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Der Israelit · 1867-03-13 · Heft 11 (13.3.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 11 (13.3.1867)
Date
1867-03-13
Page
– (sequence 2)
Language
German
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170 Da Mordechai eine Verschwörung gegen das Leben des Königs entdeckt und das der Königen mittheilt, benachrichtigt sie den König davon, „im Namen Mordechai's." Ihm will sie den Ruhm und die Belohnung für die wichtige Entdeckung zu Theil werden lassen. Da die Katastrophe hereinbricht und der Bestand der israelitischen Nation, das Leben aller Israeliten gefährdet ist, da entschließt sich Esther, zuerst von Allen und zugleich für Alle ihr Leben zu wagen. „Gehe hin," läßt sie dem Mordechai sagen, „versammele alle Juden von Susa und fastet für mich drei Tage und drei Nächte, und auch ich und meine Mägde werden also saften; dann werde ich gehen zum Könige, trotzdem es verboten — bin ich dann «verloren, so bin ich verloren." Welch' wundervolles und erhabenes Bild des israelitischen Lebens spiegelt sich hier in den Worten eines königlichen Weibes! Für alle ernste Dinge bereitet sich der Israelit durch Fasten, Gebet, gute Werke, durch Heiligung des Körpers und der Seele vor. So ist der erste Tag des Jahres nicht der Zerstreuung und dem Vergnügen geweiht, sondern es ist "ein heiliger und erhabener Tag, der dem Ewigen gehört und der Prüfung unseres Lebens. So ist der Hochzeitstag für die jungen israelitischen Gatten ein Tag der Sammlung und der frommen Betrachtung. — „Fastet für mich," läßt Esther dem Mordechai sagen, „ich und meine Mädchen, wir werden für euch fasten." Durch Gebet, Buße, Eintracht und gegenseitige Liebe versöhnen wir am Ehesten den Zorn des Allgerechten. — Und es geschah am dritten Tage, da Esther gefastet hatte, da erhob sie sich aus dem Staube und bekleidete sich mit königlichen Gewändern und betete zu Gott, dem Herrn*): „Allmächtiger, Gott Abraham's, Iizchak's und Jakob'k, Gott meines Vaters Binjamin, nicht um meinetwillen trete ich vor diesen König, sondern um deines Volkes Israel willen, daß es nicht vernichtet werde. Um Israels willen hast Du die Welt erschaffen und wenn Israel vernichtet wird — wer soll dann, Allheiliger, deinen Namen heiligen auf Erden? Wie Du gerettet hast Chananjah, Mifchael und Asarjah aus dem feurigen Ofen, wie Du gerettet hast Daniel aus der Löwengrube, so rette auch mich und laß mich Gunst und Gnade finden in den Augen des Königs! — Um unserer Sünden willen Haft Du uns verlassen, und ein Gesetz ist ausgegangen vom Könige, Alle zu tobten. Die Nachkommen Abraham's sind in Trauergewänder gehüllt, und Asche bedeckt ihr Haupt. Wenn mir aud) gesündigt, was haben die zarten Kinder verbrochen, daß auch sie sterben sollen? Gedenke Abrahams, Deines Lieblings, den Du versucht hast mit allen Versuchungen, den Du geprüft hast mit allm Prüfungen, und hast ihn bewährt uttv trÄr befunden — o, gedenke uns seine Verdienste und rette uns aus des bö,en Haman Hand! Gedenke der Opferung Iizchak's und beuge den Uebermuth der mächtigen Unterdrücker!" — Und als Esther so betete, da flössen ihre Thränen so reichUch, daß ihre Augen sich verdunkelten und die Stimme ihr versagte. Allein nach einiger Zeit Hub sie wieder an: „O, wenn ich hineingehe zum Könige, und er nimmt mich nicht freundlich auf, was soll da aus mir und meinem Volke werden? Allgütiger, fende den Engel des Erbarmens, auf daß ich Gunst und Gnade finde. Vor mir her ziehe Abrcchams Frömmigkett, Iizchaks Hingebung halte mich aufrecht, Jakobs Liebe lege das rechte Wort mir in den Mund, Josephs Anmuch belebe meine Zunge, und ganz Israels Gebet stütze mich. Du, o Gott, erhörst das Flehen der Bedrängten; führe uns aus Noth zur Freiheit, aus Elend zum Glück, uns die wir scsthalten an Deinem Bunde und beobachten Deine Gebote. Gott, der Du Herz und Nieren prüfst, versage nicht meine Bitte, verwirf mein Flehen nicht!" — So betete ein jüdisches Weib, eine israelitische Königin, und Gott erhörte ihr Gebet, und sie ward die Retterin und Wohlthäterin ihres Volkes. — Verein jur Förderung und Conservirung des religiösen Lebens für dir Inden in Ventfchianö. Der für alles Gute begeisterte und thätig wirksame Herr Ludwig Rapp in Frankfurt a. M, theilt uns mit, daß er für die Gründung eines Eentralcomito in Frankfurt a. M. sich zu bemühen die Güte haben will. Außerdem erhalten wir folgende Zuschriften: Dürkheim a. d. H., den 1. März 5627. Nur ungern gebe ich meine Meinung in einer Sache kund, worüber nur „Männer von Einfluß und Befähigung" sich vernehmen zu lassen aufgefordert werden, da ich keineswegs so unt escheiden bin, mich diesen beizählen zu wollen. Doch die Angelegenheit der Gründung eines „Vereins zur Förderung und Eonservirung des religiösen Lebens.." ist zu heilig und jedem wahren Israeliten zu stark an's Herz greifend, als daß nicht auch ckü minorurrr gentium, wie meine Wenigkeit, ihre Begeisterung dafür dabei zum Ausdrucke bringen dürften. Es wäre die größte und bedeutsamste That Ihres geschätzten Blattes, unter den Vielen, die es bisher durch sein offenes und unerschrockenes in die Schranken-Treten für den heiligen Glauben der Väter wirkt, wenn die *) Nach dem Targum Scheni.

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