Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1867)
- Date
- 1867-03-06
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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164 nerrr der Wissenschaft aufzuweisen hat und eine große Menge trauernder Glaubensgenossen. Herr Albert Cohn hielt die Rede vor dem nnspn n»3, da er dasselbe als p:> nicht betreten darf. Seine Worte rührten manches Auge zu Thränen. Herr Longperriet vom Institut sprach am Grabe des verstorbenen College« in den Ausdrücken der tiefsten Hochachtung, indem er seine Bewunderung darüber aussprach, mit welcher Treue der Verstorbene seiner Religion und ihren Satzungen angehangen habe. Der Oberrabbiner Jstdor fuhr dann fort, indem er sagte, daß der Verewigte im Namen seiner Freunde, seiner gelehrten Collegen schon betrauert worden sei, ihm bleibe nur übrig, dieses auch im Namen seiner Glaubensgenossen zu thun. Derselbe beweinte Munk ebenfalls als Freund, als Mann der Wissenschaft und über Alles als Juden. Rußland. Lublin. Hier sind bei der jüngsten Rekrutirung 25 Juden assentirt und durch die außerordentliche Opferbereitwilligkeit unserer Gemeindemitglieder sämmtlich loSgekauft worden. Türkei. Candia. Die Schilderhebung der christl. Unterthanen der hohen Pforte hat auch unsere Glaubensgenossen nicht unberührt gelassen. Dieselben befinden sich in sehr peinlicher Lage. Bei der Anhänglichkeit und der Treue der Juden, die sie stets der regierenden Gewalt gegenüber an den Tag legen, haben sie bisher alle Aufforderung zur Betheiligung an der Revolution beharrlich zurückgewiesen. Dieses hatte für sie die schlimmen Folgen, daß sie von den Kandioten beraubt und mißhandelt worden sind. Viele jüdische Familien mußten Hab und Gut im Stiche lassen, um nur das nackte Leben zu retten. Zu Paris und London sammelt man Geld für diese Unglücklichen, die größtentheils nach Griechenland oder Korfu geflohen sind. (Judenfreund. *)) Palästina. Jerusalem. Kürzlich kamen sechs Männer von den amerikanischen Colonisten hierher und ersuchten unsere Glaubensgenossen, ihnen zu folgen und sich dem Ackerbau zu widmen. Die Amerikaner versprachen unseren Glaubensgenossen, ihnen Felder anzuweisen, Ackergeräthe und Zugvieh zu stellen, und sie den Ackerbau zu lehren. Einige Familienväter von den sephardischen Gemeinden folgten dieser Einladung. Wenn diese mit den Resultaten der neuen Thätigkeit zufrieden sein werden, so wird sich sicherlich die Beiheiligung bedeutend vergrößern. (Libanon.) *) Anm. der Red.: Das ist der Name einer neuen Zeitschrift im jüdischen Dialect, die der treffliche, unermüdliche Herr Joseph Cohn in Lemberg edirt. Feuilleton. tsö rvs Gallerte -er Nabdiner. Erste Centurie. (Fortsetzung.) 13. tsoun jwd R. Moses Henochs Jerusalem, ältester Sohn des R. Henochs Altschul - Jerusalem, war einer der verdientesten Rabbiner und Volksschriftsteller zu Prag. Er studirte zu Prag, unter der Leitung seines Vaters, und schrieb ein sehr interessantes Sittenbuch in deutscher Sprache. Dieses Werk das den Titel „Brandspiegel" führt und sechsundsiebzig Kapitel enthält, war mehr als 200 Jahre lang der treue Rathgeber der deutschen Frauen und Töchter in Israel. Eine Uebersicht dieses gehaltreichen Werkes würde mich zu weit führen, ich begnüge mich daher mit der Analyse der ersten Kapitel. Nachdem der Verfasser über den Titel seines Werkes und dessen Nutzen und Sprache gesprochen hat, macht er im Kapitel 5 einen Vergleich zwischen einem klugen und unklugen Menschen. Der Kluge ist gottessürchtig und gut; der Unkluge hingegen ist gottvergessend und böse. Hierauf entwirft er, Kapitel 7, eine Parallele zwischen einer guten und einer bösen Frau, und schildert mit lebhaften Farben das Gute und das Böse, das eine Ehegattin vollbringen kann. Er zeichnet ein lebendiges Bild von dem Zustande des Hauses eines wackeren Weibes und desjenigen einer Leichtsinnigen. Eine vernüftige Frau befestigt ihr Haus, aber die Thorheit reißt es mit eignen Händen nieder u. s. w. Der Verfasser ist sehr bescheiden und entschuldigt sich Kapitel 2, daß er sich unterstanden hat als Moralist aufzutreten. Ein Volksbuch von solcher Wichtigkeit mußte sich wiederholter Ausgaben erfreuen; ich führe folgende 7 an. Prag, 1572, 4; Basel, 1602, 4; Conrad Waldkirch (Bl. 234;) Prag, 1610, 4; s. l. 1626, 4 (Bl. 204); Krakau s. a. 4; Frankfurt a. M., 1680, 4; ibidem 1691, 8. — R. Moses Henoch Jerusalem soll noch viele andere Werke hinterlassen haben. Sein Sohn R. Henoch Altschul, war mehr als 30 Jahre Gemeindediener und Aktuar. Er starb zu Prag 1633 im Atter von 69 Jahren und 8 Tagen. 14. «oun mrp h R. Iehuda Lob Henochs Altschul, der zweite Sohn des R. Henochs Altschul - Jerusalem,