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Der Israelit · 1867-03-20 · Heft 12 (20.3.1867) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 12 (20.3.1867)
Date
1867-03-20
Page
– (sequence 11)
Language
German
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195 bet und erschöpft haben. Die Oberkirchenbehörde, das Kultministerium, das Bezirksamt, das Rectorat, die Lokalpresse müssen stufenweise und energisch angerufen und benutzt werden, um die Lethargie aufzurütteln, die Irreligiosität zu verbannen, den Unglauben mit seinen Coniequenzen bloßzustellen. Eine Abnormität ist es auch , daß schon vor 3 Monaten 4 rmn nsD, welche der Verbesserung und Correctur bedürfen, den Eigenthümern in's Haus geschickt worden sind, statt daß das Vorsteheramt deren Korrectur entweder auf Kosten der Gemeindekaffe oder der Privatleute hätte vornehmen laffen und jedenfalls der Herr Rabbiner es nicht hätte versäumen sollen, aus die Pflicht aufmerksam zu machen und auf deren Erfüllung c. o. zu dringen, ruiö U'np min idd (ü"jn n"') nr in jpn’ dt nnr inin^y niDN Die isr. Oberkirchenbehörde hat übrigens vor mehreren Jahren in einem Specialfalle dahin entschieden, daß nicht die Privatbesitzer der Gesetzesrollen, sondern die israel. Kemeindepflege die Erhaltungskosten zu tragen - habe, weil die Gemeinde, in deren gottesdienstlichen Versammlungen aus der Thora vorgelesen wird, die Nutznießerin derselben ist. Jedenfalls sollen die Gegenstände und Zeiten heiliger Verehrung auch ehrfurchtsvoll behandelt werden; denn D'tcnpn n#< noiN n"in O’cc'j/si min rpn ww s'y'a 'ui nnyion nx nnnni .«OH D^b pPn 1^ PN D'DID König^Herg, 3. März. Endlich finde ich Muße wieder, au Lire zu schreiben. Das Kriegsgetümmel ist verhallt, die böse Krankheit, welche auch Ihren Berichterstatter heimgesucht, hat gottlob aufgehört, ihre Todesfichel zu schwingen — wir genießen wieder die Segnungen des Friedens. Was ich auf dem Herzen hatte, im Interesse des Judenthums zu sagen, sprach ich, als Mitarbeiter der liberalen Königsberger „Hart. Zeit.", gelegentlich darin aus, und auch Ihrem Blatte kam mancher Brosame dadurch zu Gute. S. z. B. machte ich zuerst die freudige Mitrheilung daß unsere Universität in einem Gencralconcil den Paragraphen, der die Nichtevangelischen von der Docentur hier bisher ausschloß, mit einer Majorität von vierzehn Stimmen aufhob. Ferner gab die „Hart. Zeit." durch mich unter Anderen der im „Hamaggid" verhandelten Aal-Affaire, der in Paris unter Ad. Crömieux blühenden allgemeinen Verbrüderungsgesellschaft, der Trauerkunde über den plötzlichen Hingang des sei. S. Munk, der gerade hier viele Verwandte zählte, endliche dem Gedeihen des hiesigen israel. Waisenhauses gebührenden Ausdruck. Was sollte rch Ihnen oder vielmehr Ihren Lesern also schreiben? Daß wir einen neuen Secretär in derP rjon des Herrn Klein aus Liffa besitzen, daß unser junger Rabbiner I. Bamberg er in Hamburg sich verlobt, daß die Repräsentantenversammlung sich in diesen Tagen completirt hat? Wen würde das interessiren? Höchstens dies, daß der berühmte preußische Abgeordnete vr. med. Ko sch abermals zum Präses des letzteren ernannt worden ist. Beiläufig sei noch hier erwähnt, daß unser Landsmann, der noch berühmtere Di-, med. Johann Jacoby, der Begründer des radicalenOrgans „dieZukunft", wieder friedlich in unserer Mitte lebt und seiner ärztlichen Praxis nachgebt, als ob nichts inzwischen vorgefallen wäre — Was ich eigentlich diesmal besprechen wollte, ist die kürzlich erschienene Schrift vom Ex Rabbiner H. Jolowicz, „Geschichte der Juden in Königsberg in Pr." betitelt, welche bei den Neologen nicht minder als bei den Orthodoxen sehr böses Blut gemacht hat. Das Alte darin ist zusammengetragen und das Neue von einem einseitigen Parteiftandpunkte behandelt. Der Autor kennt nur seine Privatresorm und respectirt keinen andern Gelehrten und keine andere Ansicht. Er haßt besonders Alle, die ihm bei seiner Anstellung im Wege waren: den seligen I. Mecklenburg und den Präses der Rep ä^entantenversammlung Dr. Kosch, den Obervorsteher Herrn Bankdirector Gabriel und den Literaten Dr. M. Freystadt, den früheren wie den jetzigen Pred ger und Geistlichen der Gemeinde. Entweder er beschimpft oder er ignorirt die genannten Männer, die seiner Tendenz entgegentreten. Es ist mit einem Worte eine pure Parteischrist und keine objektive Geschichte; der Vers, erkennt in keinem Buche nur die wenigen Männer an, welche seinen Enttv- Gottesdienst an den hohen Festtagen fn quentiren. Nicht Reform, sondern Skandal war von jeher die Parole; unsere friedliche Gemeinde ist aber viel zu intelligent und besonnen, als daß sie sich aus unliebsame individuelle Parforce-Experimente weiter einlaffen sollte. Sie berücksichtigt vielmehr und respectirt stets den religiösen Gesamrntwillen ihrer Mitglieder. Was die Zeitungen einmal von dem Manne sagten — als er sich hier in Königsberg in Gegenwart der anwesenden Geistlichkeit selbst copulirte, „da Niemand ihm getraut, habe er sich selbst getraut," — tönt in Bezug auf ihn und sein Treiben bis zur heutigen Stunde wieder. Daß dennoch viele Exemplare der gedachten Schrift therls durch Subscribenten- Sammlung, theils durch Versendung derselben an die reichen Leute abgesetzt werden, beweist mehr die Sympathie mit der Lage als mit dem Buche des Autors. Wie viele unserer Freunde haben es gekauft, ohne es gelesen zu haben l Gewidmet ist es natürlich dem reichsten, wenn auch nicht dem intelligentesten Manne der Gemeinde, demselben freilich, der auch judenfeindliche Zeitungen, wie die „Ostpreußische", mit Cautionsgelderu unterstützt. Der Herr will weder nach Oben noch nach Unten anstoßen, er selbst besucht auch beispielsweise die große Synagoge, während er seine Hausgenoffen am Neujahr- und Versöbnungstage zum reformistischen Entr6 - Gottesdienst sendet. l~ö ''Ln

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