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Der Israelit · 1867-03-20 · Heft 12 (20.3.1867) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 12 (20.3.1867)
Date
1867-03-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
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188 IV. Im Jahre 1856 war der Congreß der Großmächte zu Paris versammelt. Die Vorstellungen, die an die Türkei zu Gunsten der Rayas (nichtmuselmännische Unterthanen) gestellt wurden, die Gesetze des allgemeinen Rechtes, die durch den Congreß proklamirt wurden, schienen den Israeliten Serbiens ebenfalls von Nutzen zu fein. Aber die serbische Regierung that nichts für sie. Die Verwaltung Karats war ihnen eben so feind als die Partei, welche dieselbe triumphiren ließ und die nur an dem Sturze des Fürsten Michael gearbeitet hatte, um den Ruin der Juden, dieser überlegenen Handelsconcurrenten, zu beschleunigen. Im Gegentheil, ihr Druck wurde noch vermehrt. Der Senat votirte im October 1856 ein Gesetz, das durch den Fürsten bestätigt wurde, welcher alle Verletzungen an deren Rechte consacrirte. Sonderbar das I Das Gesetz wurde nicht kund gegeben, und sein Inhalt ist unbekannt geblieben; aber, nachdem es an den Israeliten seine Anwendung gefunden, wurde es ihnen durch einen späteren Act vorgeführt. So war das Betragen einer christlichen Regierung zu demselben Zeitpunkt, den der Sultan für geeignet fand, die Gleichheit aller seiner Unterthanen von allen Culten zu decretiren. Serbien hatte so gut Kenntniß von der Ungerechtigkeit seiner Gesetze, von ihrem Widerspruche mit den Gesetzen, die durch die Pforte ausgesprochen waren, daß es weder die alten administra- Llven Befehle noch die späteren Gesetze von 1856 veröffentlichte, und daß es sie nicht einmal in das Protokoll der gesetzgebenden Versammlung aufnehmen ließ; es verheimlichte seine Intoleranz, um sich dem Urlheil der öffentlichen Meinung zu entziehen. Der Zweck war erreicht; man befreite zum Verderben des Landes eine kleine Anzahl serbischer Kaufleute, die sich nur durch die Macht der Privilegien erhalten konnte, von der Concurrenz der Juden. Sie stießen die Juden zurück, wie sie dieses zu jeder Zeit gegen die Geschäftsleute anderer Länder gethan haben; man hat wahrgenommen, daß sie den fremden Kaufleuten tausend Hindernisse in den Weg legten, deren F eiheit doch auch durch die allgemeinen Verträge garantirt war Es genügt hier anzuführen, daß es in der Mitte dieses Jahrhunderts jedem Fremden untersagt war, die Bazars von Belgrad mit Maaren zu durchschreiten. y. Sie versicherten sich durch ähnliche Maßregeln eines Monopols, unter welchem das Volk litt. Erbittert gegen diese Privilegien, war es den Israeliten günstig. Als die Israeliten aus dem Innern Serbiens vertrieben wurden, etablirten einige von ihnen, Einwohner von Schabatz, ihre Magazine unter den Mauern der türkischen Festung dieser Stadt. Die Einwohner fanden sich balkrbei ihnen ein, um sich die Lebensmittel, die nothwendigsten Bedürfniffe zu verschaffen, trotz der Entfernung, die sie vom Mittelpunkte der Stadt trennte. Um ihnen diesen Schutz zu nehmen, stellte man vor diese Läden Polizeiagenten, die sich alles deffen, was aus diesen Magazinen kam, unter dem absurden und lügnerischen Vorwände bemächtigten, daß es Contrebande sei, doch hütete man sich wohl, eine regelmäßige Klage anhängig zu machen. Das Volk kämpfte mit Geschicklichkeit und List gegen die Polizei und ging dessenungeachtet in die Magazine der Juden. Niemals war in Serbien weder der Clerus noch das Volk intolerant; in der ganzen serbischen Geschichte findet man keinen Zug von religiöser Verfolgung. Die Feinde der Juden sind eine kleine Anzahl von Menschen, die einer niedrigen Habgier, einem verabscheuungswürdigen Egoismus gehorchen. Es sind im Allgemeinen die Handeltreibenden und die Zelinasi (Schatzmeister, soll heißen Banquiers). Sie sagen, in Serbien gäbe es keine großen Bodenbesitzungen; das Land sei zerstückelt, die Industrie ganz vernachlässigt, Künste und Handwerke seien noch in der Kindheit, die ganze Thätigkeit des Landes sei in dem Handel concentrirt. Wie nun mit den Israeliten dieses so beschränkte Gebiet theilen, es ihnen vielleicht ganz überlassen? Dieses würde eine gefährliche politische Lage schaffen. Auf diese Weise bedecken die Partisanen des commerciellen Monopols ihren Egoismus mit dem Anscheine des Patriotismus und des Staatsrechts. Moral und Vernunft machen ihnen wenig zu schaffen. Wie dienen sie aber den Interessen des Landes? Früher hatten die Bodenerzeugnisse durch die Handels Concurrenz Käufer. Das Monopol hat die Kapitalien entfernt und den öffentlichen Credit vernichtet. Der Wucher hat das Land umschlungen und verschlingt es. Den Producenten fehlt es an Abgang und, gezwungen, zu hohen Zinsen zu leihen, ruiniren sie sich, und eine kleine Anzahl Prioilegirter bereichert sich von ihrer Plünderung. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Schwerin, 10. März. Das Ministerium hat einen jüdischen Arzt zum Examen zugelaffen und ihm Aussicht auf Anstellung als Kreiswundartt eröffnet. Das wäre der erste Fall, daß in Mecklenburg ein Jude zu einem öffentlichen Amte Zutritt erhielte.

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