Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1867)
- Date
- 1867-04-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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128 ein Centralcomitö sich constituirthaben wirik— Beifolgend ermatten Sie einen Thaler v»n mir als Mitglievsb'eitrag für das erste VeretnSjahr. Empfangen Sie, geehrter Herr Drdie Versicherung meiner ausgezeichnetsten Hochachtung und Ergebenheit. Aron Grünebaum. Schlüchtern den 25. März 1867. AeiturrgSnochrLihten und Correfpondenzeu. Deutschland. Mainz, 24. März. Die „Kln. Ztg." veröffentlicht das Verzeichniß der aus Anlaß des Geburtstags des Königs von Preußen vertheilten Orden. Wir finden darunter folgende unseren Glaubensgenoffen gewordenen Auszeichnungen: den rothen Adlerorden 4. Klaffe Dr. Flesch in Frankfurt a. M.; den Kronenorden 4. Klaffe Commerzienrath Seligmann in Coblenz, vr. Hamburger in Crotoschin; das allgemeine Ehrenzeichen Israel Sander, Chirurg in Crotoschin; die erste Claffe der 2. Abtheilung des Louisenordens mit der Jahreszahl 1666 Frau Kaufmann Schlesinger in Glatz; die 2. Cl. der 2. Abtheil, des Louisenordens mit der Jahreszahl 1866 Frau Fabrikbesitzer Fanny Reichenheim, geb. Liebermann, in Berlin, Frau Dr. Sachs, geb. Gutentag, in Berlin, Frau Geh. Commercienräthin Bleichröder in Berlin. Ferner meldet die „Kölner Zeitung", daß Herr Winterstem in Wien den Leopolvorden erhalten, einen Orden, der bis jetzt noch keinem Inden Oesterreichs zu Theil geworden ist. Breslau, den 22. März. Das Geburtsfest des preußischen Heldenkönigs Wilhelm I. wurde auch von den hiesigen Juden in sehr seltener Weise abgehalten. In der großen Synagoge der Reformgemeinde war feierliches Dankamt (sie) mit Pauken und Trompetenschall, mit deutschen Liedern, ausgeführt von dem 0orp8 ätz ballet (?) des hiesigen Theaters, und obligatem Schaugepränge. Die Festrede hielt der als Kanzelredner rühmlichst bekannte Dr. Joel. Sie behandelte die Person des Monarchen erstens als Erben eines alten Fürstenhauses, zweitens als den Helden des vorjährigen Kneges und drittens als den Wiederhersteller der deutschen Einheit. Das Gotteshaus war festlich geschmückt und sehr zahlreich, besucht. In der Synagoge der Brüdergemeinde, die ebenfalls mit Nationalfahnen d^korirt war, hielt Herr Landesrabbiner Tiktin die Festrede, deren Inhalt sich auf die Hoffnungen erstreckte, welche den preußischen Juden von der Gnade ihres Königs bevorstehe. In der Synagoge des jüd.-theol. Seminars wurde die Feierlichkeit mit dem Absingen einiger hebräischer Psalmen eröffnet; Die m allen ihren Theileu ausgezeichnete Predigt iles D'r. Gerson, eiües Hörers des Seminars-, fände aügemeümr Bdtfall'. Zlllktzt' wurde noch das nywn ]nun abgesungen. Auch in all' den kleinen Synagogen wurde von dorr betreffendem RabbineN' gepredigt. Der geehrte Leser kann daraus ersehen, daß in Breslau gerade kein Mangel an Predigten und Predigern herrscht. Wurde ja erst jüngst und nicht mit Unrecht Breslau das moderne Jerusalem genannt. Und dennoch — — uyd dennoch — ist vielleicht nirgends so wenig Sinn für Religion als gerade hier in Breslau, und dennoch fanden bereits seit einigen Wochen fast 5 — 6 Taufen, und meist junger Leute, statt. Das Missionswesen ist leider hier in voller Blüthe. Namentlich ist es aber ein gewiffer Herr Nomann, ein zum Christenthum übergetretener Kempner Bachur, der diese jungen Leute durch verschiedene Reizmittel anzulocken sucht. Ich erwähne daher den Namen dieses Herrn als Warnung für Jeden, der etwa Herrn Nomann noch nicht kennen sollte. Möge diese Warnung nicht ungehört verhallen. Wie nun verlautet, sollen die neugewählten Repräsentanten ernstlich mit der Aufgabe der Gründung einer jüdischen Schule beschäftigt sein. Es ist wirklich kaum glaublich, daß in Breslau, einer der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Deutschlands, nur eine einzige jüdische Elementarschule sich befindet, nämlich die Privatanstalt des Herrn Dr. Josef. Vergangenen Sonntag fanden in dreser Anstalt die Prüfungen statt, welche zur besonder» Zufriedenheit der Anwesenden ausfielen. Besonders anerkennenswerth sind die Leistungen im Hebräischen. Die eifrigen Bestrebungen des Herrn Directors Dr. Josef sowie der Herren Lehrer Dr. ,<rank, Rosenberger, Machol und Hausen erzielen die besten Resultate. Möge diese Anstalt immer kräftiger sich entfalten und ihr die Theilnahme des hiesigen israel. Publikums nie fehlen. Karpeles. Oesterreichifcher Kaiserstaat. Aus Mähren, Ende März. In demselben Augenblicke, wo die erleuchteten Vertreter der verschiedenen österreichischen Kronlander auf den Ruf unseres vielgeliebten Kaisers sich versammeln, um die erhabenen Ideen der Constitution und Gleichberechtigung zur Wahrheit zu machen und aus dem Gerölle unserer ungleichen Vergangenheit den unerschütterlichen, durch das Blut der Völker gekitteten Neubau Oesterreichs vorzunchmen, tritt auch eine lichtscheue Eule aus' ihrem Verstecke hervor, um mitten in dem Iubelruf der Nationen das Gekrächze der Verläumdung und des Glaubenshasses wieder einmal ertönen zu lassen.