Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 13 (27.3.1867)
- Date
- 1867-03-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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212 BSrlin, 19. März. Ein BekÄnek Hauseräertz thümer erhielt von einem seines- Miether die Mieth '€ Mchk am Mü)ahrSläge, sondern erst am 2. Jätturk. Er quittirte darüber unter Vorbehalt, da in dem Vertrage stand, daß die Miethe am ersten Tage jeden Quartals bei Vermeidung der Exmission gezahlt werden muffe. Demnächst klagte er gegen den Miether auf Exmission.. Letzterer gab den Thatbestand als richtig zu, erklärte aber, daß es ein Gebot gebe, welches anordne: „Du sollst den Feiertag heiligen," ein Gebot, daß er, weil der Neujahrstag ein von Obrigkeits wegen gebotener Feiertag sei, stets halte. Es ist daraus vom Stadtgerichte folgende interessante Entscheidung ergangen: die Zurückweisung der Klage, dem Einwande gemäß. Denn es bestimmt § 40 Tit. 3 Th. 1 A. L. R: Trifft die Erfüllung einer Pflicht auf einen Tag, an welchem nach allgemeinen Polizeiverordnungen oder nach den Religionsgrundsätzen des Verpflichteten dergleichen Handlungen nicht vorgenommen werden dürfen, so ist der Verpflichtete in der Regel an dem nächstfolgenden Tage zur Leistung verbunden. Schwerin, den 16. März. Die „Volks-Zeitung" erhielt folgende Mittheilung: „Die Juden in Mecklenburg haben sich mit einer Petiton an den Reichstag gewandt, in welcher sie den Antrag stellen: den geheiligten Grundsatz der bürgerlichen Gleichstellung in Bezug auf die Mecklenburger jüdischen Glaubens zur Geltung zu bringen. Zum ersten Male werden hier dem Reichstag die mecklenburgischen Zustände in drastischer Weise vorgeführt. „Aus der Tiefe des politischen Elends, in welchem die Mecklenburger jüdischen Glaubens noch immer schmachten, richten wir hoffnungsvoll den Blick zum hohen Reichstag empor," so beginnt die Eingabe ihre Mittheilungen. Man erfährt nun, daß die mecklenburgischen Juden noch immer wie eine Pariakaste behandelt werden, und man glaubt sich ganz in die Zeiten des finstersten Mittelalters zurückversetzt. Es ist kaum glaublich, aber wahr, daß der Jude in Mecklenburg von dem Erwerb eines ländlichen Grundstücks ganz ausgeschlossen ist und ein städtisches Grundstück nur nach eingeholter Erlaubniß des Ministeriums, deren Kosten etwa 16 Thlr. betragen und in die großh. Caffe fließen, erwerben darf. Der Jude ist dort ausgeschloffen von der Gewinnung des Bürgerrechts; ja, in den Städten Rostock und j Wismar ist ihm bis aus den heutigen Tag überhaupt > die Niederlassung verwehrt. Der jüdische Kaufmann! darf nach gewonnener Niederlassung nicht ohne landesherrliche Concession sein Geschäft betreiben. Zur Advocatur wird der Jude zugelaffen, aber nicht zum Notariat, nicht zu einem richterlichen Amt. Der französische Jude darf nach dem mecklenburg-französischen Handelsverträge in Mecklenburg Landgüter und Häuser erwerben und ohne Concession des Ministeriums Handel treibA; nicht so der mecklenburgisch- Jude oder der Jude ln einem der andern deutschen Staaten. Die Dinge find so haarsträubend und dermaßen im Widerspruch mit unserer Civilisation, daß man wohl hoffen darf, der Reichstag wird Act von den Beschwerden nehmen und Abhilfe denselben zu verschaffen suchen. Oesterreichischer Karserstaat. Cisenftadt. Zur Freude aller wahren anirp kann ich auch von dem von mir projectirten natcM-iDu?* Vereine eben To Erfreuliches berichten, wie wir schon in diesen Blättern über den in Nr. 8 und 9 für Deutschland beabsichtigten, den mit bem von mir beabsichtigten zu vereinigen auch meiner Ueberzeugung nach sehr wünschenswerth wäre, erfahren. Hier die bisher zu meiner Kenntniß gelangten Lebenszeichen. Durch Vermittelung des Herrn E. Moses Maisner, ComitatS- Oberrabbiner in Kima-Lzombath, haben sich folgende 33 Mitglieder angeschloffen: HH. Adolf Kohn, Anton Kohn, Jakob Binet, Leopold Schlesinger, Wolf Berger, Elkona Schlesinger, Josef Grünfeld, Moses Gottlieb Josef Friedmann, Hirsch Winkler, Bernat Klein, Ignaz Groß, Gabriel Prinz, Peter Weinberger, Leopold Prinz, Samuel Los, Moritz Grünfeld , Samuel Grünfeld, Samuel Roth, Leopold Roth, Lipmann Brauer, Samuel Großmann, Jacob Buck, Jacob Feiner, Leopold Topper, Moritz Weiß, Samuel Klein, David Neumann, Joses Weiß, Josef Grünbaum, M.L.Cohn, Moses Maisner, Jacob Feichner. — -idi 's p,fv habe ich in einem Vortrage gelegentlich des pPvp idi ns nnon sehr eindringlichst das Thema behandelt, daß zur Ausrottung des innern pbay vor Allem Noth thue, dem bib’n möglichst zu steuern, bei welcher Gelegenheit ich selbstredend auf die diesbezüglich vorgeschlagenen Vereine zu sprechen kam, und auch später rmosnn '«np die Aufforderung im „Israelit" vorlas. Ich hatte 7i “i die Genugthuung, daß mir bereits Mehrere n^npn n’p'D von dem tiefen Eindruck sagten, den! diese Vorträge in der Gemeinde zurückgelaffen, und daß sie sich als Mitglieder anboten. Ich hoffe, aus hiesiger Gemeinde und Umgegend auch eine nicht geringe Anzahl von Mitgliedern zu erlangen. — Der ehrw. Herr Rabbiner in Torno hat vor den versammelten Comitatsgemeinden eine an» nsrn gehalten, und unfern Verein den Vesammelten warm an's Herz gelegt; und lebt derselbe der Hoffnung, daß seine beredten Worte auch thätigen Nachhall finden werden. — Mögen unserm Vereine noch viele, viele warme Fürsprecher und viele Tausende von begeisterten Mitgliedern werden. Dr. Jsrasl Hildesheimer. Apostag, 11. März. Daß die Freude, welche aus Anlaß der Ernennung des ungarischest Ministeriums sich so vielfach in Ungarn kund gibt, nicht nur