Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 8 (1867)
- Issue
- Heft 10 (6.3.1867)
- Date
- 1867-03-06
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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159 wisse aus ganz zuverlässiger Quelle, daß der Vertrag bald abgeschlossen werde. Herr Baron v. Rothschild beeilte sich, diese wichtige Nachricht dem Minister Grafen Mensdorf sofort rnitzutheilm. Der frühere Minister behandelte die Sache so saumselig, daß der Vertrag zwischen Preußen und Italien wirklich zu Stande kam. Oesterreich hat dadurch Venetien und seine Machtstellung in Deutschland verloren. Die Regierung hat sich nun überzeugt, daß Herr Landau wirklich die Wahrheit berichtet hat und hat ihm dafür diesen hohen Orden verliehen. In dem weisen Plan des Lenkers aller Dinge war es beschloffen, daß es so kommen mußte. Oesterreich sollte dem Rathe des treuen Juden nicht Folge leisten. — Jedenfalls aber ist dies ein neuer Beweis von echtem Patriotismus der Juden. — Herr Horaz Landau wurde auch in den österr. Adelsstand erhoben. — C a n a d a. Suspension Bridge. An diesem Ort, der in der Nähe des Niagarafa'lls liegt, leben 3000 Einwohner, unter welchen sich auch sechs jüdische Familien befinden. Obschon dieselben kaum po haben, so haben sie sich dennoch zu einer Gemeinde vereinigt. Sie unterhalten einen |?n und Lehrer mit einem Gehalt von 550 Dollars, haben ein recht nettes Zimmer zu einer Synagoge hergerichtet und besitzen zwei Sephorim. Der Lehrer unterrichtet 14 Schüler. Sämmtliche Mitglieder beobachten den Sabbat sehr streng und haben Koscherfleisch, das ihnen dreimal wöchentlich von Lonaport aus einer Entfernung von 75 Mei len zugeschickt wird. Herr Silberberg aus Buffalo ist der Gründer dieser Gemeinde und sein Sohn Herr M. Silberberg ist jetzt Vorsteher. Jeden Sabbatmorgen geht der Gemeindediener von Haus zu Haus, um sich zu erkundigen, ob kein Gemeindemitglied krank ist, in welchem Fall sie kein haben und ihr Gebet zu Hause verrichten. Keine Gemeinde der Verein. Staaten ist eines besieren Rufes würdig. Alle Ehre unseren Brüdern zu Suspension Bridge. (Jewish Meffenger.) Feuilleton. Rabbi Etchanan. (Fortsetzung.) II. Im Hause Rabbi Schimeon's herrscht Trauer und Sorge. Elchanan ist erkrankt, ist bedenklich erkrankt; an seinem Bettchen sitzen Vater und Mutter und weinen. Margaretha, die treue Wärterin, reicht dem Kinde den kühlenden Trank, den Rabbi Nathan, der Arzt, verschrieben hat. Das Kind hat starkes Fieber; seine Stirne glüht, undunruhig wirft es sich hin und her. Bald phantasirt es von seinen Spielgenossen, bald von Vater und Mutter und Geschwistern; dann ruft es heftig die Wärterin, und da diese zu ihm herantritt, stößt es sie hinweg und stöhnt wie von furchtbarer Angst gepeinigt. Endlich sinkt es in sein Bett zurück und ruht eine Zeit lang. Dann erhebt es sich wieder und ruft mit lauter Stimme: „El-chonon nachaloßau benauam lehaschpar!" — In diesem Augenblicke ist Rabbi Nathan, der Arzt, eingetreten; verwundert hört er den Ausruf des Kindes und sicht fragend Rabbi Schimeon an. „Es ist ein Vers aus einem Gedichte, das ich für das Neujahrsfest gedichtet habe; er kam zufällig dazu und freute sich, seinen Namen darin zu finden," sagte erklärend der Nabbi. Rabbi Nathan schüttelte das Haupt. „Ich habe es euch schon oft gesagt, Nabbi," sprach er, „ihr strengt das Kind zu früh an. So junge Kinder sollten sich noch ganz hingeben dem kindlichen Spiele, bis sich der Körper mehr entwickelt hat." — Dann trat er an das Bett des kleinen Kranken und schüttelte abermals das Haupt. „Das Kind ist sehr krank," sprach er langsam, „und bedarf der sorgfältigsten Pflege. Man darf es nicht einen Augenblick allein lasten. Das Fieber wird noch neun Tage lang zunehmen. Erft dann wird die Entscheidung eintreten. Aber ihr dürft nicht alle drei an seinem Bette wachen. — Ihr müßt abwechseln, sonst könnt auch ihr es nicht nicht ertragen." „Der Rabbi darf nicht wachen," sprach da die Mutter; „er durchwacht ohnedies so manche Nacht und denkt und lehrt und schreibt säst ununterbrochen. Aber Margaretha und ich, wir werden abwechselnd unser theures Kind pflegen." . Der Arzt ging; Nabbi Schimeon wurde in sein Studierzimmer gerufen, da eine religiöse Anfrage seiner Entscheidung harrte. Unterdeß war es Abend geworden, und Magaretha bat ihre Gebieterin, nunmehr einige Stunden der Ruhe zu pflegen, indem sie ihr versprach, sie nach Mitternacht zu wecken. Die Mutter trennte sich ungern von ihrem kranken Kinde, allem sie sah die Noihwendigkeit ein; sie legte sich jetzt zur Ruhe, um später mit erneuter Kraft wachen zu können. Nunmehr saß Magaretha allein im Krankenzimmer. „Armes Kind," sprach sie vor sich hin, als der Knabe in einen unruhigen Schlummer verfiel, „armeS Kind, mußt so jung sterben und bist doch so schön und so klug, und kommst auch nicht ins Himmelreich, denn du bist ja ein Judenkind! Und ich Hab' dich so lieb, ach, könnt' ich dich retten!" Und Magaretha fing an bitterlich zu weinen und schluchzte so laut, daß