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Der Israelit · 1867-03-20 · Heft 12 (20.3.1867) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 12 (20.3.1867)
Date
1867-03-20
Page
– (sequence 12)
Language
German
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196 '»sni. — Daß Herr I. auch sonst sich alsPrivat-Rabbi gerirt, daß er z. B. dem preußischen Militär als Feldprediger sich anbot, als welcher er jedoch abgewiesen worden, und daß er neulich wegen Abschafi fung des Judeneides eine Petition an das Berliner Abgeordnetenhaus auf eigene Hand abgeschickt hat, haben Sie selbst, glaube ich, bereits gemeldet. Rar um seine liebe Person, nicht um die göttliche Sache ist es diesem Manne zu thun. Wir unsererseits huldigen stets dem altweisen Grundsätze: \o tetnsn -N2L7I — Unserm Königsberg steht ein großer Verlust bevor durch den Abgang einer frommen Frau, der Mutter der Armen, der Beschützerin der Wittwen und Waisen, der gottesfürchtigen Verehrerin Jerusalems ( und des ganzen heiligen Landes, die nach Berlin überzusiedeln gedenkt. Es ist die ehrwürdige Matrone verwittwete Frau Deborah Pollack, welche ohnedies seit dem Tode des seligen Oberrabbiners I. Me cklenburg an unserem Gemeindeleben keinen rechten Wohlgefallen mehr findet und nun den Rest des Lebens bei ihren Kindern in der Residenz zubringen will. Bercits empfing sie mehrere Bittschriften hiesiger armer Leute, welche sie gern hier zurückhalten möchten; wir wiffen auch, daß die ehrenwerthe Frau mit sich selber noch im Kampfe ist, unschlüssig darüber, ob sie bleiben oder abreisen soll. Doch die Pflicht der Selbsterhaltung wird wohl die Übersiedelung endlich von ihr fordern. Fortwährende Kränklichkeit erheischt eine besondere Pflege und Sorgfalt, die ihr jedenfalls die Ihrigen am Besten angedeihen lassen können — 'n D«r6 '’O1 Am Meisten bedauert deren Abzug von hier der Unterzeichnete M. Almoni. Oesterreichischer Kaiserstaat. Szill-Szomogy (Ungarn), den 4. März. Verfloffenen Freitag den 1. März, feierte die hiesige Kultusgemeinde die Restitution unserer Landesverfasiung in der, dem Judenthume eigenen, einfachen und dennoch höchst innigen, erhebenden, solennen und wahrhaft brüderlichen Weise. Wenn ich sage, daß dieses Fest den Stempel der Innigkeit und Brüderlichkeit trug; so wurde dieser nicht ausgedrückt unter dem vergänglichen Eindrücke sinnlicher Genüsis, sondern eines allseitig tiefempfundenen, wahrhaft erhebenden geistigen Hochgenuffes; indem sich die gesammte Gemeinde unter Musikklängen, im Gefolge einer unabsehbaren Menge, unter dem Vortritte des Herrn Vicegespans, der Herren Stuhlrichter und anderer angesehener Herrschaften in Begleitung des ehrsamen Kultusvorstandes und der stattlichen Tricolore — getragen von dem intelligenten Herrn Samuel Weis — Nachmittags vor dem Hause des verdienstvollen Herrn Bezirks Rabbiners Ambrosius Kohn versammelte. Als derselbe der Nationalfahne anstchtig wurde, trat er zu dem geöffneten Fenster und hielt an die Versammlung eine tiefgefühlte, begeisternde Ansprache in ungarischer Sprache, welche während der ungefähr halbstündigen Dauer, theils in weihevoller Stille angehört, theils von stürmischen Lljsvs unterbrochen wurde. Herr Bezirksrabbiner A. Kohn bewährte seine musterhafte Vortragsweise und sein seltenes Rednertalent auch in ungarischer Sprache und erntete derselbe noch mehr als gewöhnlich verdiente Anerkennung seines rühmlichst bekannten Rednertalentes; da, wie allgemein bekannt, sein diesmaliger Vortrag extemporirt sein mußte; indem der ehrsame Kultus-Vorstand die Abhaltung dieser Feier — auf höheren Impuls — erst Donnerstag Adend beschloß. Die höchste Begeisterung erregte und stürmischen Beifall erreichte der Vortrag, als der gelehrte orthodoxe Rabbiner historisch nachwies, daß Israel die erste Rationalfahne entfaltete, und daß die heilige Schrift — oder um mich seiner eigenen Worte zu bedienen — „die älteste, unverwüstliche Urkunde des menschlichen Heiles" zu allererst einer Nationalfahne erwähnt. Ferner wie er die feste Ueberzeugung hege: daß nicht nur der Geist der Zeit sondern auch der Geist der Religion siegen werde, indem die Lanvsvertreter es bald anerkennen werden: daß so wie trotzdem die zwölf Stämme Israels, auf Gottes Geheiß, verschiedene Fahnen trugen, sie dennoch von Gott als eine einige Nation, die ein gleiches Ziel hat, betrachtet wurden; daß also auch Israel, wenn es auch, in Beobachtung des göttlichen Willens, in religiöser Beziehung eine eigene Fahne trägt, bezüglich der Vaterlands-Interessen jedoch mit allen rerlichgesinnten Vaterlandssöhnen ein gleich heiliges Ziel anstrebt, als würdiger Sohn der würdigen ungarischen Nation betrachtet werde. Der Raum dieser Blätter gestattet mir nicht, den ganzen Inhalt dieser gediegenen Rede dieses beliebten tüchtigen Volkslehrers und Kanzelredners wiederzugeben; aber die Versicherung kann ich ertheilen, daß seine Worte in den Herzen aller seiner Zuhörer ohne Unterschied des Standes ein kräftiges Echo gefunden haben. Nachdem derselbe seine Ansprache mit Eljen auf Allerhöchst Sr. Majestät, auf Dekk Ferencz, auf das ung. Ministerium und auf das Vaterland schloß, begab auch er sich unter die Versammlung, wo ihm der Herr Vrcegespan die Hand darreichte ,,im Namen des Comitates dankte" für seine lehrreichen Worte und patriotischen Gesinnungen, und seine Anerkennung auf freundlichste aussprach; auf welche Ansprache der Herr Rabbiner in Bescheidenheit unh gewohntem guten Takte unter nicht endenwollenden Essens antwortete. Hierauf wurde die bereitgehaltene Tricolore auf dem Rabbinatslocal für die Dauer aufgehißt. Gebe der Allvater, daß diese Feier n’ty&j pns1? jmoi n^nn sei. —

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