Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1867-03-13 · Heft 11 (13.3.1867) · page 9

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 11 (13.3.1867)
Date
1867-03-13
Page
– (sequence 9)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
98% known words query
IRI
…/2446951-2447291-2447303--04968-2460451
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

VIII. Jahrgang. Beilage z« Nr. 11 des Israelit. Leitender Artikel. Snlletin der Alliance Isra£lite Universelle. (Schluß.) „Wir sind," schreiben sie uns, „die Kinder der von der Aliiance isra41ite gegründeten Schule zu Bagdad. Sie sehen, daß wir anfangen das französische geläufig zu schreiben, und wir vergesien nie, daß wir Ihrer Güte verdanken, diese Sprache erlernt zu haben. Wir zeigen Ihnen hiermit an, daß unser Lehrer abgereist ist; wir bitten Sie daher, uns bald einen andern Lehrer zu senden, der uns die französische Sprache vollständig lehrt. Wir werden Ihnen ewig dankbar und verbunden sein. Wir haben begonnen, Englisch zu lernen. Ein Telegraphist gibt uns französische Stunden; aber er hat nur wenig Zeit, da sein Dienst ihn zu sehr in Anspruch nimmt." Wir schicken denselben einen Lehrer. Eine einzige unserer Schulen ist eingegangen und zwar die zu Damaskus. Sie wurde von uns ebenso unterstützt wie unsere übrigen Schulen, und wenn auch die Gemeinde indifferent gegen dieselbe war, hätte sie doch bestehen können, wäre der Direktor derselben, dem Muth und Ausdauer zu der Erfüllung seiner Aufgabe gefehlt hat, nicht abgereist. Wir hatten die Hoffnung, sie mit der Hilfe des französischen Konsuls, Herrn Hecquart welcher an der Spitze der Schule stand, wieder aufs Neue zu errichten. Ein frühzeitiger Tod hat uns seine vortreffliche Mitwirkung entzogen. Hoffen wir, daß unsere Glaubensgenoffen die Schule, die sie nicht eingehen lasten sollten, wieder ins Leben rufen.*) *) So sehr wir auch von dem wohlthätigen Einfluß der von der Alliance im Orient gegründeten Schulen auf die geistige Erhebung und auf die Besserstellung unserer dortigen Glaubensgenossen überzeugt sind und darum das Gedeihen und die stete Fortentwickelung derselben aufrichtig wünschen: so erheben sich dennoch in uns hinsichtlich des hebräischen Unterrichts nicht unerhebliche Befürchtungen. Der Bericht über die Schulen spricht ausführlich von den profanen Unterrichtsgegenständen, sowie von den erfreulichen Fortschritten der Kinder in denselben, während die hebräischen Fächer kaum oder gar nicht erwähnt werden. Nur das erfahren wir, daß die Lehrer Israeliten sind und Männer sein müssen, die Liebe zu ihrer Religion haben. In welcher Ausdehnung das Hebräische unterrichtet wird, können wir aus dem Berichte nicht entnehmen. Für alle Schulen brauchen wir, bald oder spät, sobald unsere Mittel zugenommen haben, noch Lehrer. Bis jetzt nehmen wir sie aus unseren Ländern, jedoch denken wir, sie später in unseren Schulen heranzubilden. Das Centralcomite zu Konstantinopel, der Direktor der Schule zu Tetuan haben uns vorgeschlagen, mehrere talentvolle junge Leute nach Frankreich zu schicken, damit sie ihre Studien daselbst vollenden. Der Vorschlag wurde unserm Comitä für Schulen zur Berathung übergeben. Es bleibt uns jetzt nur noch übrig, von den Aufmunterungen zu sprechen, welche wir der Wissenschaft und den Gelehrten zu Theil werden ließen. Sie werden sich noch erinnern, daß wir vor zwei Jahren dem gelehrten Rabbinen zu Livorno, Herrn Benamozegh den ansgesetzten Preis für das beste Werk über die Vergleichung der jüdischen Moral mit der dr anderen Religionen gegeben haben. Das Comitä hat den Preis von 1000 Fr. mit einer Summe von 500 Fr. für die Veröffentlichung des Buches vergrößert. Ebenso haben wir durch eine Geldunterstüßung die Veröffentlichung eines Buches über die Geschichte der Emancipation der Israeliten im verflossenen Jahre ermöglicht. Dieses Buch, wäre es mehr entwickelt worden, hätte den Preis verdient. Unglücklicher Weise findet sich der Versaffer in so geschwächtem Gesundheitszustände, daß es ihm unmöglich ist, das Werk zu vollenden. Die Geschichtswerke der Herren Rabbinowicz und Moses Schwab wurden von unserm Comits als „nützlich" beurtheilt; das des Letztern, „hie, Geschichte der Israeliten," wurde für den Unterricht in Schulen Wenn es der Fall sein sollte, daß die fremden Sprachen, die Real- und Naturwissenschaften auf Kosten des hebräischen Unterrichts gelehrt werden, so glauben wir, daß noch andere Gemeinden im Orient ebenso indifferent gegen die Schulen bleiben werden wie die Gemeinde zu Damaskus, m der gerechten Befürchtung, daß durch Schulen, die auf solchen Grundsätzen basirt sind, die Jugend dem Glauben chrer Väter entfremdet wird. Wir möchten dem Centralcomite der Alliance die Organisation der Schulen zu Frankfurt a. M., Fürth, Hamburg, London, Mainz u. s. w. zur Nachahmung empfahlen. Dem Unterrichte in der heiligen Schrift, im Talmud und in der Mischnah und derm Commentaren wird in dmselben die erforderliche Zeit gewidmet, ohne daß dadurch die anderen Unterrichtsfächer beeinträchtigt werden. Ebenso werden an denselben nur streng-religiöse Lehrer, denen es Ernst ist, die Jugend zu gebildeten Menschen und echten Juden heranzubilden, angestellt. Gewiß wird es von gutem Erfolg für die Alliance sein, wenn dieselbe in ihrem nächsten Bericht Näheres über die Organisation ihrer Schulm im Orient mittheilen würde. Wir zweifeln durchaus nicht, daß, wenn das Somit« dem hebräischen Unterrichte die ihm gebührende Stellung einräumt, der Verein auch viele Anhänger, namentlich in Deutschland, wo derselbe verhältnißmäßig sehr wenig Mitglieder zählt, erhalten wird. Anm. des Ueb ersetz ers.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.