Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 11 (13.3.1867)
- Date
- 1867-03-13
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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172 Anerkennung Seitens ihrer christl. Mitbürger im hohen Grade erfreuen, was sich insbesondere bei den jüngsten Wahlen zum „Landsthing" auf eine eclatante Weise wiederholt bekundete. Unter 130 Wahlmännern waren an 25 jüdische Bürger gewählt, und als diese zusammentraten, um für neun Distrikte je einen Deputirten zu wählen, fiel fast einstimmig die Wahl auf den Grosstrer Ritter Moritz G. Melchior. So find 2 Juden im „Landsthing" und zwei Juden im „Folksthing." Ebenso sitzen im See- und Handelsgerichte 5 Juden, während in der Bürgerrepräsentantschaft Kopenhagens zwei jüdische Mitglieder sind. So ist ebenfalls der Büreauchef des Landsthinges ein Jude, und zwar einer der Vorsteher der Kopenhagener Religionsschule. Vergleichen wir damit das Resultat der Wahlen zum Norddeutschen Parlamente, wo bei einer Bevölkerung von fast 30 Millionen nur 4 Juden unter beinahe dreihundert Abgeordneten gewählt wurden, während ganz Dänemark unter zwei Millionen nur acht tausend jüdische Einwohner hat, so wird man es begreifen, wenn wir diese Statistik dem kgl. Rittmeister und Landrathsamts-Verweser Freiherrn v. Zedlitz in Waldenburg zum geneigten Studium empfehlen. — n"“i feierte die N-ün '"an zu Kopenhagen ihr fünfzigjähriges Jubiläum, indem sie zugleich einen oi»d auf Y'j''n damit verband. Der selige W. P. Heymann, der ein großartiges Seitengebäude in seinem Hofe ausgeführt hatte, welches sowohl im zweiten wie im dritten Stock große säle hat, gab das wahrhaft glänzende Festessen. Er hatte sich in eigner Person mit einer Deputation einige Tage vorher beim Oberrabbiner Herrn vr. Wolf eingefunden, um ihn zum Feste, womit er zugleich den lun seines neuen Gebäudes verband, einzuladen. Außer den männlichen Mitgliedern seiner Familie erwarteten über fünfzig M3 tonn im Saale des dritten Stockwerkes die Ankunft des Herrn Rabbinen. Als dieser nun eingetreten, wurde anyo gebetet, wonach Wechselmakler Herr Marcus L. Melchior, der seit einigen Jahren allabendlich '"an abwechselnd bald mit apy’ py, bald mit mua UNDn vorträgt, die letzten Verse n"i mit Commentar verlas, woraus ein Stück apy1 py, ein Kapitel über n"n im “nNon miio und to pHp folgte. Hierauf hielt Herr W. P. Heymann eine dänische Anrede an die Gesellschaft, in welcher er die Entstehungsgeschichte der «nun mittheilte, seinen Dank dem Allgütigen aussprach, daß er ihn, der zu den ersten Mitgliedern, ja eigentlich zu den Begründern des Vereins gehörte, diesen Tag erleben ließ und zuletzt die Anwesenden aufforderte, für das Fortbestehen der inan kräftig zu wirken, wobei er seinen Saal zur Verfügung des Vereins stellte und sich erbot, Sorge dafür zu tragen, daß selbst nach seinem Ableben derselbe zur unentgeltlichen Benutzung der N-ün bleibe. (Wir wollen hier beiläufig bemerken, daß die ionn sich nicht veranlaßt sieht, von diesem Anerbieten Gebrauch zu machen.) Nun begab man sich in den Saal im zweiten Stocke, der wirklich prachtvoll dekorirt war. Hundert Gasflammen strömten ein feenhaftes Lichtmeer aus, und beleuchteten neben paffenden hebräischen Jnscriptionen an den Wänden, die Portraits der verstorbenen früheren Klausner R. B. Frankel, I. Peißer, R. N. Kalkar rc. rc. y"j, die ihrer Zeit unentgeltlich Vorträge in diesem Vereine gehalten hatten Bei Tische wurde der vom sel. R. N. Kalkar verfaßte tp abgesungen, worauf Dr. Wolf das Wort ergriff und ausgehend von 'n’an y>& 8—9 'toi mop iH mnx eine anderthalbstündige Rede hielt, der, so lehrreich wie erbaulich, die Zuhörer mit der gespanntesten Aufmerksamkeit folgten. Er gedachte in derselben, anlehnend an 1. B. M. Cap. 27—21. 27—28 'oi ’O nn nsn und Midrasch z. St. der seligen Lehrer in der Ewigkeit, entwickelte die hohe Bedeutung Raschis, von dessen wichtigen Werken er eine kurze Analyse gab, zeigte den Werth des "iiNon mna und anknüpfend an den Midrasch .tun n an-i'ni die Wichtigkeit des upy py. Es folgten nun verschiedene andere Toaste, die bei der größten Munterkeit die Tischgenossen bis nach Mitternacht versammelt hielten. Aber leider! war diese Festivität der Schwanengesang des Herrn W. P. Heymann. Vom folgenden Tag an konnte er, der sich schon einige Wochen unpäßlich gefühlt, das Haus nicht mehr verlassen und 14 Tage darauf, auch an einem Donnerstage, trug man seine körperliche Hülle zum Friedhofe. Wr. — Ueber die religiösen Zustände in Schweden haben diese Blätter schon vielfach Bericht erstattet. Auch die politische Frage der Juden dortselbst scheint jetzt in maßgebenden Kreisen in Erörterung gezogen zu werden. So war in der Sitzung der ersten Kammer vom 16. Februar d. I. ein Vorschlag zur Erweiterung der politischen Rechte der Juden eingebracht worden, welchem Vorschläge aber dieselbe mit 58 gegen 43 Stimmen ihre Zustimmung versagte, während die zweite Kammer sich fast einstimmig für die Verwirklichung dieser Proposition entschied. Häufige Klagen aber vernimmt man gegen die Masse der sich in Schweden ansiedelnden, polnischen Juden, welche heillosen Schaden verursachen sollen. Nicht bloß, daß bei der Leichtigkeit in Schweden sich ansässig zu machen, allerlei, sogar berüchtigte Individuen, sich einfinden, die durch ihre Handlungsweise sich als nichts weniger als Ehrenmänner bethätigen, die meisten von ihnen werfen auch ihre gewöhnlich mitgebrachte Religiosität ab und führen ein ganz unjüdisches, manchmal auch ein ganz unmenschliches Leben. In den Städten, wo schon jüdische Gemeinden sind, werden sie nicht zu denselben gezählt, verheirathen oder vervielfältigen sich unter einander ohne weitere Legitimation, ob sie auch nach jüdischem oder dem Landesgesetze dazu berechtigt seien. So z. B. ist in der Stadt G. eine zahlreiche Versammlung von Polen, die auf eine Art eine eigne Gemeinde bilden, die von Subjekten zusammen-