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Der Israelit · 1867-04-03 · Heft 14 (3.4.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 14 (3.4.1867)
Date
1867-04-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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224 erreichbares Ziel der Bewegung heute schon gewiß, nur die Zeit der totalen Durchführung noch unbestimmt. Gleichwohl sahen wir schon bis zum gegenwärtigen Augenblicke einen Juden als Minister in dem allerchristlichsten Frankreich, einen Juden im englichen Unterhause, in Nordamerika bewegen sich die Juden vollkommen frei und ungehindert, und auch in Oesterreich ist die Emancipation der Juden bereits eine vollendete Thatsache. Angesichts solcher Facta kann eine freie Gemeinde in Olmütz unmöglich Anstand nehmen, einen in jeder Beziehung unbescholtenen Juden in ihren Verband aufzunehmen, und sie kann es auch ohne alle Besorgniß thun. Denn der Jude in der bei weitem überwiegenden Mehrzahl hat etwas Mäßiges, Entschlossenes und einen nüchteren Sinn, der sich stets die Besonnenheit im Handeln erhält, daher gerade bei einem Juden ein mögliches Zurlastfallen bei weitem weniger zu besorgen ist, zumal er im Unglück nicht rath- und thatlos bleibt. Wenn nun auch solche Naturen manchesmal weniger liebenswürdig erscheinen, so darf ja nicht vergessen werden, daß die härtesten und ungerechtesten Uv-stände die Natur und den Charakter des Juden gebildet haben. Von dem Besitze, von den zünftigen Gewerben, von Aemtern und Ehrenstellen bis in die jüngsten Zeiten gänzlich ausgeschlossen, mußten die Juden Leben und Gewinn im Handel suchen. Diese einseitige und beinahe ausschließliche Richtung, welche den Juden sozusagen plan- und systemmäßig vorgezeichnet wurde, die immerwährende Unsicherheit ihrer Lage, sowie der Umstand, daß ihnen keine andere Geltung vor der Welt in Aussicht stand, als die durch Reichthum erreichbare, mußten die Liebe zum Gelbe großziehen, Selbstsucht und Habsucht wecken. Das, was am Juden dermalen allenfalls noch abstoßend ist, wurde durch die ungerechtfertigtesten Eingriffe in die heilgsten Rechte deffelben herbergeführt. An uns ist es nun, jene Fehler gutzumachen, und hierin wollen wir als voruriheilsfreie Männer keinen Augenblick säumen. Die Kraft des Juden bewährte sich im Dulden, möge sich die unserige durch edle Verbrüderung erproben. Rur in der harmonischen Verbindung der einzelne Stände, ohne jede Rücksicht auf die Consession, ist die gedeihliche Entwicklung aller Lebensverhältniffe gegeben, die höchste Vollkommenheit erreichbar." (Fr. I.) Pesth. Das ncuerwählte Ministerium in unserem gesegneten Uvgcu lande hat bereits seine amtliche Thätiakeit begonnen, und mehrere Beamte sind zu verschiedenen Refforts des Ministeriums ernannt worden. Daß unter diesen bis heute noch kein einziger Jsraelite sich befindet, kann nur Diejenigen befremden, welche nickt mit den Gesinnungen, welche die meisten ungarischen Helden des Tages gegen uns Israeliten hegen, genau vertraut sind. Uns aber am allerwenigsten; denn wir hatten oft Gelegenheit, genau das Gebühren mancher ungarischer Magnaten zu beobachten, wenn bei Gelegenheit irgend einer Verhandlung im Landtage der Judenfrage, wenn auch nur berührungsweise, das Wort gesprochen wurde. Wir muffen uns nie selbst täuschen, und sollten zu jeder Zeit mit klarem Auge sehen, wie es mit unserer Sache bestellt ist, um ja nicht in Lethargie zu verfallen, sondern rasch alle möglichen Hebel in Bewegung setzen zu können, um jedes Nebel von uns nach Kräften gehörig abzuhalten. Wir wiffen es mit Zuverlässigkeit, daß für die vollständige Emancipation der Juden jetzt weder vom Landtage noch von Seiten des Ministeriums irgend eine Anregung geschehen wird. — Doch das wiffen wir mit sicherer Bestimmtheit, daß, sobald in Ungarn ein neues Staatsanlehen arranyirt wird, daß man zuvörderst mehr als ein rvsno als Beitrag zur Realisirung dieses Planes von Israeliten fordern wird. Italien. Venedig, Die Wittwe des Professors Romanin, der eine Geschichte der Republik Venedig geschrieben hat, überreichte dem König von Italien eine Copie dieses Werkes als Zeichen der Verehrung für diesen ausgezeichneten Monarchen. Auf Befehl des Königs richtete dessen Privatsecretär ein Schreiben an die Frau Professor, in welchem der König in den wärmsten Ausdrücken seinen Dank ausspricht und als Anerkennung der Verdienste des Historikers dessen Wittwe einen Brillantring übersendet. Frankreich. Lariterborrrg. Herr Grumbach, der Rabbine dieser Gemeinde, veröffentlicht in einem Localblatte einen seltenen Zug von Toleranz, der in den weitesten Kreisen verbreitet zu werden verdient. Herr Ferdinand Killinger, Landwirth zu Trimbach, verließ am 7. Februar d. I. Wiffembourg, um sich nach Hause zu begeben. Auf diesem Wege begegnete ihm Herr Horn, ein Bildhauer, den er in sein Atelier begleitete. „Welchen Preis," fragteer, „verlangen Sie für einen Grabstein für eine arme israelitische Frau?" Zehn Francs. Killinger übergab hierauf Herrn Horn ein Zehnfrankenstück. „Weil Sie dieses für eine Frau zahlen, die nicht Ihrem Cultuö angehört, so werde ich dafür ein Uebriges thun und einen Grabstein anfertigen, der sonst 30 bis 40 Francs kostet." Gut, erwiederte Killinger, haben Sie die Güte und zeigen Sie mir gefälligst den Tag an, an welchem Sie den Grabstein aus den jüdischen Friedhof bringen werden, und ich werde alsdann den Rabbinen von Lauterbourg kommen lassen, damit dieser die bei dieser Gelegenheit üblichen Gebete verrichtet. — Und ich, exmiebette der hochherzige Künstler, ich werde dem Herrn Rabbinen das Honorar zahlen, das er für diese

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