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Der Israelit · 1867-03-06 · Heft 10 (6.3.1867) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
8 (1867)
Issue
Heft 10 (6.3.1867)
Date
1867-03-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
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154 ten Judenhasse des niedein und höhsrn Pöbels gelang es, die wohlmeinendsten Beschlüsse der Behörden illusorisch zu machen. Wer mit den Verhältnissen Ungarns nur einigermaßen bekannt ist, wird sich darüber nicht wundern. In einem Lande, wo die Decentralisatioa so sehr vorherrscht, in einem Lande, wo einige sechzig Kdmitate mit möglichster Autonomie Staaten im Staate bilden, muß unwillkürlich die Verschiedenheit herSyrnathie und Antipathie, des Opportunen und Meritorischen, in einzelnen Komitaten ganz verschiedene Resultate und deshalb entgegengesetzte Entschlüsse liefern; und daher die große Verschiedenheit nach dieser Richtung hin. Dies aber kann, wie Jeder einsieht, unmöglich zu großen und, ich möchte sagen, noch unmöglicher zu gesicherten Resultaten führen. Der Weg, der eingeschlagen werden muß, wird von der wesentlich veränderten Situation vorgezeichnet. Das Losungswort der Zeit ist die Centralisatron, und wir, die wir schon seit Jahrhunderten ein ungetheiltes Ganzes sind .-.;d n? D'3nj> bi, wir sollten uns bezüglich der wichtigsten und höchsten praktischen Neligionspflicht, dein Einslehen für die Heilig - Haltung des anp rop, unserer Zusammengehörigkeit nicht bewußt werden? Oder wäre es etwa nicht wahr, daß das Kainsmahl uns Allen anhaftet, daß das nB"Kn 'du o'pyiy -pntt ’cn bip uns Alle anklagt, wenn wir uns der Noth urw Pein unserer Brüder, die leider in dem Ringen und Kämpfen gegen diese Verführung untergehen, unser Ohr verschließen prr oniDxn ri'un i.oyy -vnn ü'nn; sehr selten haben die Nächftöetheiligten den Muth und die Gelegenheit, nicht immer treffen sie das Entgegenkommen, ihre Sache nach Recht und Billigkeit nar^osi nPsm dmchzusetzen. — Die Stimmen von Hunderttausenden, besonders wenn dieselben nicht unmittelbar von der Frage berührt werden, werden nicht übertönt werden, werden nicht von Straßenaufläufen und Fenstereinwürfen brutal erstickt werden können. — Diese Hundert tausende werden ihr Recht suchen beim hellen Tageslichte, mit offenem Visir, und haben nicht nöthig, durch Schleichwege geheimnißvoll zu wandeln, um, wie das schon so oft vorgekommen ist, nach so gerechtem Jubel über den Sieg des Rechtes, in Folge anderer geheimer Gegenmittel und Gegcnwege, bitter enttäuscht zu werden. — Nein, unsere erleuchtete Zeit kennt nur Ein sicheres Mittel zum Siege der Wahrheit und dies ist — die unbedingte Oeffentlichkeit. Offen und frei für unser Recht als anerkannte Religionsgesellschast in der Publizistik plaidiren; offen und frei sich an Behörden, an Landtage, an Abgeordnetenhäuser rc. wenden, alle redlich Denkenden auch der herrschenden Confessionen für dieses unser Recht, den Schutz der Heilighaltung unseres Sabbats ganz so wie anderseits des Sonntages zu erlangen; das sind die Mittel, welche, wenn nur mit Geduld hartnäckig seftgehalten, wenn wir nur gefaßt auf Enttäuschungen, welche allerdings nicht ausbleiben werden, wenn wir nur von zäher unermüdlicher Spannkraft, sicher zum Ziele führen müssen. — Die Wege, die ich hier einzuschlagen anempfehle, scheinen, ich verhehle es mir durchaus nicht, sehr weit und fern vom Ziele; die bisherigen unmittelbaren Unterhandlungen der Betreffenden mit ihren Behörden scheinen viel kürzer und schneller zum Ziele zu führen. In der Thal aber ist es umgekehrt; abgesehen nämlich davon, daß die Specialermächtigungen sich, wie schon erwähnt, sehr oft als illusorisch Herausstellen; so waren überhaupt diese Bestrebungen nur sehr selten, und nur da, wo entweder die Majorität der Gemeinde oder wenigstens eine compakts Minorität den Willen und den Muth hatte, für diese Heilighaltung des anp nus? zu kämpfen. Was aber wurde und wird aus der Minorität solcher Gemeinden, deren Majorität zu den rac? ^no gehört, oder aus denen, wo die Orts- und behördlichen Verhältnisse solchen Bestrebungen feindlich sind? Das Mittel aber, welches ich vorschlage, ist ein unbezwingliches und setzt nur eins voraus, was es aber hoffentlich voranssetzen darf, daß der nw sich ebensowenig schämt, für die Heilighaltung seines Ruhetages öffentlich zu agitiren, wie die Bekenner anderer Confessionen für den ihrigen. Aber nicht nur die negative Seite, sich ihres nnar nicht zu schämen, gehört dazu, sondern auch eine sehr positive, die positivste aller praktischen „Fragen", nämlich Geld, viel Geld, sehr viel Geld. Es muß nämlich, wenn gründlich geholfen werden soll, sich ein ähnlich wie der Verein l'aüianee universelle für jüdische humanistische und intellectuelle Zwecke, so ein mindestens in ganz Oesterreich ausgebreiteter Verein, den wir etwa, wie der jüngst in Paris gebildete ros? nci» rron, nennen wollen, gebildet werden, der mindestens nach Miriaden von Mitgliedern zählen muß, die sich zu einem gewissen jährlichen Beitrage verpflichten, welche eben theils zur Bearbeitung der Öffentlichkeit nicht so sehr in jüdischen Organen, die zu unserem Zwecke wohl unentgeltlich wirken werden, als vielmehr zu speciellen Flugblättern und deren Versendung, theils in der Tagespreise der politischen Zeitungen, zur Subvention von kleinern Gemeinden, welche eine solche Verlegung des Wochenmarktes anstreben, oder etwa nothwendige Reisen rc. zur Eczielung des Zweckes nicht honoriren können, theils zu Eingaben an Landtage, zu Deputationen rc. rc. verwendet werden; kurz es muß eine solidarische Thätigkeit zum gemeinsamen Bestreben organisirt werden. Es versteht sich von selbst, daß ich hier nur die allgemeinsten Umriffe geben kann, und will ich Größeren nnd Besseren überlassen, das Ganze zu organisiren und die Statuten zu entwerfen, denen, als eine heilige Gerechtsame betref-

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