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Der Israelit · 1867-03-20 · Heft 12 (20.3.1867) · page 13

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 12 (20.3.1867)
Date
1867-03-20
Page
– (sequence 13)
Language
German
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197 Lipt«-Sz.-Mikl«s, Ende Februar. Es wundert mich, daß die Spalten Ihres geschätzten Blattes seit langer Züt keinen Bericht über die Verhältnisse unserer Gemeinde, die doch sonst zu den hervorragenden gehörte, bringen, um so mehr, als das Merkmal woran man den besten Staat und die beste Frau erkennt, „daß man von beiden nicht spricht" von unserer Gemeinde nicht gelten kann, da auch sie das scharfe Messer der Zwietracht in Parteien schneidet. Es wäre freilich erquicklicher, wenn von Friede und die Eintracht zu berichten wäre. — Und doch ist ein kleiner Zwist dem eiskalten Jndifferentrsmus, in dem jedes Leben erstarrt, vorzuziehen. Die Wellen, vom Sturme des Streites aufgejagt, können sich endlich verlaufen und der ebene Spiegel begünstigt die Fahrt. Und warum sollte dies auch hier nicht möglich sein, wenn man nur ohne Waffen des Trotzes und der Rechthaberei das Feld der Versöhnung betritt? 'm -insn ay pown bJ Die leidige Spaltung rief der vor 3 Jahren eingeführte Gottesdienst mit Choralgesang hervor. Die s. g. „Tschetschowizer" — als Gegenbegriff zu „Araber" d. i. Fortschrittsmänner — räumten sofort das Feld ohne Schwertstreich und verließen die heilige Stätte, wo ihre Väter und Urväter in Leiden und Freuden gebetet, ohne nur zu versuchen, ihre opponirende Stimme zur Geltung zu dringen. So kann auch die Tugend zur Carricatur werden; denn würden diese Leute, die doch keinesfalls zu jenen blinden und wilden Zeloten des Chaßidismus gezählt werden dürfen, statt die Flucht zu ergreifen, ihr Veto einlegen, so käme es zur Verhandlung, vielleicht zur Verständigung, und der Riß würde kaum bis an das Herz der Gemeinde dringen. — Freilich sollten auch die s. g. „Araber" mit mehr Schonung vorwärts gehen. So z. B. würde eine mehr stumpfals rechtwinklige Halsschleife des Cantors, G. Haas, seiner klangvollen sehr angenehmen Stimme, die die weiten Räume unserer großen Synagoge ausfüllt, keinen Abbruch thun. Eben so wenig würden runde Kappen der Chorknaben auf die Harmonie störend einuprken, während die viereckigen Anstoß gaben. — Warum alles auf die Spitze treiben und sich zu keiner noch so kleinen Concession bequemen? J’K s'8 QN. Und nun kommt auch die große, brennende Frage, ob und was für einen Rabbiner man aufnehmen soll? — Was das Ob betrifft, könnte man mit gleicher Consequenz fragen, ob man auf verdorrende, von Sonnenglut versengte Pflanzen einen erquickenden und belebenden Regen herabwünschen soll. Schwieriger ist die Wahl in der Qualifikation zu treffen, um beiden Parteien zu genügen. Aber auch dieses braucht nicht der Felsen zu sein, an dem das Schiff zerschellt; verständiget man sich nur erst über die Funktion des Rabbiners. Es würden dann weder die Stabilen irgend einen Chasftdäer, noch die Fortschrittspartei einen Nachtreter des vr. Geiger wählen. — Es sei mir hier vergönnt, die Frage nach den Hauptpunktenzu beantworten: Welche Qualifikationen sind für unseren Rabbiner erforderlich? 1. Charakter. Welch eine Vollkommenheit schließt schon dieses Wort in sich! Wie der Felsen im Meere inmitten der Brandungen fest steht, darf sich der Rabbiner weder von Lobhudeleien noch von unbescheidener Kritik beirren laffen; er muß sein und bleiben, was er scheint und umgekehrt iw rm "izw oipan 'v «in unip noix r'py. Es wird ihn um so weniger Selbstüberwindung kosten, als er von Einzelnen nicht abhängig sein darf, indem ihm ein genügendes, dem Ehrenamte entsprechendes Fixum stipulirt werden muß, denn das System, das so entwürdigend für den ersten Beamten in der Gemeinde ist, muß aushören. — 2 Soll er der rationnellen, ehrlichen orthodoxen Richtung angehören, die die Wissenschaft nicht ausschließt. 3. So wie der Prediger im Rabbiner ausgehen soll, so bedingt der Rabb. den Schulmann und also den Schuldirektor, der an der Spitze einer Schulkommission für die Jugend heilsam wirkt. — Ein Rabbiner mit solchen Qualifikationen ausgerüstet , wird auch das Band der Filialen mit der Muttergemeinde enger zusammenziehen. Die ewigen, nicht ganz unmotioirten Klagen der ersteren über die starke Besteuerung zum Kultus,den sie der weiten Entfernung von der Cmtralgemeinde wegen in der That nicht ganz genießen, werden gänzlich verstummen, wenn der Rabbiner verpflichtet sein wird, jedes beträchtliche Minjan, als da sind: Rosenberg, Lipseh, Hradck Gieib wenigstens einmal im Jahre zu besuchen, das Wort Gottes lehren, und was ungleich mehr ist, die Schulen inspiciren, ob denn wirklich das jüdische Kind jüdisch erzogen und das hebr. Fach genügend gepflegt wird? Und wem sollte dies ^uch näher am Herzen liegen, als eben dem Rabbiner? — Die Liptauer Judenheit wird dann ein friedliches Ganze bilden DIPtCQ 82' Dyn n""D d"d. Frankreich. Paris. Die „Opmione Nationale" entnehmen wir folgendes schreiben der Herren Crämieux und Leven, welches die Runde durch die liberale Presse von Paris macht: Paris, den 7. März 1867. Wir haben die Ehre, Ihnen beifolgend ein Exemplar einer Note, *) welcher die Lage der Israeliten in Serbien betrifft, zu überschicken. Es ist dieses eine Note, welche die Israeliten Serbiens an die Großmächte geschickt haben, um ihnen den Zustand ihres Anm. der Red.: Es ist das der von uns an der Spitze des Blattes mitgetheilte Aufsatz.

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