Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1867)
- Date
- 1867-03-13
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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176 loßau benauam lehaschpar," da brach der Rabbi in lautes Weinen aus, sein Jammergeschrei übertönle die Stimme des VorbkterK, und die ganze Gemeinde weinte mit ihm, kein Auge blieb thrünenleer; droben aber in der Frauensynagoge war Bella ohnmächiig niedergesunken, und lange währte es, bis ihr das Leben zurückkehrte. Nach dem Schlüsse des Gottesdienstes hatte sich Rabbi Echimeon soweit gefaßt, daß er sein Weib trösten konnte. Seine unbegrenzte Frömmigkeit half ihm, das schwere Unglück ertragen; auck Bella fand endlich Trost durch das überzeugungsvolle Gottvertrauen ihres Gatten; Elchanan aber blieb spurlos verschwunden. — y. Den vermummten Männern war es gelungen, Elchanan unbemerkt nach dem Kloster auf dem Jacobsberge zu bringen. Las kaum genesene Kind jammerte und weinte unaufhörlich; Pater Thomas, der Beichtvater Margaretha's, der den ganzen Menschenraub angeordnet hatte, ließ den Knaben in seine Zelle bringen. Die eist unlängst gehobene Krankheit kehrte mit verdoppelter Wuth zurück; beinahe hätte sie den Pater Thomas um die Frucht seiner Anstrengungen gebracht. Dieser ließ es an sorgfältiger Pflege nicht fehlen, bis die gute Natur des Knaben obsiegte und sich derselbe langsam erholte. Als nach vielen, langandauernden Fieterphantasien das Bewußtsein wiederkehrte, hatte bas Kind die Erinnerung an die Vergangenheit gänzlich verloren. Pater Thomas, äußerst liebevoll und zärtlich gegen den Knaben, den er von nun an „Felix" nannte, gewann dessen ganzes Vertrauen. Als Felix gänzlich wiederhergestellt war, brachte ihn Pater Thomas nach Bamberg in das dortige Jakobsstift. Die sorgfältigste Nachforschung hätte den Sohn des Mainzer Rabbiners nicht hier gesucht oder gar gefunden. Felix ward bald der Liebling sämmtlicher Mönche; sie lehrten ihn, was sie nur wußten, und der Lerneifer, die wunderbare Fassungskraft, das merkwürdige Gedächtniß des Knaben setzten seine Lehrer nicht wenig in Erstaunen. Mit sieben Jahren hatte Felix die lateinische Sprache derart inne, daß er fertig lateinisch sprach und schrieb. Das war aber auch Alles, was er im Kloster zu Bamberg hatte lernen können: der Prior, stolz auf diesen Zögling, brachte ihn selbst nach Rom. Auch hier setzte der Knabe Alles in Erstaunen; er wurde dem Pabste vorgestellt und von diesem den berühmtesten Gelehrten zur ferneren Ausbildung übergeben. Um diese Zeit sollte das Pabstthum seine höchste Macht entfalten, die es über Kaiser und Könige hinweghob und die Nachfolger Petri befähigte, die mächtigsten Herrscher durch den Bannstrahl oder dessen Androhung ihrem Willen gefügig zu machen. Hildebrand, ein Benedictinermönch, ein Mann von unbegrenztem Ehrgeiz und als vertrauter Freund des Erzbischofs Laurentius von Amalfi von großem Einfluß, nahm sich ganz besonders des Wunderknaben Felix an; er wollte sich denselben zu einem geschickten Werkzeug erziehen. So wuchs denn Felix mitten im Getriebe des reichbewegten päbstlichen Hofes heran, in allen Wissenschaften und Künsten erfahren. Als Felix daS achtzehnte Jahr erreicht hatte, bestieg fein Gönner Hildebrand unter dem Namen „Gregor VII." den päbstlichen Stuhl. Jetzt begann eine bewegte Zeit. Was dem Mönche Hildebrand als seines Lebens Zweck vorgeschwebt hatte, wollte er als Pabst Gregor ausführen. Eine Theokratie sollte gegründet werden; der Pabst sollte als Stellvertreter Gottes auf Erden der oberste Richter sein nicht allein in kirchlichen, sondern auch in allen politischen Dingen. Zu diesem Zwecke bedurfte er eines mächtigen, über die ganze Erve verbreiteten Heeres. Ein solches Heer bot sich dem Pabste in den zahlreichen, überall den größten Einfluß übenden Geistlichen dar; allein diese waren wiederum durch Weib und Kind von den weltlichen Herrschern, von den Grafen, Fürsten, Herzogen, Königen und dem Kaiser abhängig. Wenn erst die Geistlichen, wie längst schon die Mönche, allein und einsam stehen würden, wenn weder Weib noch Kind ihnen irgendwelche Rücksicht auflegten, dann würden sie, vollkommen unabhängig, ihr einziges Heil in der Kirche suchen und finden und zu jener Organisation befähigt sein, durch welche die gesammte katholische Kirche sich zu einem einzigen Körper gestalten würde, dessen Haupt der Pabst in Nom. Das war der große Plan Gregors, des Siebenten, und daher verfügte er sofort nach seiner Thronbesteigung das Coelibat. Ein Schrei des Unwillens ging durch die ganze katholische Kirche; Tausende verheiralheter Weltpriester sollten sich von ihren Weibern trennen oder durch Mönche aus ihren Aemtern verdrängt werden. An vielen Orten kam es zur förmlichen Auflehnung gegen die Verordnung des Pabstes; namentlich war in Deutschland die Aufregung groß. Aber Gregor war nicht der Mann, sich von dem abbringen zu lassen, was er als recht und nutzbringend erkannt hatte. Ueberallhin sandte er Sendboten, die mit Güte und Gewalt der päbstlichen Verordnung Gehorsam verschaffen sollten. Den Befähigtsten unter seinen Vertrauten, den jungen Pater Felix, hatte er zu dem schwierigstem Geschäfte, zur Beruhigung und Unterwerfung der deutschen Geistlichen ausersehen. (Fortsetzung folgt.) Hierzu zwei Beilagen. Lerantwortliche Stedaction: Dr. Lehmann. — »erlag der Le »ouj’fäm Hosbuchhandlung. — Dampf»Schnellprefsendruck von I. Gotttleüen in Main,.