Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 12 (20.3.1867)
- Date
- 1867-03-20
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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191 und Liebe die süßeste Tugend unserer Vorfahren, Wohlthätigkeit und Bruderliebe ausüben. 7\rbw rPTl HEHB HSD (Univers Jsraälite.) Süd-Afrika. Capfladt. Dem „Jew. Chronicle" wird von hier geschrieben: Herr S. Jacobs, Generalprocurator der Cap Colonie, macht eine Reise nach England und wird 6 Monate abwesend sein. Er ist ein lebendiges Beispiel, daß ein Jude seine Religion halten und vertheidigen und doch das Vertrauen der englischen Regierung genießen kann. Gewiß wird es Sie freuen, zu vernehmen, daß sich zwei jüdische Häuser der Cap Colonie an der Pariser Weltausstellung betheiligen. Es sind dies die Herren Gbr. Benjamin von Graham's Town und M. L. Bensuan von Cap-Town. Der Erstere sendet Wolle und Straußfedern, der Letztere Straußfedern. Gbr. Benjamin haben die größte und beste Wollwäscherei in den östlichen Provinzen. Die Zeitungen sprechen sich sehr belobend über beide Etablissements und über die vortresfliche Qualität ihrer Wolle aus. Feuilleton. Rabbi Elchanan. (Fortsetzung.) VI. Felix entledigte sich seines schwierigen Auftrages aufs Beste. Wohin er kam, wußte er die aufgeregten Gemüther zu beschwichtigen. Die Oberhirten, die Bischöfe und Erzbischöfe, konnten kaum die Zeit seiner Ankunft erwarten. Ueberall versammelte Felix die Geistlichen, legte ihnen die hohen Pläne und reinen Absichten des Pabstes dar, schilderte ihnen die große Zukunft der K.rche, setzte auseinander, wie der Geist sich vom Fleische loslösen müßte, um dieses zu beherrschen, kurz, er erlangte Erfolge, wie man sie kaum zu erhoffen gewagt hatte. Die Berichte der Kirchenfürsten, die diese nach Rom sandten, erhoben den päbst- Uchen Nuntius bis in den Himmel, und der Pabst wußte diese Verdienste zu belohnen. Noch während seiner Reise erstieg Felix die geistliche Climax und wurde von Amt zu Amt, von Würde zu Würde befördert. Um diese Zeit begannen die Streitigkerten zwischen dem Pabst und dem Kaiser; nun galt es, die deutschen Fürsten zum Abfalle von ihrem Herrn zu bewegen; auch darin leistete Felix gute Dienste, die chm nicht minder belohnt wurden. In Landshut erhielt er die Berufung zum Bischof von Roveredo, zugleich mit der Weisung, seine Reise durch Deutschland nicht zu unterbrechen; zwei Jahre nachher bekam er in Trier die Nachricht, daß er zum Erzbischof von Ravenna erwählt sei. Schon im folgenden Jahre sandte ihm der Pabst den Crrdinalshut nach Braunschweig. Der 25jährige Priester hatte eine Höhe erstiegen, zu der nur die wenigsten Priester und da erst im Greifenalter hinanklimmen; zugleich rief ihn ein Auftrag deS Pabstes nach dem Süden Deutschlands. Der Bischof von Regensburg erwartete den päbstlichen Gesandten mit Ungeduld. Kaiser Heinrich IV hatte sich von seiner tiefen Demüthigung erhobt, hatte seine Freunde um sich gesammelt und den Gegenkaiser Rudolph von Schwaben besiegt. Der Stern Gregors begann zu erbleichen, und die Freunde und Anhänger desselben machten die verzweifeltsten Anstrengungen, das Glück wiederum auf ihre Seite zu bringen; eine Versammlung derselben sollte in Regensburg stattstnden. In der Nähe von Regensburg hielt der Wagen des Cardinals plötzlich an; ein Jude hatte sich vor die Pferde gestürzt. Felix ließ ihn vor sich führen. „Rettet mein Kind, gnädigster Herr!" rief verzweiflungsooll der Jude. „Ich heiße Meschullam und wohne in Regensburg. Auf meiner Reise nach Bamberg haben mich die Knechte des Ritters von Rothensels überfallen und haben mir mein Geld, meine Maaren und meine Tochter geraubt. O, gnädiger Herr, erbarmt euch meiner! Seit einem halben Jahre flehe ich überall vergeblich um Hilfe. Da hörte ich von Euch, daß Ihr so gut seid und so liebreich gegen die Armen. In der Stadt wäre ich nicht zu Euch gelangt, deßhalb zog ich Euch hierher entgegen! Habt Mitleid mit einem unglücklichen Vater!" — Felix hieß ihn zu sich in den Wagen steigen und ließ sich alle Umstände genau erzählen. Der Rckter von Rothenfels war ein Parteigänger des Kaisers und lebte in offener Fehde mit dem Bischof von Regensburg, unter dessen Botmäßigkeit die Juden der Stadt standen. Dieser aber hatte "jetzt Anderes zu thun als des Juden Tochter zurückzuerobern. Felix versprach, Meschullam zu helfen, wenn es ihm möglich sei. Viele Fürsten, geistliche und weltliche Herren, waren in Regensburg versammelt. Felix begeisterte sie Alle für die Sache des Pabstes. Während der Kaiser nach Italien zog, brach in Deutichland der Aufruhr an allen Enden aus; die Anhänger des Kaisers wurden geschlagen und zerstreut; auch die Burg Rothenfels wurde gebrochen, und Felix führte selbst die befreite, zwölfjährige Rahe! ihren glücklichen Eltern zu. Von Regensburg zog Felix nach Bamberg. Welch ein Jubel herrschte in dem Jakobsstifte, als in Begleitung des Bischofs der aüoerehrte Cardinal den greisen Prior von St. Jakob aufsuchte und sich ihm als den ehemaligen Zögling des Klosters zu erkennen gab. Felix nahm seine Wohnung im Kloster, wodurch sich die Mönche nicht wenig geschmeichelt fühlten. Als er eines Tages mit dem Prior allein sich befand, nahm