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Der Israelit · 1867-03-27 · Heft 13 (27.3.1867) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 13 (27.3.1867)
Date
1867-03-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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209 gezeichnet hat. Da nun zufällig in Saigun ein jüdischer Kaufmann aus Frankreich und ein anderer aus England sich aufhielten, im Heere selbst auch mehrere Zuden dienten, so bewirkte man vom Obercommandanten die Erlaubniß, sich zu versammeln und den Versöhnungstag nach Vorschrift feiern zu dürfen. Mit welcher Andacht diese Leute, welche alle so sehr weit von der Heimath entfert waren, ihre Gebete verrichteten, läßt sich nicht beschreiben, und wahrlich, der Gedanke , im fernen Osten die Einheit Gottes laut verkünden zu können, hätte auch den Kältesten anfeuern müssen. Sicherlich blickte der Allgütige, der die Herzen kennt und die Nieren prüft, mit Wohlgefallen auf diese kleine Gemeinde, und deren Gebete stiegen wie Weihrauch gen Himmel. Unser Künstler, denn der Vorsteher der Druckerei verdient diesen Namen, ist aber auch ein guter Sohn. Er bat andern Tages die Versammlung nochmals zu sich; er wollte sie photographisch aufnehmen und seinen Eltern, die im Elsaß wohnen, das Bild zusenden; er wisse sicher, daß er denselben keine größere Freude machen könne, als wenn er ihnen dadurch thatsächlich beweise, daß er mit Leib und Seele dem Judenthume anhange. Natürlich war Jeder gern dazu bereit, und wann Sie diesen Bericht erhalten, so befindet sich das Bild bereits in den Händen der gewiß hocherfreuten Eltern. Feuilleton. Rabbi Elchattaa. (Fortsetzung.) VHI. Der Pabst zitterte vor Aufregung, als Pater Thomas hcrcintrat. Scchsundzwanzig Jahre waren vergangen, seit dem Tage, da Thomas den vierjährigen Elchanan batte in seine Zelle bringen lassen. Welche gewichtigen Ereignisse waren seitdem über die Welt gekommen , welch ein Wechsel im Geschicke des Mannes, vor den jetzt der Pater aus Mainz trat! Als Thomas den Fuß des Pabstes geküßt hatte, war er keines Wortes mächtig. Der Pabst musterte indessen aufmerksam die Gestalt des Mannes, von dem er Aufschluß über seine Herkunft erhalten sollte oder vielmehr zu erhalten hoffte. Pater Thomas war ein Greis geworden; der schneeweiße Bart floß lang auf seine Brust hernieder. Seine Züge halten durchaus nichts Ungewöhnliches, nichts, was unter andern Umständen dem Pabste hätte Interesse einflötzen können. „Ihr wolltet mühallein sprechen, Thomas?" unterbrach endlich der Pabst W Stille. „„Wvht, heiliger BMN Ich' nmr nach langer Zeit einmal wieder in Bamberg, meiner Vaterstadt; da erzählte mir der alte Prior von St. Jakob, wie wunderbar sich das Geschick des Knaben gestaltet habe, den ich vor sechsundzwanzig Jahren dem Stifte übergeben hatte; er vertraute mir auch, daß Ihr vor Begierde brennet, das Gcheimniß Eurer Herkunft zu erkunden. Da habe ich mich sogleich auf den Weg nach Rom gemacht in der Hoffnung, von Euch reichen Lohn zu empfangen."" „Der soll Euch nicht fehlen! Erzählet!" Und Thomas erzählte dem mit gespannter Aufmerksamkeit horchenden Pabste; er nannte ihm Rabbi Schimeon, den großen Rabbinen, der des Pabstes Vater , er erzählte von der im Wahnsinn verstorbenen Margaretha, von der Krankheit des Knaben, von der heimlichen Taufe und von der Entführung desselben bis zu der Wegführung nach Bamberg. Lautlos hörte der Pabst ihm zu; als Thomas geendet hatte, verfiel der Fürst der Kirche in tiefes und langdauerndes Nachdenken. „Ach," rief er endlich, „wie wird mir nun so Manches klar in meinem Leben und Denken!" Dann trat er dicht vor Thomas hin und fragte ihn streng: „Habt Ihr niemals Reue empfunden über den Raub, den Ihr begangen an Vater und Mutter, nicht Reue darüber, daß Ihr das Kind, das bewußtlose Kind der Bestimmung entzogen habt, die Gott ihm gegeben hatte?" „„Reue?"" fragte Thomas erstaunt, „„Reue? Ihr beliebet mit Eurem niedren Knechte zu scherzen, heiliger Vater! Habe ich Euch doch der Hölle entzogen und dem Himmel gewonnen, seid Ihr doch schon ein Heiliger auf Erden geworden! O, nimmer habe ich ein besseres Werk gethan!"" „Mit dem Wahne läßt sich nicht streiten," sprach Victor leise vor sich hin; „man kann ihm kaum grollen." „Hört," fuhr er lauter redend fort, „ich will Euch reichlich belohnen; doch sagt mir zuvor: kennt Jemand außer Euch meine Herkunft?" „„Niemand."" „So schwöret mir, sie auch künftighin Niemandem zu verrathen." Als Thomas den Schwur geleistet halte, ließ ihm der Pabst eine große Summe Geldes auszahlen und verlieh ihm eine gerade erledigte, reiche Pfründe in der Bamberger Diöcese. Dankbar küßte Thomas dem Pabste den Fuß und reiste dann seiner neuen Heimath zu. Pabst Victor hatte keine ruhige Stunde mehr; die heißeste Sehnsucht nach seinen Eltern hatte ihn ergriffen. Doch wir zu ihnen gelangen? Konnte , durste der Pabst Rom oder gar Italien verlassen? Und wenn er den Rabbi zu sich kommen^ ließ. Mißte das nicht Verdacht erregen? Von allen weiten schon forschte man nach seiner Herkunft; er selbst hatte dafür sorgen lassen, vrrschirdrntttchr Erzählungen zn verbreiten, fcff ihll bald einem deutschen, bald einem italienischen adligen Geschlechte entsprossen sein ließen. Mußte er nicht

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