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Der Israelit · 1867-03-20 · Heft 12 (20.3.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 12 (20.3.1867)
Date
1867-03-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
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186 bei der Besprechung der orientalischen WirrenZfolgende gravirende Berichte: „Die Israeliten Serbiens haben an die Minister der auswärtigen Angelegenheiten Frankreichs, Englands, Oesterreichs, Italiens und Rußlands eine Note gerichtet, um auf den jämmerlichen Zustand aufmerksam zu machen, in welchen sie durch die Verletzung des sie schützenden internationalen Paktes versetzt worden sind. Die serbischen Israeliten fordern in dieser Note die bürgerliche und politische Gleichstellung, die ihnen zugesagt worden ist, aber hartnäckig verweigert wird; sie denunciren die Gewaltthätigkeiten, welchen sie fortwährend ausgesetzt sind, und den wahrhaften Ostracismus, von dem sie in allen Theilen Serbiens betroffen werden." Wenn wir beim ersten Lesen dieser Nachricht sofort an die „Alliance" dachten, die so würdig die äußeren Angelegenheiten des bedrückten Israels vertritt und ein treffliches „Ministerium des Aeußern" für uns Alle genannt werden darf; wenn wir voraussetzten, daß gerade die „Alliance" im Namen der Gerechtigkeit an das BMigkeitsgefüht erleuchteter Regierungen und Völker appsllirt, so erhalten wir Gewißheit darüber durch eine Broschüre, die uns soeben von dem Centralcomite dieser Gesellschaft zugsschickt wird. In dieser Skizze wird an der Hand der Geschichte das gute Recht der serbischen Israeliten so deutlich dcrrgelegt, daß wir nicht umhin können, dieselbe vorerst unseren Lesern vorzusühren, um sie dadurch so weit als eben möglich zu verbreiten. Diese in französischer Sprache abgefaßte Schrift lautet in deutscher Übersetzung also: I. Die serbischen Israeliten stammen von denjenigen Israeliten, die gegen das Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus Spanien vertrieben wurden und sich im tückischen Reiche nrederlreßen. Immer mehr nach dem Norden gedrängt, ließ sich eine große Anzahl von ihnen in Belgrad nieder. Schon einige Jahre vor der Eroberung dieser Stadt durch die Türken wird von den Geschichtsschreibern einer israelitischen Gemeinde Erwähnung gethan, die sich dort niedergelassen habe. (Engel, Geschichte der Ungarn.) Ja den folgenden Jahrhunderten muß diese Gemeinde sehr blühend gewesen sein, denn es existiren Documente, welche das große Vermögen einiger israelitischer Familien darthun, und die glaubwürdigsten Urkunden bezeugen, daß ihre moralischen und religiösen Interessen durchaus nicht vernachlässigt waren. In der That besaß Belgrad einen Rabbinen als Chef der Gemeinde, andere Rabbinen, die unter deffen Befehl standen, und diese Functionen waren durch Männer versehen, die sich eines großen Rufes erfreuten. Dieselben geschichtlichen Quellen beweisen auch, daß unter der türkischen Herrschaft die Juden ohne jede Beschränkung Grundeigenthum besaßen und es überall besitzen konnten. II. Als gegen den Anfang dieses Jahrhunderts Serbien unter der Regierung von Kara-Georg seine Unabhängigkeit von der Türkei zurückforderte, veränderte sich die Lage der Israeliten; man kämpfte im Namen der großen Principien des Rechts und der Freiheit, aber die Christen allein wurden befreit, sie allein erhielten Rechte, die Juden erhielten nichts. Als jedoch der Fürst Milosch-Obrenowiez den Kampf für die Freiheit Serbiens begann, änderte sich die Lage der Juden. Dieser Fürst, ebenso aufgeklärt als heldenmüthig, der die Sclaverei nahe genug gesehen und die Schwere ihrer Ketten gefühlt hatte, wollte Niemandem die Freiheit entzogen wiffen. Er suchte sein Volk, das seit Jahrhunderten geknechtet war, an die Praxis der Freiheit zu gewöhnen; er suchte die sich gegenüber stehenden Elemente allmählich zu einigen, um sie zur Wohlfahrt seines Landes nutzbar zu machen. Er proclamirte die Gleichheit aller serbischen Unterthanen vor dem Gesetze, ohne Unterschied des Cultus, und er widmete dem Dienste seiner edlen Ideen die Geschicklichkeit und den Muth, den er auf den Schlachtfeldern entwickelt hatte, um die Freiheit seines Volkes zu erringen. Er wußte an seiner liberalen Politik festzuhalten und jeden Unterschied zwischen Christen und Juden zu beseitigen. Unter der aufgeklärten Regierung dieses Fürsten wuchs die Wohlfahrt des Landes zusehends. Der Handel, der Ackerbau verbreiteten sich immer mehr; der Reichihum der Privaten mehrte sich gleichzeitig mit dem Reichthum des Staates; die Steuern waren gleichmäßig und erträglich vertheilt, und die Zufriedenheit war eine allgemeine. Die Israeliten, theilnehmend an allen Rechten der Serben, trugen durch ihre commerzielle und industrielle Thäti keit viel zum Wohle des Landes bei. Von 1817 bis 1830 waren zwei Drittel der bedeutendsten Commerziellen Belgrads Juden. Ihrer Dazwischenkunft ist es zu verdanken, daß fremde Capitalien Serbien eine Menge Unternehmungen brachten, die für den werdenden Staat von der größten Wichtigkeit waren. Die Erfolge der Israeliten auf diesem Gebiete verfehlten nicht, den Neid und den Haß der nichtisraelitischen Kaufleute, die nicht mit jenen concurriren konnten, zu erregen. Run begannen die Jntriguen gegen diese, die ihnen so folgeschrver werden sollten; aber während der Regierung Milosch's wagte Niemand, sie zu beunruhigen. Zu dieser Zeit erkannte die Türkei die Existenz eines serbischen Staates an; weder in den Original- Documenten, welche diese Anerkennung ausdrückten (Hatti-Scheriff von 1830), noch in den folgenden Documenten, welche die Autonomie dieses Staates regu- > lirten (Hatti-Scheriff von 1830 und 1834), findet man

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