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Der Israelit · 1867-03-13 · Heft 11 (13.3.1867) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 11 (13.3.1867)
Date
1867-03-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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174 Palästina. Jerusalem, 30. Jauuar. Der Augsburger „Allgem. Zeitung" wird von hier geschrieben: „Gegenwärtig arbeite ich an dem Plan für ein Haus, das hiesige deutsche Juden erbauen laßen wollen. Es soll zu einer Wohnung für 20 bis 25 Familien eingerichtet werden. Der dazu ersehene Bauplatz ist in der Nähe der Stadtmauer in der Mitte zwischen den Hütten der Aussätzigen und dem sogenannten Mistthor, nicht weit weg vom RothschMschen Spital. Der Schutt ist sehr tief. Dieselben Juden gehen noch mit einem andern Gedanken um, nämlich außerhalb der Stadt eine größere Strecke Landes zu londwirthschastlichen Versuchen zu erwerben oder eine Colonie jüdischer Landwirthe zu gründen. Es sollen bereits 200 der ärmeren Familien ihre Bereitwilligkeit zu ausschließlichem Betrieb der Landwirthschaft kundgegeben haben. Bei dieser Gelegenheit möchte ich auch mittheilen, daß der griechische Archimandrit Nikophori die von ihm vor einigen Jahren im Westen der erworbenen Ländereien mit ihren schönen Baumpflanzungen dem Verkauf ausadfetzt hat. Es scheint, daß das griechische Kloster/»mit dem er in Verbindung steht, wegen Schmälerung der früher aus den Donauländern bezogenen Einkünfte sich in mißlichen ökonomischen Verhältnisien befindet. Mir ist letzhin auch ein gar schöner nordwestlich vom Kreuzkloster auf einer Anhöhe gelegener Platz zum Kauf angeboten worden. Der Name desselben ist Chirbet-elechazüg, d. h. Ruinenstätte des Pfahls oder der Pfählung. Es muß hier früher ein Kloster oder ein kleines Dorf gestanden haben, denn es finden sich hier viele Bausteine, auch drei große Cifiernen. Man könnte den Platz um den sehr billigen Preis von 1500 bis 2000 fl. h«Hen, denn die Cisternen allein find mehr als so v el werth; kostet doch die Erbauung einer neuen über 1000 fl. Da d esen Winter sehr reichlicher Regen gefallen ist (der Hiobs- oder Nehemiasbrunnen war einigemal gehörig übergelausen), so stehen die Felder alle sehr schön, und das Jahr verspricht also ein gutes zu werden, wenn sich nicht die leidigen Heuschrecken wieder einstellen; die Lebensmittel stehen aber alle noch hoch. Unter dem Landvolk herrscht furchtbare Armuth. Täglich werde ich von Arbeitfuchern bestürmt und von BeMern belästigt. Viele Hilfe könnte da durch den Angriff des schon längst projectirten Straßenbaues von Jerusalem nach Jaffa geschafft werden; aber es wird zu diesem Straßenbau nicht kommen, da die türkische Regierung selber bauen will, und sie keine Mittel dazu hat. ES wurde dem hiesigen Pascha von Konstantinopel aus bedeutet, daß er von de« Landesbewohnern die Mittel dazu einzvtreiben habe. Ach, wann werden einmal diese armen Landesbewohner von dem drückenden Joch, das auf ihnen lastet, erlöst werden? Wie lange noch sollen Diejenigen, welche geeignet und tüchtig wäre«, andere Borhältuiffe herbeizuführen, daS Land wieder zu einem Land zu »acheu, wo Milch und Honig fließt, durch die Künste der Diplomatie mit Gewalt abgehalten werden, ihre heilsamen Einflüße auszuübeu? Ich habe nur noch Weniges beizusügen: In dem einen der hiesigen zwei Gasthöfe, dem „Damaskus Hötel", ist neulich eine Köchin aus Württemberg (Möhringen auf den Fildern) cingetroffen. Dem Besitzer dieses Hütels wird dvrch den Besitzer der andern, des „Mediterranea«- Hütel", eine höchst bedenkliche Concurrenz gemacht. Ein Wohlgesinnter hat zwischen den beiden derselbe« Gemeinde angehörigen Gastgebern einen Vergleich $u Stande zu bringen gesucht. Vergeblich) Reisende können nicht genug davon erzählen, wie man den Agenten, namentlich eines dieser Gastgeber, drangsalirt habe. — Der Consularwechsel ist gegenwärtig ein starker. Der österreichische Consvl ist nach Palermo versetzt worden, der russische nach Corsu, der mexicanische soll nach Damaskus befehligt worden sein. Preußen hat in 25 Jahren bloß zwei Consuln gehabt. Es weiß zu gut, daß häufige Wechsel nicht gut sind. — Der Reform-Mohammedaner, von dem ich in meinem letzten Brief geschrieben, Jußuf Effendi, wirkt im Stillen für seine edlen Zwecke fort. — In Jaffa ist nun eine evangelische oder anglikanische Capelle eingerichtet, au welcher unser von Ramleh nach Jaffa beförderter Landsmann fungirt. — Die dortige Colonie von Amerikanern schreitet, scheint es, dem Zerfall entgegen. — Eine Beschreibung meines Ausflugs nach dem Thal und der Quelle Farah, welche ich für den Euphrat oder Phrat des Jeremias (13, 1—7) halten möchte, werden Sie, denkeich, bald gedruckt zu lesen bekommen. Jerusalem, 14. Februar. Heute befinde ich mich in der angenehmen Lage, Zhnen mittheilen zu können, daß (L-onntag am 10. Februar, Sc. Excellenz Jzzed Pascha, Gouverneur von Palästina, und der k. k. österreichische Consul, das Rothschild-Hospital mit ihrem Besuche überrascht haben. — Sie blieben daselbst circa 2 Stunden, der Pascha erkundigte sich fast bei allen Kranken um ihr Befinden, um ihre Verpflegung, besichtigte alle Räumlichkeiten; erkundigte sich bei mir nach den übrigen von der edlen Familie Rothschild gegründeten humanen Anstalten; nachdem er von allem genaue Notiz genommen hatte, fühlte er sich veranlaßt, seinen dankbaren Gefühlen für all die Wohlthaten, die die edle Familie dem Lande erweist, allsogleich Ausdruck verleihend, diese in das Gedeukbuch des Hospitals ernzutragen, bat mich ferner dasselbe an Herrn Baron von Rothschild und an Herrn Dr. Albert Cohn schreiben zu wollen; er versprach mir, sowohl de« Hospitale als auch allen meinen Glaubensbrüdera auch fernerhin seinen Schutz verleihen und die Gründung humaner Anstalten befördern zu wollen. — Ich erlaube mir zugleich die Abschrift beizulegen:

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