Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1867)
- Date
- 1867-03-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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173 gesetzt ist, denen es zum Theil gleichgiltig ist, ob man n&?Q m: leben kann; sie nehmen einen hergelaufenen önw und verabschieden ihn wieder nach Belieben; kurz, führen ein ganz wildes Treiben, das Niemand zu schildern vermag. In der Stadt M. sind über 80 solcher Seelen, aber so entzweit, daß sie keine Gemeinde zu bilden vermögen. An anderen Orten, wo nur Wenigere sind, stehen sie oft der Gemeindeverbindung gerade im Wege, indem sie sich gegenseitig anklagen, denn kaum ist es der Gemeinde gelungen, einen viim zu engagiren, der gewöhnlich auch ein Pole ist und gleich den Titel „Magister" annimmt, so sind es gleich die anderen Polen, die, obgleich selbst nicht sehr skrupulös in religiösen Dingen, ihn der Irreligiosität zeihen. Freilich sind die Schochtim eben selbst nicht zu loben, und es ist die größte Vorsicht zu beobachten bei Ausstellungen von Zeugnissen für dieselben: exempla sunt odiosa. Wir glauben nicht, der Indiscretion zu nahe zu treten, wenn wir folgendes Factum mittheilen. In der Stadt C. berief sich ein solcher Exschochet auf das Zeugniß des Herrn vr. Wolf in Kopenhagen, der ihn nun zwar allerdings examinirt hatte, aber ihm keine gab, doch versprach, falls er eine Anstellung in Schweden erhalten könne, auf Anfrage der betreffenden Vorsteher, denselben Bericht über die Prüfung erstatten zu wollen. Dies geschah nun, und Dr. Wolf erwiderte, daß er sich's zum Princip gemacht, Niemandem, dessen Lebensweise er nicht kenne, ein Zeugniß in Händen zu geben, wohl aber, der Wahrheit gemäß, bezeugen müsse, daß er die Prüfung bestanden. Kaum einige Wochen später entdeckte man, daß der Betreffende nichtlegte, sich von C. wegbegab, um in G., ob zwar verheirathet. eine zweite Ehe mit einer Polin einzugehen. Diese Thatsachen werden uns von authentischer Seite verbürgt. rnvv Oesterreichischer Kaiserstaat. Pefih. Die begeisterten Worte, die der berühmte ung. Schriftsteller, Moritz Iokai, schrieb, will ich den sehr geehrten Lesern des „Israelit" nach dem „Pesther Lloyd" mittheilen: Moritz Iokai, der von dem isr. Wohlthätigkeitsverein „Concordia" zum Ehrenmitglied gewählt wurde, hat aus Anlaß dessen an den Präses des genannten Vereines, Herrn Posner, ein Dankschreiben gerichtet, in welchem er gleichzeitig seine Ansichten über, resp. für die Gleichberechtigung der Landeskinder mosaischen Glaubens ausspricht. Nicht btos Liberalismus, poetische Schwärmerei , abstrakte Theorie veranlaßten ihn für diese Gleichberechtigung, bei jeder geeigneten Gelegenheit, seine Stimme za erheben, sondern dieß gebot ihm namentlich als Ungar auch die richtige Auffaffnng des Lebens. Hierüber sich näher aussprechend, äußert er sich in seinem im „Hon" (deutsch. Vaterland) veröffentlichen Schreiben, wie folgt: „Als Ungar mußte ich Pietät fühlen für das Volk, welches — der Unterstützung der Staatsgewalt beraubt — nur durch Geistesenergie seine ererbten Institutionen anderthalb Jahrtausende hindurch zu bewahren wußte, welches auch, nachdem es sein Vaterland verloren hatte, die Gesetze seines Vaterlandes aufrecht erhielt und die Sitten seiner Vorfahren, der Tradition getreu beobachtete, selbst als es deswegen lange Leiden erdulden mußte. Als Ungar muß ich eine Lehre finden in dem Leben des Volkes, welches seines Vaterlandes beraubt, vermögenslos in die Welt hinansgeftoßen und rechtlos in der Gesellschaft, — mit eiserner Geduld, mit scharfem Geiste und rastloser Thätigkeit uns ein Beispiel gab, wie ein verlorenes Volk sein Leben beginnen muß, wie es nie verzweiflen, und sich nie auf einen Anderen, als auf Gott und sich selbst stützen darf. — Als Ungar muß ich einen Gewinn finden, darin, daß wir zahlreiche Mitbürger haben, die mit vielseitiger Bildung, mit den Gaben der europäischen Cultur und großen Geistesfähigkeiten ausgeftatlet, ein großes geistiges Capital unseres ungarischen Vaterlandes repräsentiren, und durch ihre ausgedehnten Verbindungen für unsere internationalen Verhältnisse unentbehrlich sind. — Und endlich muß ich als Ungar Liebe finden für den in unserem Vaterlande mehr als eine halbe Million Seelen betragenden Volksftamm, der in den schweren Jahren unserer Verfassungskämpfe weder seine Zahl, noch seine Geisteskraft, noch sein Vermögen, gegen die ungarische Nation in die Waagschale warf — welches in den Jahren des Absolutismus seine Aeltesten nicht aussandete, um an dem Versuchen zur Vernichtung Ungarns Theil zu nehmen, — in den Tagen der Sprachsrciheit seine Stimme nicht erhob, um die ungarische Verfassung zu zertrümmern, ja vielmehr auf publizistischem Gebiet für deren Herstellung an unserer Seite kämpfte, — das seine Interessen stets mit denen des Vaterlandes verschmolzen, erkannte, — und nie etwas Anders verlangte, als in Ungarn ungarische Bürger zu sein. Um zu diesem Wunsche „Amen" zu sagen, brauche ich nicht Anderes zu sein, als ein Ungar, und zur Ergänzung dieses Wunsches brauche ich nur hinzuzufügen, es mögen unsere isr. Compatrioten, als „ungarische Bürger" bei Bethätigung des zweiten Epithetons ebenso viel Bereitwilligkeit finden, wie wir ihrerseits bei Bethätigung des ersten hoffen. Aber, wenn dem Allem nicht so wäre, selbst dann könnte ich als Mitglied des gesetzgebenden Körpers nur die unwandelbare Ansicht haben, die ich jetzt hege, daß es für die Bewohner ein und desselben Landes nicht zweierlei Rechte geben kann." I. Grün.