Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 14 (3.4.1867)
- Date
- 1867-04-03
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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226 heilsam kann ich da für meine BriU>er wirke« in meiner einflußreichen, der ganzen Welt gebietenden Stellung! Laß mich hier; ich will mein Leben, ohne daß es auffällig fein wird, dkm Wohle meiner Brüder weihen, will Edicte zu ihren Gunsten erwirken, will Duldung und Brüderlichkeit lehren, will ein Werkzeug sein in der Hand des Höchsten zur Befreiung vom schwerdrückenden Joche. Kehre ich zurück zu Euch, so ist ein Jude gewonnen; bleibe ich hier, so kann ich der Gesammtheit zum Segen gereichen und vielleicht Tausende retten." „„Auch hierin kann ich Dir nicht züstimmen, mein Sohn. „Nicht sage dem Menschen: sündige!" lehren die Weisen, „damit ein Anderer der Sünde Frucht genieße." Du Haft nicht das Recht, Deiner Seelen Seligkeit für Deine Brüder hinzugeben. Und Du würdest auch das nicht vollbringen können, was zu volldringen Du strebtest. Du würdest unterliegen in solchem Kampfe, würdest beseitigt werden, wenn man merken würde, daß Du anderen Interessen dienest als denen, die Dein Amt erheischet. Ueberlasse Gott die Zukunft Seines Volkes; Er wird es nicht verlassen, selbst wmn Er harte Prüfungen sendet. — Du sagst, wann Du zu uns zurückkehrst, so sei nur ein Jude gewonnen — aber dieser Gewinn ist werthvoll gleich der Erhaltung der ganzen Welt. Und noch in späten Jahrhunderten wird Dein Beispiel mächtig wirken, und der Urenkel Urenkel werden daraus Bewunderung schöpfen und Liebe und unaussprechliche Hingebung für den heiligen Glauben Israels, von dem Du bezeugt wirst haben, daß er mehr werth ist, als der höchste Glanz und die größte äußere Ehre, welche andere Religionen zu bieten vermögen. Komme zu uns, Elchanan! O, laß mich diese freudige Kunde Deiner Mutier dringen!"" — Elchanan sank auf einen Sessel und bedeckte sein Gesicht mit beiden Händen. Wie lange hatte er gekämpft und gestrebt um das, was er besaß, und nun sollte er es wegwerfen! Er, der gewohnt war, zu herrschen, sollte wieder verschwinden in der Menge zahlloser Menschen, über die er hinweggcstiegen war! Er, dem Kaiser und Könige nur mit tiefster Ehrerbietung nahten, sollte lernen die Geringschätzung der Menschen ertragen, sollte als Jude leben, in einer Zeit, da die Nachkommen Jakobs allgemein der Verachtung preisgegeben waren! Schon wollte er sich abwenden von seinem Vater, da stieg plötzlich in seinem Geiste die langverschwundene Erinnerung auf an jene Stunde., da er seinen Namen gelesen in seines Vaters Hymne: „El-chonon nachäloßau benauam lehaschpar," rief es laut in ihm. „Gott hat begnadigt sein Erbtheil in Lieblichkeit, es schon zu machen!" Worin bestand diese Schönheit, diese Lieblichkeit für das verachtete Volk, wenn nicht in seinem unsterblichen Dheil? | Da sprang er auf von stimm Sitze, umarmte heftig seinen Vater und rief: „Ich werde zu Euch zurückkehren, ich werde thun, wie Du verlangst, mein Vater. Reise nach Mainz und füge der Mutter, daß sie ihren Sohn erwarten mag." O, war das ein Wort, welches zum Herzen Rabbi Schkmeons drang und es für die höchste Seligkeit erschloß! Und der glückliche Vater umarmte und küßte seinen Sohn wie an ^enem Tage, da er die Hymne für den Neujahrstag vollendet hatte. — Heiße Thränen entströmten den Augen des Greises, allein es waren Thränen der reinsten und himmlischen Freude; hatte er doch in der That erst jetzt seinen Sohn wiedergefunden!-—- Als Rabbi Schimeon Rom verlassen hatte, bemerkten die Diener des Pabstes, daß ihr Herr sich immer mehr von ihnen zurückzog. Sie schrieben dies dem Einflüsse des kabbalistischen Studiums zu. Der Pabst war fast für Niemanden zu sprechen; fast den ganzen Tag verbrachte er fastend und betend in seinem geheimen Cabinette. Das päbstliche Palais in Rom bat viele geheime Ausgänge; zu allen diesen besitzt der Pabst die Schlüssel. Häufig pflegen die Päbste verkleidet ihren Palast zu verlassen, um die Stimmung des Volkes zu erforschen. Durch einen dieser geheimen Ausgänge ging m einer regnerischen Märznacht Elchanan, um niemals zurückzukehren; sorgfältig verschloß er den Ausgang und warf den Schlüssel in den gelben Tiberstrom. Da dem Pabste die Parole stets gemeldet wird, so öffnete sich für Elchanan das Stadtthor ohne Schwierigkeit. Bis Bologna wanderte er zu Fuß; dann kaufte er Wagen und Pferde, miethete Diener und fuhr gen Norden. Am andern Tage wartete man lange vergeblich darauf, daß der Pabst erscheinen oder einen seiner Diener herbeirufen würde; endlich erbrach man die Thüre und fand zur größten Ueberraschung die Gemächer des Pabstes leer. Die Aufregung, die diese Nach-' richt hervorrief, war furchtbar. Einige vermutheten eine Gewaltthat; man meinte, der Pabst sei von den Kaiserlichen bei Seite geschafft worden. Andere meinten, der fromme, engelsmilde Pabst sei lebendig in den Himmel gekommen. Wieder Andere behaupteten, er habe sich der schwarzen Kunst ergeben und fei ein Opfer derselben geworden. Daran, daß er freiwillig all den Herrlichkeiten seiner hohen Stellung, der höchsten Macht, dem Ruhme, der allgemeinen, fast göttlichen Verehrung, dem unerschöpflichsten Reichthume entsagt habe, um fortan als armer, unscheinbarer Jude zu leben, — auf diese Vermathung verfiel Niemand. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Verantwortliche Redvttwn: Dr. Lehman«. — Verlag Her Le Ro naschen Hofbuch Handlung. — Damvf'Schncklprffsendruck von I. Gvtbsleben in Mainz.