Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1867)
- Date
- 1867-03-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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VIII. Jahrgang. Beilage zu Nr. 10 des Israelit. Leitender Artikel. Bulletin der Alliance Isra£lite Universelle. (Fortsetzung.) In Tanger hat der Direktor der Schule sämmtliche Kinder der Gemeinde in die Schule ausgenommen. Dieselbe ist ein großes Etablissement und zählt nicht weniger als 430 Schüler; sie wird regelmäßig von den Gesandten Frankreichs, Englands, Spaniens, Italiens, Schwedens und der übrigen europäischen Mächte inspicirt, und die Fortschritte der Schüler in den verschiedenen Unterrichtsfächern, welche der Arzt der französischen Gesandtschaft, Herr Macs, mit der Gesundheitslehre, die zu unterrichten derselbe bereitwillig übernommen hat, vervollständigt — werden von ihnen in den an ihre Regierungen und an die Alliance gerichteten Berichten ausführlich besprochen. Sie haben die Direktion der Schule so gut gefunden, daß sie den Wunsch ausgesprochen haben, daß man die Kinder ihrer christlichen Nationen und selbst die der einheimischen Muselmänner aufnehmen wolle. Die Schule wurde mit 30 Kindern der anderen Kulte eröffnet, unter denen sich viele arme befinden, welche den Unterricht unentgeltlich genießen wie die unsrigen auch. Wir haben dem Minister von Frankreich unsere Befriedigung ausgesprochen, daß man unsere Schule als Pflanzstätte ausersehen hat, wo Muselmänner, Christen und Juden sich verbrüdern sollen. Wie das Gute wieder Gutes erzeugt, so wird auch das Hospital, das daselbst gegründet werden soll, den Kranken aller Stände geöffnet werden. Der Minister Frankreichs zeigte uns die Gründung desselben mit folgenden Worten an: „Ich habe den Brief erhalten, mit welchem Sie mich in Betreff der Zulassung eines christlichen Kindes in die jüdische Schule zu Tanger beehrten. Sie haben Recht, daß bei der Bitte, welche ich an den Direktor der Schule richtete, mich der Gedanke, keinen Unterschied zwischen den Relgionen obwalten zu lassen, leitete. Um diesen Grundsatz anzubahnen, habe ich die Bitte um die Aufnahme eines jungen Arabers, welcher in meinen Diensten steht, in diese Schule ausgesprochen; das Beispiel wird nutzbringend sein. Ich bin von diesen Principien so durchdrungen, daß ich mich jetzt mit dem Gedanken beschäftige, in Tanger ein HoSpital zu gründen, welches ich allen Einwohnern, ohne Unterschied der Religion, zu eröffnen wünsche." Der Zustand der Mädchenschi^e zu Tanger, welche von einer einheimischen Lehrerin geleitet wird, ist weniger befriedigend. Trotz des Beitrags, welchen wir derselben gegeben haben, konnten wir die Gemeinde doch nicht dazu bringen, eine Lehrerin, welche fähig wäre, der Schule vorzustehen, aus Europa kommen zu lassen; wir hoffen jedoch, daß unsere Glaubensgenossen bald einsehen werden, daß eine gute Mädchenschule ebenso nothwendig ist wie eine gute Knabenschule. Zu Mogador wird eine Knabenschule errichtet. Die Gründung dieser Schule sowie noch viele Verbesserungen verdankt diese Stadt dem Geschäftsführer des französischen Konsulats, Herrn Gay. Der schreckliche Zustand des Judenviertels betrübte ihn, er beschloß, diese Straßen gesundheitsmäßiger zu machen; er brauchte hiezu viel Geld. Durch die Hilfe angesehener Israeliten erhielt er eine beträchtliche Anzahl Subscribenten aus der Gemeinde. Er hatte noch 6000 Francs nöthig; er ersuchte unseren Präsidenten um diele Summe. Dieser wendete sich an die Wohlthätigkeit einiger Glaubensgenossen und brachte 7200 Francs zusammen; 6000 Francs wurden Herrn Gay geschickt und 1200 Francs der Schulkasse übergeben. Dieses Geld wurde sehr gut angewendet. „Mit diesem Gelde," schrieb uns Herr Gay, „wurden viele Arbeiten ausgeführt und andere nicht minder beträchtliche stellen sich ein in dem Ziele, die Lage Ihrer Glaubensgenossen, deren traurige Stellung allgemeines Mitleid erregt, zu verbesseren. Ich ließ es mir angelegen sein, ihnen, soweit es im Bereich der Möglichkeit lag, Luft, Wasser, Licht, wovon sie ganz entblößt waren, zu verschaffen. Die Mellah, durch welche man noch vor einem Jahre nicht durchgehen konnte und die unbewohnbar war, ist ganz und gar umgestaltet und wurde daS Viertel der Mode. Sämmtliche Häuser wurden ausgebeffert, geweißt, gesünder gemacht, die Straßen sind gepflastert und mit Kloaken und Brunnen versehen worden. Prächtige Synagogen konnten vollendet werden und die alten wurden inwendig und auswendig mit Kalk verputzt. Unser Hospital bietet einen herrlichen Anblick dar und leistet täglich große Dienste den Unglücklichen. Der Antrieb ist gegeben, und die Nacheiferung verbreitet sich nach allen Seiten hin. Die kleine Mellah wird, wie ich hoffe, nach dem Muster der großen Mellah bald umgestaltet sein. Neulich wurde ein Teich eingerichtet, in welchem sich Wasser in großer Masse befindet und so ist es ihnen ermöglicht, auf Reinlichkeit, die ihnen bis jetzt unbekannt war, zu sehen. Wir sind auf dem besten Wege, und Sie können überzeugt sein, daß ich stets den armen Israeliten zu Mogador, für die ich die lebhafteste Sympathie habe, meinen Schutz angedeihen lassen werdet Während Herr Gay mit zu großer Bescheiden-