sollen, die einigen entfernten Verwandten zur Wohnung bestimmt sind. Nach deren Ableben haben ihre Erben die Pflicht, vereint mit dem Bürgermeister der Stadt, aus denselben ein Waisenhaus zu organisiren, und einen Aufenthaltsort für Witlwen, ohne Unterschied der Religion, daraus zu machen. Eine halbe Million darf auf diese Stiftung verwendet werden. Nach Art. 13 werden verschiedenen Armen Lebensrenlen bestimmt. Nach dem Tode der Betreffenden ist die Dividende an arme Israeliten zu vertheilen. Sollten keine solche da sein, so werden die Zinsen an nichtisraelitische Arme vertheilt. Art. 14 bestimmt 15,000 Frcs. für Herrn Moses N. Nathan und seine Frau Mathilde zu Kingston (Jamaica). Art. 18 legirt eine Lebensrente von 25,000 Frcs., die nach dem Ableben des Inhabers an arme Israeliten im Staate Texas vertheilt werden sollen.

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