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Der Israelit · 1867-04-03 · Heft 14 (3.4.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 14 (3.4.1867)
Date
1867-04-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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222 Pauschalsumme den Charaeter eine- Geschenkes ab und erklärte, daß er wenigstens eine moralische Verbindlichkeit der besser bemittelten Armenpstege anerkenne, mit ihren Einkünsten den Meh belasteten zu Hilfe zu kommen, und daß er die erwähnte Summe als von diesem Standpunkte gegeben angesehen wissen «olle. Zu der Anerkennung der rechtlichen Verbindlichkeit der Israeliten zur Zahlung der Armenumlage könne sich die isr. Gemeinde dagegen nicht verstehen. Er bitte daher, die Abseudung der Eingabe zu sistiren. Es wurde jedoch keine Einigung erzielt und der Recurs angemeldet. Der Ministerialbescheid bestätigte nun die Regierungsentschließung zu Gunsten der isr. Gemeinde und spracy somit das wichtige Princip aus, daß die Zuziehung der Israeliten zur Zahlung von städtischen Armenumlagen an den Orten nicht statthaft sei, wo dies nicht von jeher eingeführt. Der Magistrat glaubt sich dabei nicht beruhigen zu können, sondern sich remonstrirend „zur Wahrung der Rechte der Gesammtvürgerschast" an die allerhöchste Stelle wenden zu müssen; rch werde das Resultat dieser Remonstration sofort nach Erlaß mittheilen. Mi; Vergnügen ergreife ich hier die Veranlassung, zu constatiren, daß die Weigerung der isr. Gemeinde hinsichtlich des von ihr Verlangten nicht etwa Mangel an toleranter Gesinnung war, noch weniger dem des Wohltirätigkeitssinnes zuzuschreiben ist; denn bedürfte es eines deutlichen Beweises von ersterer, so liegt Vieser gewiß in dem neuerdings von der isr. Gemeinde dem Magistrate gemachten Anerbieten von fl. 1500 freiwilligen Beitrags zur christlichen Armenpflege, um die Erhaltung des guten und friedlichen Einvernehmens trotz des erwähnten zweimaligen günstigen Bescheids zu veranlassen. Vom zweiten Punkte, der Wohlthätigkeit, zeugen die hiesigen zahlreichen Anstalten, Vereine und Stiftungen, die dieser ihre Entstehung verdanken, und wovon ich nur unter a. den erst vor einige« Jahren gegründeten Unterstützungs-Verein für arme durchreisende Israeliten erwähne, dessen Ausgaben jährlich nahe an fl. 6000 betragen. Ueberhaupt behalte ich mir vor, später einmal dieses Capitel ausführlich und gründlich zu beleuchten.*) S. H. Eichstetten. (Baden.) Wir hatten in hiesiger Gemeinde jüngst Gelegenheit einen Mann kennen zu lernen, der in seinem bescheidenen, stillen, aber desto segensreicherem Wirken dem Lichte der Ocffentlichkeit bisher verborgen geblieben, wenn auch Näherstehende schon längst in demselben den wahren, ungeheuchelten Charakter, den gelehrten und gewissenhaften Führer und Lehrer seiner Gemeinde verehrten. Es ist dies der Herr Rabbiner Piccard aus Rand egg. — Derselbe ist vermählt mit einer Enkelin des auch in weiteren Kreisen bekannt gewesenen, und etwa vor 24 Jahren verstorbenen y"J ptawsy 2'h b>pyt iddd von hier, welcher eine Reihe von Jahren hier dar Amt eines mioi oV's zu gleicher Zeit versah, der durch seine Frömmigkeit und Gelehrsamkeit der hiesigen Gemeinde sowohl, als der ganzen Umgegend zur Zierde gereichte, dessen Name heute noch nur mit der größten Ehrerbietung und Hochachtung genannt wird und dessen Tugenden in seinen Söhnen und deren Familien hier, als unermüdlichen minn ’pnna sich forterben. Zu der nun vor einigen Tagen stattgefundenen Vermählung eines Enkels und einer Enkelin des genannten^ D'v b'pyi mno war Herr Rabbiner Piccard aus Randegg. der Schwager des Bräutigams, als s'L'N'p ~noo hierher berufen. In der von ihm an die Brautleute gehaltenen Ansprache legte derselbe Beweise einer seltenen Gelehrsamkeit in so hohem Grade ab, daß wir nicht umhin können, ihm in diesem vielgelesenen Blatte unfern Dank auszusprechen. Herr Rabbiner Piccard sprach in seiner Rede von der Wichtigkeit und Heiligkeit der jüdischen Ehe, von der Unsitte unserer, auf allen Gebieten, des Fortschrittes und der Humanität sich rühmenden Zeit, bei Schließung auch des heiligsten Bundes, der Ehe nämlich, immer zuerst das beiderseitige Vermögen der Brautleute als Zahlen sprechen zu lassen; ferner von der hohen Stellung des jüdischen Weibes, wie solche in unserer heiligen Literatur begründet ist — und dies Alles in so erschöpfender Darstellung. in so meisterhafter Diction und mit so herrlichem Vortrage und unter scharfsinnigster Verwendung hierauf bezüglicher Midraschstellen, daß alle Zuhörer, worunter sich auch viele anderer Confessionen befanden, von diesem Vortrage sich befriedigt und erbaut fühlten und sagen mußten: Das waren echte, jüdische, kernhaste Worte, die von Herzen kamen und zu Herzen drangen. Bei dem darauf folgenden Festmahle erhöhte Herr Rabbiner Piccard die festliche Stimmung durch eine geistvoll gehaltene Ansprache an die Tischgenossen mit vielen eingeftreuten herrlichen min nm und zeigte sich sowohl da, als in den Privatzirkeln, in denen wir später noch die Ehre hatten, ihn zu sehen und zu sprachen, als der gründlich gebildete, und doch so bescheidene jüdische Gelehrte mit dem frommen, milden Sinne, von dem wir sagen können: Heider Gemeinde, die sich eines solchen Führers zu erfreuen hat. — Möge es Herrn Rabbiner Piccard noch viele Jahre gegönnt sein, in seinem heiligen Berufe zu leben und zu wirken. — Österreichischer Kaiserstaat. Wien, im März. Wieder ist es eine freudige Gelegenheit, die uns veranlaßt, in diesen schätzenswerthen Blättern von der hiesigen Talmud-Thora-Hauptschule zu sprechen und ihrer rühmlichst zu erwähnen. An *) Anm. der Red.: Wird uns sehr willkommen sein!

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