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Der Israelit · 1867-03-27 · Heft 13 (27.3.1867) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 13 (27.3.1867)
Date
1867-03-27
Page
– (sequence 5)
Language
German
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207 virt diesen seltsamen Wiederspruch durch folgenden Sophismus: Wir sind überzeugt, daß der Jude, welchem es nut seinem Glauben ernst ist, nur mit tiefer Ironie auf Christen blicken kann, die ihm seine sogenannte Emancipation in den Schooß werfen. Ja, jeder gläubige Jude muß sie als ein Geschenk der Anhänger des „verhaßten Nazareners" zurückweisen!!! Für ihn ist die staatsbürgerliche Gleichstellung mit den Christen ein Zeugniß der Mißachtung seiner Religion von Seiten der Christen I l!! Wer nicht nur vom religiösen, auch vom nationalen Standpunkte eifert der Fanatismus des feudalen Blattes gegen die Gleichstellung der nichtchristlichen Staatsbürger. Sie weist mit Nachdruck auf den Widerspruch hin, „der darin liegt, daß Söhne einer fremden Nation in deutschen Angelegenheiten mit rathen und rhaten, — ja einer fremden Nation, denn so lange Jemand Jude bleibt, wird er, ob auch in Deutschland geboren, eben so wenig ein Deutscher, als ein Türke oder Ungar, der zufällig in einer deutschen Stadt geboren wäre, dadurch ein Deutscher würde." Zn solchen Deductionen läßt sich die „Kreuzzeitung" herbei, welche sonst stets bei der Hand ist, den freisinnigen Blättern mit dem Vorwurfe entgegenzutreten, daß sie die Angehörigen des Staates in frivoler Weise aneinander hetzen!" (Wir werden in nächster Nummer auf diesen „famosen" Artikel der liebenswürdigen Berliner „Kreuzzeitung" zurückkommen. — Red.) Oesterreichifcher Kaiserstaat. Eisenstadt, den 8. März. Der gestrige Tag wird für die Mitglieder der hiesigen Jeschibah ein unvergeßlicher bleiben. Wir feierten nämlich den SLum auf Maßechet Ketuboth, welchen Talmudabschnitt wir unter der weisen Leitung unseres hochverehrten Lehrers, des Herrn Rabbiner vr. Hildesheimer, während der verflossenen sechs Jahre durchforscht hatten. Wie anregend und nutzbringend die talmudischen Vorträge unseres vielgeliebten Lehrers sind, das können nur drestnigen bourtheilen, die schon das Glück hatten, die Tiefe und die Vielseitigkeit seines talmudischen Wissens kennen zu lernen, und nur diese vermögen die Gefühle der Liebe und Verehrung zu schätzen, mit welchen wir an unserm Rabbi hängen. Wie innig und warm müssen diese unsere Gefühle sein für einen Mann, der uns nicht nur an die Quellen der Gotteslehre führt und uns lehrt daraus zu schöpfen, sondern uns auch täglich zeigt, wie die Gotteslehre gegen äußere und innere Feinde zu vertheidigen und sie zur Anerkennung zu bringen ist, mit welchem Stolze können wir uns die Schüler eines Mannes nennen, der sich eines solchen Rufes als Vorkämpfer des orthodoxen Judenthums erfreut.-Um allem dem einen würdigen und entsprechenden Ausdruck zu verleihen, ließen sich die Mitglieder der hiesigen Jeschibah und besonderdie Vorsteher der Bechurim schon feit Monaten angelegen sein, die Vorbereitungen zu dieser Feier zu treffen. Neben dem gewöhnlichen “ny’&y in maina 'do wurden deßhalb diejenigen Talmudstellen, in denen,»"j i"dn unb die durch ihr Wissen hervorragenden Bechurim vortragen würden, mit Eifer gelernt und diese von dem Vorstande bestimmten rnuio auch auswärtigen Freunden und Gönnern der hiesigen Schule mitgetheilt. Nach vielen Vorbereitungen, die von Seiten des Vorstandes mit großer Mühe und Selbstaufopferung getroffen wurden, deren Aufzählung nicht hierher gehört, war man zu hohen Erwartungen berechtigt; diese wurden aber weit übertroffen und die ganze Feier war eine so erhabene, wie sich dies von einer solchen mso bm nniazr, die nur vom Geiste des echten Judenthumes getragen wurde, nicht anders denken läßt.-Wir erlauben uns im Folgenden diese Feier in kurzen Worten zu beschreiben: Nach dem Frühgottesdienste erwartete die Mitglieder ein in paffender Weife hergerichtetes Frühstück, welchem eine sehr gelungene Ansprache des Herrn ^alzberger folgte. Herr S. wies mit beredten Worten auf die Feier des Tages hin, hob die Stellung der hiesigen nn’tf» hervor, indem er die immensen Verdienste unseres vielgeliebten Lehrers um seine vielen Schüler, sein Wirken nach Außen hin b leuchtete, und schloß mit erhebenden Worten über die Aufgabe der omra der hiesigen Schule. Dieser Ansprache schloß sich eine längere Rede, zugleich die Antwort auf die vorhergehende, seitens Sr. Ehrwü den des'"^ :"nn i"on an, worin derselbe in ernsten und rührenden Worten die Ansprüche betonte, welche das Juventhum an die Mitglieder der hiesigen naw» zu machen berechtigt lei, wie es sein sehnlichster Wunsch und seine Hoffnung sei, daß unserer heiligen Religion mutyige Vorkämpfer aus der Mitte seiner Schüler erwachsen werden, und daß durch sie der Geist, von dem die ganze Leitung der getragen würde, überallhin verbreitet weroe. Einer so würdigen Einleitung des Festes gemäß mußte dis ganze Feier eine heilige sein. Während des ganzen Vormittags wurden von den nmna Vorträge talmudischen Inhaltes in den 712^ nr. nai; ni, scrzr. na u. h* pnpsn nmD gehalten, welche nur eine Unterbrechung durch das zweite Frühstück um 11 Uhr erlitten. Nachdemselben trugen noch vier der hervorragendsten ''"o anina in den angedeuteten nmo vor, was bis gegen 1. Uhr währte. Um 1 Uhr erschienen sämmtliche min ’ja hiesiger Gemeinde, und nun entwickelte i2"-r während eines fast zweistündigen Vortrages in der g"ri nau ni nwd einen solchen Schatz talmudischen Wissens, wie es nur bei einem Manne der Fall sein kann, der sein ganzes Leben dem talmudischen Studium gewidmet und ohne Unterlaß geforscht und gestrebt hat. Es wäre höchst mdiscret, wollte ich noch etwas in dieser Beziehung bezüglich eines von der gan-

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