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Der Israelit · 1867-03-27 · Heft 13 (27.3.1867) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 13 (27.3.1867)
Date
1867-03-27
Page
– (sequence 13)
Language
German
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215 ihm von allen Seiten Heirathsvorschläge gemacht wurden. Die reichsten und schönsten Jungfrauen wurden ihm angeboren, aber Janow verachtete Reichthum und Schönheit, er verlangte nur eine gottesfürchtige Frau, die er in der jungen Tochter des Oberrabbiners Raphael Cohen in Pinsk zu finden glaubte. Er wurde Bräutigam mit der Bestimmung, daß man, sobald die Braut das gehörige Alter erreicht haben würde, die Hochzeit vollziehe. Mittlerweile wurde der Rabbiner Cohen zum Oberrabbiner in Posen gewählt. Janow reiste mit ihm nach dieser Stadt und heirathete dort seine Tochter 1773. Bei dieser Gelegenheit hielt R. Hirsch einen talmudischen Vortrag und entwickelte dabei so viel Scharfsinn nnd Gelehrsamkeit, daß er alle Kenner in Erstaunen und Bewunderung versetzte. Er wurde sogleich einstimmig vom Gemeinde-Vorstand zum Schulrektor, tpsn, ernannt. Hier belebte er das Talmudstudium mit neuen Kräften, die an das Studium der alten Zeiten errinnerten. Bald stieg seine Reputation als scharfsinniger Talmudift und geistreicher Gesetzlehrer so hoch, daß er 1776, als sein Schwiegervater nach Hamburg berufen wurde, an seiner Stelle als Oberrabbiner von Posen ausgenommen wurde. Er erhielt den Beinamen der „Scharfsinnige" und man betrachtet ihn wegen seines frommen Lebenswandels als einen göttlichen Mann, O'.ibrr etn. Ein berühmter Philosoph, Salomon Maimon, der in einer Zeit der Entblößung feine Zuflucht zu dem hochgestellten Manne nahm, entwirft folgendes Bild von ihm: „Der Oberrabbiner, der ein vortrefflicher Mann, ein scharfsinniger Talmudist und von einem sehr sanften Character war, wurde von meinem Elende gerührt, ließ mich zu sich kommen, unterhielt sich mit mir eine geraume Zeit, disputirte mit mir über die wichtigsten Gegenstände aus dem Talmud, und fand mich in allen Fächernder jüdischen Gelehrsamkeit sehr bewandert.... Er gab mir darauf so viel Geld, als er bei sich hatte, invitirte mich, so lange als ich mich hier aufhalten würde, alle Sabbat bei ihm zu effen, und befahl seinem Knaben, daß er für mich ein anständiges Logis schaffen solle. Dieser kam bald wieder, und führte mich in meine Wohnung." ... „Sobald ich mich ein wenig umgesehen hatte, ging ich zu der Hausfrau, steckte ihr einige Pfennige in die Hände, und bat sie, daß sie mir dafür eine Grützsuppe zum Abendessen zubereiten möchte. Diese fing an über meine Simplicität zu lächeln und sagte: „Nein, nein Herr, wir haben so,nicht accordirt, der Oberrabbiner hat sie uns nicht so empfohlen, daß Sie Sich für ihr Geld eine Grützsuppe bei uns machen lassen sollen," und erklärte mir, daß ich nicht bloß in ihrem Hause logiren, sondern auch solange als ich mich in dieser Stadt aufhalten würde, essen und trinken solle. „Kaum war ich Morgens aufgestanden, so schickte der Oberrabbiner nach mir, und ließ mich zu sich bitten. Als ich erschien, fragte er mich, wie ich mit meinem Logis zufrieden sei. Ich konnte keine Worte finden, meine Empfindung hierüber auszudrücken, unb rief in höchster Extase: „Ich habe in einem Bette geschlafen!" Der Oberrabbiner freute sich ungemein darüber, schickte darauf nach dem Schulkantor; so bald dieser kam, sagte er zu ihm: H... gehen Sie zu dem Kaufmann..., und nehmen Sie für H. S. auf meine Rechnung Zeug zu einem Kleide." „Darauf wandte er sich zu mir und fragte mich: was beliebt Ihnen für ein Zeug? Durchdrungen von der Empfindung der Dankbarkeit und Hochachtung für diesen vortrefflichen Mann, konnte ich hierauf gar nicht antworten. Ein Thränenstrom, der mir die Wangen herabfloß, diente statt aller Antwort." „Der Oberrabbiner ließ mir auch neue Wäsche machen. In zweien Tagen war alles fertig. Mt reiner Wäsche und einem neuen Kleids ausstaffirt ging ich zum Oberrabbiner; ich wollte ihm meine Dankbarkeit bezeugen, konnte aber kaum einige abgebrochene Worte herausbringen. Für den Oberrabbiner war dieses ein entzückender Anblick. Er lehnte meinen Dank ab und sagte: ich solle ihm dieses nicht so hoch anschreiben, indem das, was er für mich gethan habe, nur eine Kleinigkeit und der Rede nicht werth sei." „Nun möchte der Leser vielleicht glauben, daß dieser Oberrabbiner ein reicher Mann gewesen sei, bei dem tue Kosten, die er auf mich wandte, wirklich eine Kleinigkeit gewesen wären; aber ich kann versichern, daß es sich damit ganz anders verhielt. Der Oberrabbiner hatte nur ein mäßiges Gehalt, und da er sich bloß mit dem Studium abgab, so hatte seine Frau die Verwaltung seiner Geschäfte und seiner Haushaltung zu besorgen. Er mußte also dergleichen Handlungen ohne Wissen seiner Frau ausüben, und vorgeben, daß ihm andere Leute Geld dazu gegeben. Uebrigens führte er für sich ein sehr mäßiges Leben, fastete täglich, außer am Sabbat, und aß die ganze Woche über kein Fleisch. „Demohngeachtet aber mußte er doch, um seine Neigung zum Wohlwollen zu befriedigen, Schulden machen. Die strenge Lebensart, das viele Studiren und Nachtwachen schwächte seine Kräfte so sehr, daß er nachdem er zum Oberrabbiner in Fürth ausgenommen worden, wohin ihm eine große Anzahl Schüler folgte, ohngefähr in dem sechsunddreißigsten Jahre seines Alters starb. Nie kann ich ohne die tiefste Rührung an diesen göttlichen Mann denken." Siehe Maimon's Lebensgeschichte 1. Band- Die Zeit der Abreife Janow's von Posen fällt in's Jahr 1780. In Fürth stand er dem Rabbinate sechs Jahre vor; er starb 1786. Abraham Trebitfch beschreibt in seinem Werke: D’nyn nmp, Seite 27, mit folgenden Worten seinen Tod: „In demselben Jahre (1736) wurden vom Himmel zwei große Lichter ge-

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